Baden
Badener Stadtrat zieht Kreditvorlage für Brown-Boveri-Platz zurück

Weil dem Einwohnerrat Baden die nötige Gesamtsicht fehlte, zog der Stadtrat die 5-Millionen-Franken-Kreditvorlage des Brown-Boveri-Platz zurück.

Martin Rupf und Sabina Galbiati
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So soll der Brown-Boveri-Platz dereinst aussehen. zvg

So soll der Brown-Boveri-Platz dereinst aussehen. zvg

Er war das umstrittenste und meistdiskutierte Traktandum an der Einwohnerratssitzung: der Baukredit von 3,55 Millionen Franken für die Neugestaltung des Brown-Boveri-Platzes, zusammen mit dem Baukredit von 1,3 Millionen Franken für eine Fussgänger- und Velopasserelle über die Haselstrasse zum Platz.

An kritischen Stimmen mangelte es selbst bei den Befürwortern nicht. Gerade weil Baden mit dem Trafoplatz und dem Theaterplatz eher eine negative Geschichte zu schreiben hatte, scheinen die Einwohnerräte beim Brown-Boveri-Platz äusserste Vorsicht an den Tag zu legen.

Selbst die Finanzkommission stimmte dem Kredit mit lediglich drei Stimmen bei sechs Enthaltungen zu. Auch das Argument von Stadtrat Markus Schneider, dass der Platz pro Quadratmeter nur 450 Franken koste, während der TrafoPlatz mit 1200 und der Theaterplatz mit 550 Franken zu Buche schlug, vermochte die Räte nicht zu überzeugen.

Lediglich die CVP-Fraktion konnte sich nach zweistündiger Diskussion ein Ja zum Kredit abringen. Der Ort sei optimal, die Infrastruktur garantiert und die Einnahmen durch die Miete werde die Unterhaltskosten für den Platz decken, argumentierte Toni Ventre.

Die SP-Fraktion schien dem Projekt insgesamt nicht zu trauen. So zeigte sich die Fraktion zwar mit den Kosten und dem Platz als Eventlokalität einverstanden, doch Karin Bächli machte deutlich: «wir wollen noch mehr wissen.»

Was geschieht mit der Nachtruhe? Welche Veranstaltungen sollen auf dem Platz tatsächlich statt finden und welche nicht? Was geschieht mit den anderen Plätzen?

Dies nur einige Fragen, die die SP an den Stadtrat richtete. Was die Passerelle über die Haselstrasse betrifft, so sei die Kosten-Nutzen-Relation, mit den 1,3 Millionen Franken fragwürdig. Die Passerelle könne lediglich 20 Prozent der Fussgänger aufnehmen. «Da gäbe es sicher effizientere Projekte für denselben Preis», sagt Bächli.

Ungewohnt ungrün kamen die Einwände der Grünen daher: Ist auf dem Brown-Boveri-Platz eine Begrünung mit Bäumen überhaupt angebracht?

«Das scheint uns zu viel des Guten», sagt Roland Guntern. Überhaupt seien die Grünen ernüchtert. «Es scheint bereits zur Tradition geworden zu sein, dass man eine Tiefgarage baut und dann einen Platz darüber», so Guntern.

Das bringe aber mehr Verkehr und Luftverschmutzung. Was die Passerelle betrifft, so sei sie zwar gut für Velofahrer aber schlecht für Fussgänger.

Grundsätzlich kritisierten viele Einwohnerräte die fehlende Gesamtsicht, das fehlende Betriebskonzept und das fehlende Gestaltungskonzept zur Haselstrasse. Nachdem Mark Füllemann (FDP) einen Rückweisungsantrag gestellt hatte, zog der Stadtrat die Vorlage von sich aus zurück.

Rat will eine neue Daueraustellung

Der Einwohnerrat ist sich fast einig. Im Historischen Museum muss nach über 14 Jahren eine neue Dauerausstellung her. Sie soll multimedial und für englischsprachige Besucher gestaltet werden.

Thema wird die Bäder- und Industriegeschichte Badens sein. Für die Projektierung bewilligt der Einwohnerrat mit 34 Ja- zu 6 Nein-Stimmen aus dem rechten Lager einen Kredit von 292 000 Franken.

Einige Einwohnerräte zeigten sich ob der ehrgeizigen Zeitplanung bis zur Eröffnung der neuen Ausstellung erstaunt. Mark Füllmann (FDP) meinte denn auch, «wir nehmen es in Kauf, falls es länger als bis Herbst 2015 dauert».

Peter Heer (FDP) wies zudem darauf hin, dass die neue Dauerausstellung mit einem Café oder Restaurant zum Verweilen einladen soll. Auch solle die Ausstellung ein möglichst breites Publikum anziehen. «Multimedialität ist zwar wünschenswert, aber auch eine 75-jährige Person soll die Ausstellung problemlos geniessen können».

Das Projekt werde dem Bildungsauftrag gerecht, lobt Steffi Kessler im Namen der SP-Fraktion.

Reto Huber (CVP) mahnt: Es ist für ein Museum immer eine Gratwanderung, den kommerziellen Betrieb und den Bildungsauftrag mit Gratiseintritten für Schüler zu verbinden.» Diesem Punkt müsse man daher besondere Aufmerksamkeit schenken.

Budgetentscheid in letzter Minute

Das Budget 2014 wurde ganz zum Schluss der Versammlung mit grosser Mehrheit angenommen.