Baden
Badener Stadtpolizei begrüsst neue Kiffer-Busse

Cannabis-Konsumenten sollen künftig nur noch gebüsst, nicht jedoch angezeigt werden. Die Meinungen über das neue «Cannabis-Gesetz» gehen in der Region weit auseinander. Die Stadtpolizei Baden begrüsst den Entscheid.

Dean Fuss
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Kiffer sollen künftig eine Busse von 200 Franken berappen.Keystone

Kiffer sollen künftig eine Busse von 200 Franken berappen.Keystone

Beim Thema Kiffen ist die Assoziation mit Schülern nicht weit. Vor dem Schulhaus der Berufsfachschule BBB in Baden ist am Donnerstag Mittag nicht viel los. Ganz vereinzelt stehen Raucher vor dem Eingang. Im Gebäudeinnern sitzen Schüler zusammen, verpflegen sich und brüten über ihren Aufgaben. Das vom Nationalrat am Mittwoch geschaffene «Cannabis-Gesetz» ist aber, allen Erwartungen zum Trotz, nicht Thema Nummer eins.

Die meisten BBB-Schüler bestätigen zwar, davon erfahren zu haben, doch das Interesse ist klein. «Ich kenne hier kaum jemanden, der kifft», versichern mehrere Schüler zwischen 17 und 21 Jahren. Auch BBB-Schulleiter Hanspeter Vogt bestätigt dies: «Wir haben an unserer Schule nur sehr wenige Cannabis-Fälle. Das ist kein grosses Thema.» Dasselbe gilt für die Kantonsschule Baden. «Auf unserem Gelände, meine ich, haben wir das im Griff», so Rektor Hans Rudolf Stauffacher.

Hohe Busse als Hemmschwelle

Der Nationalrat hat am Mittwoch entschieden, dass Erwachsene, die beim Kiffen erwischt werden, nur mit 200 Franken gebüsst und nicht mehr angezeigt werden. Damit ist Vogt zufrieden: «So werden die Leute nicht ihr Leben lang von einer Jugendsünde verfolgt.» Die Busse stelle angesichts der Lehrlingslöhne eine erhebliche Hemmschwelle für die Jungen dar. Dem pflichtet auch Martin Zulauf, Kommandant der Badener Stadtpolizei bei: Die Busse sei höher, als die meisten im aktuellen System.

Bei der Stapo ist man über den Entscheid erfreut. «Das bedeutet eine wesentliche Erleichterung unserer Arbeit und reduziert den Papierkrieg, der durch die Verzeigungen entstand», kommentiert Zulauf.

Geri Müller zeigt sich skeptisch

Das ist aber auch gerade der einzige Aspekt, den Grünen-Nationalrat Geri Müller begrüsst. Müller, der schon zugab, ab und an selber einen Joint zu rauchen, warnt vor der Gefahr, dass sich die Polizei wegen der Erleichterung verstärkt aufs Kiffen konzentrieren könnte. Dem widerspricht Zulauf: «Wir machen keine Jagd auf Kiffer. Unsere Handhabe wird sich nicht verändern.»

Es sei kein guter Entscheid, bemerkt Müller. «Ich bin nicht zufrieden.» Die Debatte im Nationalrat hätte die Linken dazu verführt, sich eher den rechten Voten anzuschliessen. Der Badener hofft nun auf den Ständerat: «Dieser wird sicher noch einiges korrigieren.» Er gehe davon aus, dass die Busse gedrückt, und die maximal mitgeführte Menge von zehn Gramm noch erhöht werde.

Für Michael Schwilk, Stellenleiter des Beratungszentrums Bezirk Baden ist das Bussen-Modell für Erwachsene einen Versuch wert. Aber: «Bei Jugendlichen würde das meines Erachtens zu kurz greifen.» Hier seien Früherkennung, Frühintervetion, Prävention und Aufklärung wichtig.