Baden
Badener Stadträtin würde Asylsuchende aufnehmen

«Das darf nicht sein, dass Asylsuchende im Freien bleiben müssen», sagt Stadträtin Daniela Oehrli. Man müsse alles tun, um Unterkünfte für diese Leute zu öffnen. Die Geschützte Operationsstelle ist laut Kanton jedoch keine Option.

Adrian Hunziker
Merken
Drucken
Teilen
Treppe zu den Schlafsälen
7 Bilder
Geschützte Operationsstätte (Gops) im Kantonsspital Baden
Eingang zur Gops
Innenleben der Gops
Schlafkojen
KSB-Verantwortliche: Andreas Eggmann (Leiter technischer Dienst KSB) links und Marco Bellafiore (Mediensprecher KSB)
Nichts für Klaustrophoben

Treppe zu den Schlafsälen

Tim Honegger

Zudem würde sich die Stadt Baden nicht querstellen, Asylsuchende in der Geschützten Operationsstelle (Gops) im Kantonsspital Baden KSB aufzunehmen, wurde Oehrli im Regionaljournal Aargau/Solothurn zitiert. Es stellte sich die Frage: «Warum schickt man die Asylsuchenden nicht nach Baden?»

Die SP-Stadträtin Oehrli wehrt sich auf Anfrage der az: «Das war meine persönliche Meinung und nicht die des Stadtrats. Ich sagte, dass ich mir eine Unterkunft in der Gops Baden im Notfall vorstellen könnte, aber nur für kurze Zeit.» Ob die Ausführung überhaupt möglich sei, wisse sie nicht, sagte Oehrli. Sie selbst findet die Gops auch keine ideale Unterkunft, «denn man benötigt ein sehr hohes Sicherheitsdispositiv.»

Dieselbe Meinung vertritt Marco Bellafiore, Mediensprecher beim KSB: «Wir sind absolut gegen eine Unterbringung von Asylsuchenden in der Gops des KSB. Die Unterkunft ist schlecht geeignet, weil sie sich mitten im Spitalareal befindet.» Und das KSB habe bereits 1996 unschöne Erfahrungen mit den Asylsuchenden in der Gops gemacht. «Die Männer waren unzufrieden, weil sie wenig Platz und kein Tageslicht in der Unterkunft hatten. Aufgrund diverser Vorkommnisse erfolgte schliesslich eine polizeiliche Räumung.»

Der Kanton fragte nicht an

Der Badener Stadtammann Stephan Attiger hält die Gops des KSB ebenfalls für keinen optimalen Standort: «Ich gehe aber nicht davon aus, dass es zu diesem Szenario kommt. Denn das ist keine Gemeindeaufgabe und der Kanton hat bisher nicht bei uns angefragt.»

Das bestätigt Balz Bruder, Leiter Kommunikation des Departements Gesundheit und Soziales: «Die Stadt Baden kann nicht entscheiden, ob die Asylsuchenden in der Gops Baden untergebracht werden oder nicht. Das ist Sache des Kantons und des Spitals selber. Doch wir sind natürlich froh, wenn Gemeinden reelle Optionen anbieten.» Die Gops Baden war beim Kanton zwar mal ein Thema, doch man entschied sich für die Gops des Kantonsspitals Aarau KSA. Ein Grund dafür war, dass die Anlage in Aarau grösser ist. Der Kanton würde die Unterkunft aber ohnehin nicht voll auslasten. «Die Belegung muss, bei unterirdischen Unterkünften, stets an die internen und externen Verhältnisse angepasst werden», so Bruder. Grundsätzlich ist man beim Kanton gegen eine Unterbringung von Asylsuchenden in unterirdischen Unterkünften. Nur wenn es nicht anders geht, wird auf diese Option zurückgegriffen.

Kanton bevorzugte Anlage Alst

Der Kanton sah im September eine Alternative zu der Gops in Aarau. Im Industriequartier Telli befindet sich die unterirdische Anlage Alst. Diese gehörte ursprünglich dem Militär, wird aber nun vom Zivilschutz genutzt. «Wir haben die Stadt Aarau mehrfach angefragt, weil der Kanton die Alst gegenüber der Gops bevorzugte. Doch der Stadtrat lehnte Gesuch und Wiedererwägung ab», erklärt Bruder. Das bestätigt Marcel Guignard, Aarauer Stadtammann: «Wir halten die Anlage für ungeeignet und wir finden, dass es in Aarau nicht noch mehr Platz für Asylsuchende hat, da wir schon so viele haben.»