Unternehmertum

Badener Unternehmer: «Der Franken muss aus dem Schussfeld»

Willi Glaeser: «Für mich gehört der Franken zur Schweizer Identität.» (Archiv)

Willi Glaeser: «Für mich gehört der Franken zur Schweizer Identität.» (Archiv)

Der Unternehmer Willi Glaeser spricht über die Konsequenzen des starken Frankens in der Schweizer Möbelbranche und erklärt, warum er den Euro als «Arbeitswährung» einführen will.

Herr Glaeser, in Ihrer gestrigen Kolumne sagten Sie, der Schweizer Franken habe als «Arbeitswährung» ausgedient, man solle den Euro einführen und den Franken als «Anlagewährung» ähnlich wie Gold nutzen. Der Franken ist auch ein Stück Schweizer Identität – für Sie nicht?

Willi Glaeser: Doch. Für mich gehört der Franken definitiv zur Schweizer Identität. Deshalb will ich ihn auch nicht abgeschafft wissen. Der Euro löst aber jetzt schon in vielen Branchen den Schweizer Franken ab. Dieser Prozess ist in Gang – wenn auch schleichend.

Ihr Unternehmen handelt aber immer noch in Franken. Wie hat die Glaeser Wogg AG die Aufhebung des Mindestkurses zu spüren bekommen?

Die Konsequenzen sind nicht von heute auf morgen spürbar. Aber wenn der Euro noch schwächer wird und der Franken stärker, dann können wir kaum mehr exportieren, weil unsere Produkte im Ausland viel teurer werden. Auf der anderen Seite sind Möbel im EU-Raum für Schweizer noch günstiger zu haben und noch billiger in die Schweiz zu importieren. Unter dem Strich werden wir oder besser die Schweizer Möbelbranche weniger Produkte verkaufen und mehr Material aus dem Ausland importieren, statt hiesige Lieferanten zu unterstützen. Vielen anderen Branchen dürfte das gleiche Schicksal bevorstehen.

Aber nur weil wir den Euro übernehmen würden als reguläres Zahlungsmittel, oder wie Sie sagen «Arbeitswährung», werden die Produkte nicht billiger in der Schweiz.

Nein, aber wir schaffen damit die nötige Transparenz beim Import und Export. Hier wird die Währung als Vorwand benutzt, Produkte künstlich zu verteuern. Fällt dieser Vorwand weg, haben Coop und Lidl in Deutschland gleich lange Spiesse. Dann kann die Schweiz nicht mehr als Insel benutzt werden, auf der alles teurer verkauft wird.

Was ist mit der Ansicht, die Schweiz solle einfach bessere Produkte herstellen als alle anderen, dann klappt es auch mit den Preisen?

Das ist ein Trugschluss. Zum Beispiel die Glaeser Wogg AG ist ein solcher Nischenplayer. Wir stellen Möbel her, die man so nur bei uns kaufen kann. Aber damit halten wir keine Volkswirtschaft aufrecht. In jedem Land ist es die grosse Durchschnittsmasse, die die Volkswirtschaft nährt. Und wenn wir realistisch sind, dann ist nicht jeder Unternehmer ein Super-Man mit lauter Geniestreichen, die er auf den Markt wirft und dafür den Preis festlegen kann.

In ihrem Szenario schaffen Sie den Franken nicht ab, sondern nutzen ihn als eine «Anlagewährung». Damit würde sich genau jener Effekt, den der Franken gegenüber dem Euro bereits hat, noch verstärken. Der Franken als stabile, sichere Währung würde en masse gekauft und teurer werden; der Euro als Krisen-Währung würde billiger. Ich könnte also die Franken auf meinem Konto langsam zu «Gold» werden lassen und beim Einkaufen in billigen Euros viel mehr für mein Geld bekommen.

Wie genau eine «Anlagewährung», funktionieren kann, da bin ich überfragt. Ich bin kein Finanzexperte. Mein Vorschlag ist vielmehr als Denkanstoss gedacht – auch wenn er im ersten Moment unmöglich erscheint. Aber man muss den Franken aus dem Schussfeld nehmen. Sonst wird die Schere zwischen teurem Franken und billigem Euro immer grösser.

Darf man Ihr Votum für den Euro gleichzeitig als eines zum EU-Beitritt verstehen?

Sagen wir so: Ich bin mehr für den Beitritt als dagegen. Aber es muss möglich sein, eine Währung zu übernehmen, ohne gleich der EU beizutreten.

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