Kino-App
Badener Start-up mischt sich unter die Migros und Swisscom

Die Firma von Thierry Rietsch heimst mit einer Kino-App einen Award ein. Jetzt will der 30-Jährige den öV in Baden bündeln und aufs Handy bringen.

Carla Stampfli
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Entwickelte eine ausgezeichnete App: Thierry Rietsch.

Entwickelte eine ausgezeichnete App: Thierry Rietsch.

Sandra Ardizzone

An diesen Moment kann sich Thierry Rietsch gut erinnern: Wie er gemeinsam mit anderen kleinen Jungunternehmen an einem Tisch in der hintersten Ecke im Zürcher Klub Aura sass – während die vorderen Tische durch Vertreter von namhaften Unternehmen wie der Migros, Swisscom und Postfinance belegt waren. «Damals hätte ich nie und nimmer gedacht, dass wir prämiert würden», sagt der 30-Jährige aus Baden. Und es gelang doch: An jenem Donnerstagabend im November 2015 holte Rietschs Softwareentwicklungsfirma konoma bei den «Best of Swiss App»-Awards eine bronzene Auszeichnung – für die iPhone-App, die er und sein Team für das Kinounternehmen Sterk Cine AG entwickelt hatten. «Das war für uns ein Riesenerfolg», sagt Thierry Rietsch rückblickend. Nicht nur der Preis an sich, sondern auch, dass sie als kleines Start-up überhaupt die Chance bekamen, für das Kino die App zu entwickeln und den Online-Auftritt zu erneuern.

Neben der Sterk Cine AG zählen heute bereits auch Firmen wie die Swisscom und eine bekannte Schweizer Privatbank zu den Kunden – dies, obwohl Thierry Rietsch und seine beiden Kollegen Philipp Leuenberger und Markus Gasser die «konoma» erst vor knapp drei Jahren gründeten. Das Team, das mittlerweile sechs Mitarbeiter zählt, investiert dafür viel Zeit. So kommt es öfters vor, dass die Jungunternehmer bis um Mitternacht vor den Mac-Computern sitzen und die Projekte vorantreiben. «Das ist zwar ganz schön lang, doch das Gute daran ist: Die Arbeit macht extrem viel Spass», sagt Rietsch. Tatsächlich ist das dem Chef auch anzusehen: Spricht er über die Firma und die laufenden Projekte, leuchten seine Augen, immer wieder huscht ihm ein Lächeln übers Gesicht.

Dass er zufrieden ist, hat auch mit dem neuen Büro im Badener Dorerhaus zu tun, in das die «konoma» vor einigen Monaten gezogen ist: Der Raum ist lichtdurchflutet, mit einfachen Holztischen eingerichtet. Eine lange Fensterfront verschafft einen atemberaubenden Blick auf Ennetbaden und die Limmat. «Es ist schön, wieder in Baden zu sein», sagt Rietsch und lehnt sich auf dem Stuhl zurück.

Rückblende: Thierry Rietsch lernte Markus Gasser an der Bezirksschule in Baden kennen. Nach dem Informatikstudium an der Fachhochschule Nordwestschweiz arbeiteten die beiden bei der Windischer Informatikfirma Coresystems. Dort lief ihnen Philipp Leuenberger über den Weg. «Schnell haben wir gemerkt, dass wir unsere eigenen Web- und Mobile-Applikationen entwickeln wollen», so Rietsch. Die drei schlossen sich zusammen und starteten ihr eigenes Business. Zu Beginn arbeitete jeder von zu Hause in Baden aus. «Am Anfang war das ideal», sagt er. Etwa, um die Fixkosten niedrig zu halten. «Doch nach sechs Monaten war es an der Zeit, einen Schritt nach vorne zu machen.» Also bezogen sie ein Büro im Technopark Aargau in Brugg. Die Softwareentwicklungsfirma wuchs, der Platz wurde eng. Als das Team die Möglichkeit hatte, das Büro im Dorerhaus an der Haselstrasse zu mieten, packte es die Chance. «Jetzt sind wir wieder da», sagt der Informatiker mit einem Schmunzeln.

Momentan arbeiten die sechs Jungunternehmer an mehreren Projekten. Eines davon ist die Entwicklung einer Applikation für die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW). «Noch sind wir nicht ganz zufrieden», so Rietsch. Beispielsweise wartet das «konoma»-Team noch auf die Datenfreigabe der SBB, damit bei den künftigen Nutzern der RVBW-App nicht nur die Abfahrtszeiten der Busse aufleuchten, sondern auch diejenigen der Züge. «Im Frühjahr soll sie jedoch ausgereift sein und lanciert werden», sagt der Chef. Seine Augen leuchten, auf seinem Gesicht breitet sich ein Lächeln aus.

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