Baden
Badener Polizeichef: «Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie»

Die Stadtpolizei muss 300 000 Franken sparen. Gleichzeitig warten anspruchsvolle Aufgaben wie die Fusion mit der Repol Limmattal-Aare-Reuss. Polizeichef Martin Brönnimann sagt im Interview, wie das geht.

Sabina Galbiati
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«Wir werden freie Stellen nicht sofort wieder besetzen und bei Anlässen mit einem kleineren Aufgebot anrücken.» Martin Brönnimann, Polizeichef

«Wir werden freie Stellen nicht sofort wieder besetzen und bei Anlässen mit einem kleineren Aufgebot anrücken.» Martin Brönnimann, Polizeichef

Alex Spichale

Das neue Jahr wird kein einfaches für die Stadtpolizei Baden. 300 000 Franken muss sie sparen. Dabei müssen Abstriche gemacht werden, ohne dass die Sicherheit oder die Polizisten ein Nachsehen haben. Polizeichef Martin Brönnimann sagt, wo die Polizei dieses Jahr sparen wird.

Herr Brönnimann, es hat einige kalte Nächte gegeben über die Feiertage. Haben die Polizisten lange Unterhosen bekommen?

Martin Brönnimann: (Lacht.) Glücklicherweise entscheidet jeder Polizist selber, welche Unterwäsche er oder sie trägt. Wir rüsten aber unsere Männer und Frauen mit Thermowäsche aus. Zudem sind sie abgehärtet.

Selber müssen Sie meistens Büroarbeiten machen. Wenn Sie trotzdem mal auf Patrouille gehen, was machen Sie dann am liebsten?

Verkehrs- und Personenkontrollen. Ich mag den Kontakt mit den Leuten. Bei den Kontrollen komme ich mit den Menschen ins Gespräch. Oft erkläre ich ihnen, was die Polizei macht und wer wir eigentlich sind.

Dieses Jahr wird es bei der Stadtpolizei (Stapo) mehrere Veränderungen geben. Eine davon ist die Zusammenarbeit mit der Repol Limmattal-Aare-Reuss (LAR). Weshalb beginnt sie schon dieses Jahr? Die Fusion ist erst für kommendes Jahr geplant.

Die Polizisten können sich auf diese Weise kennen lernen. Zudem macht es Sinn, wenn unsere Patrouillen auf ihrer Route von Birmenstorf nach Obersiggenthal durch Gebenstorf und Turgi fahren und die beiden Dörfer kontrollieren, anstatt sie zu umfahren, nur weil sie nicht zu unserem Gebiet gehören.

Mehr Aufwand bei gleichzeitigem Spardruck: Geht das auf?

Nun, wir haben zwar mehr Aufwand, aber wir können ihn ausgleichen. Die Polizisten der LAR werden bei den Patrouillen dabei sein, sodass wir von der Stadtpolizei einen Mann weniger rausschicken müssen.

Wegen des Umbaus des Schulhausplatzes wird die Stapo weniger Parkplatz-, Geschwindigkeits-, und sonstige Ordnungsbussen ausstellen. Wie kommt das fehlende Geld wieder in die Kasse?

Tatsächlich rechnen wir insgesamt mit 100 000 Franken weniger Einnahmen. Wir werden weniger Leistungen von privaten Sicherheitsfirmen beziehen. Zudem wollten wir eigentlich unsere Polizisten mit Arbeits-Handys ausrüsten. Mit einer gespeicherten App hätten wir die Leute im Ernstfall schneller zum Einsatz rufen können. Aber das Projekt ist nun vorläufig auf Eis gelegt.

Können Sie das Geld nicht mit Bussen für jene Fahrer einholen, die während der Umbauarbeiten die Schleichwege in den Quartieren ausnutzen?

(Schmunzelt) Nein, wir haben in den Quartieren jetzt schon eine gute Kontrolldichte. Und es geht uns nicht darum, einen möglichst hohen Bussenertrag zu erwirtschaften, sondern die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Zudem hat der Kanton 200 000 Franken gestrichen, weil die Kapo die kleinkriminalistischen Aufgaben wieder von der Stapo übernehmen sollte. Die Stapo hat sich gewehrt mit dem Resultat: Das Geld fehlt, die Arbeit macht man aber weiterhin selber ...

... Ja, zum Glück.

Das klingt jetzt ironisch.

Nein, uns liegt diese Arbeit wirklich am Herzen, weil sie eine der spannendsten ist. Deshalb wollen wir sie weiterhin machen. Zudem hätten wir nicht weniger zu tun, wenn diese Arbeit die Kapo wieder machen würde.

Können Sie ein Beispiel geben?

Wenn unsere Polizisten wegen eines Diebstahls ausrücken und den Täter schnappen, müssten sie anschliessend die Kapo informieren, warten bis diese vor Ort ist und den Polizisten die ganze Sachlage erklären, damit die Kapo dann einen Bericht schreiben kann und den Täter in Gewahrsam nimmt. So wie es jetzt ist, können unsere Stadtpolizisten den Bericht gleich selber schreiben, statt tatenlos zu warten.

Trotzdem fehlt das Geld. Wie lautet Ihr Plan?

Wir werden freie Stellen nicht sofort wieder besetzen und bei Anlässen mit einem kleineren Aufgebot anrücken.

Übersetzt heisst das: Sicherheitsabbau. Die Stapo ist für sechs Gemeinden zuständig. Wie kann die Stapo die Sicherheitslücken schliessen?

Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie, aber in so einem Fall können wir auf die nächste Repol oder auf die Kantonspolizei zurückgreifen. Das funktioniert im Ost-Aargau sehr gut.

Spielt es für die Stapo also gar keine Rolle, wie viel sie sparen muss? Wenn ihre Polizisten ausgelastet sind, springt sowieso die Kapo ein.

Es ist ein Geben und Nehmen, aber am Ende trägt die Kapo unsere Sparmassnahmen mit.

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