Soll die Polizei bei Verbrechen die Nationalität der mutmasslichen Täter nennen? Die Stadtpolizei Zürich nennt ihre Herkunft in Pressemitteilungen neu nicht mehr. Dies hat Stadtrat und Polizeivorsteher Richard Wolff (Alternative Liste) bekannt gegeben. Er spricht von einer ethischen Massnahme. «Sie soll verhindern, dass diskriminierende Tendenzen in der Berichterstattung gestärkt werden.» Die automatische Nennung von Nationalitäten im Zusammenhang mit Straftaten trage dazu bei, Vorurteile gegen gewisse Nationalitäten zu schüren. Wenn Journalisten die Herkunft von Tatverdächtigen wissen wollen, können sie diese bei der Medienstelle der Zürcher Polizei jedoch erfragen.

Matthias Gotter (CVP), Stadtrat und Polizeivorsteher in Baden, findet hingegen, die Nationalität eines Täters sei eine relevante Information.  «Die Bevölkerung hat das Recht darauf, Alter, Geschlecht und Nationalität einer Person zu kennen, die gegen das Gesetz verstossen hat. Wir leben in einer Zeit, in der vom Staat viel Transparenz gefordert wird, was ich befürworte. Wenn sich dann beispielsweise in einer Jahres-Kriminalstatistik zeigt, dass eine Nation häufiger aufgeführt wird als eine andere, dann handelt es sich dabei um einen Fakt, und es macht keinen Sinn, diesen zu verschleiern.»

Er teile die Meinung des Strafrechtsprofessors Martin Killias, dass durch das Verschweigen der Nationalität Vorurteile erst recht geschürt werden können. Kilias sagte: «Steht zum Beispiel in einer Polizei-Medienmitteilung, an der Zürcher Langstrasse sei ein ‹Mann› beim  Chügeli-Dealen  erwischt worden, werden sich viele Leute einfach ihren Teil dazu denken.»