«Es tut uns leid» - das ist alles, was Markus Widmer vonseiten der Stadtpolizei hören will. «Kommt es zu keiner Entschuldigung, erstatte ich Anzeige gegen die beiden Polizisten», so der beliebte und stadtbekannte Wirt des Badener Restaurants Rebstock.

Widmer hatte am Sonntagabend, nachdem die Schweiz einen Sieg im WM-Spiel gegen Ecuador verbuchen konnte, auf dem Velo mit einer Schweizer Fahne in den Händen den Schulhausplatz umrundet. Zwei Polizisten der Repol beendeten seine Jubel-Fahrt abrupt: Sie rissen ihn vom Velo, drückten ihn zu Boden und legten ihn in Handschellen, wie auf dem Handy-Video eines Passanten gut erkennbar ist.

Am Dienstag berichtete eine Augenzeugin gegenüber der az: «Die Stimmung war friedlich, alle freuten sich über den Sieg. Plötzlich gingen die Polizisten auf den Mann mit dem Velo los - es war für uns alle unbegreiflich.» Gegenüber der Kantonspolizei sagte sie später aus, was sie gesehen hatte. «Ich konnte nicht mit dieser Ungerechtigkeit umgehen. Der Mann wurde wie ein Schwerverbrecher behandelt.» Widmer sei durch die Polizei öffentlich blossgestellt worden, «das ist eine Frechheit», findet die Augenzeugin. «Es geht einfach nicht, was die Polizisten mit mir gemacht haben», bekräftigt Widmer.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Tumulte und Verhaftungen in Baden-Wettingen nach Schweiz-Sieg

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Martin Brönnimann, Chef der Stadtpolizei Baden, räumt ein: «Wir haben diverse Mails bekommen von Leuten, die nicht einverstanden sind, wie die beiden Polizisten reagiert haben.» Wird Widmer also zu seiner Entschuldigung kommen? «Momentan laufen die Abklärungen zum Sachverhalt», sagt Brönnimann. «Falls sich herausstellt, dass es einen Grund für eine Entschuldigung gibt, werden wir uns selbstverständlich bei Herrn Widmer entschuldigen. Falls nicht, wird es zu keiner Entschuldigung kommen.»

Was er sagen kann: «Allem Anschein nach ist Herr Widmer auch nach mehrmaliger Aufforderung durch die Polizisten nicht vom Velo gestiegen - dann ist der Zeitpunkt da, in dem Polizisten handeln müssen.» Um ihre Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten, müssten die Polizisten einen Übeltäter nach mehrmaligem Nicht-Nachkommen ihrer Anweisungen auch unter Anwendung physischer Gewalt festhalten. «Es tut mir leid für die vielen Passanten, die das zum ersten Mal gesehen haben und erschrocken sind», so Brönnimann.

Fall soll Konsequenzen haben

Erschrocken ist am Sonntagabend auch Fussballfan Markus Widmer: «Ich habe noch Schürfungen, und meine Schulter schmerzt seit dem Vorfall. Aber die körperlichen Verletzungen sind nicht das, was wirklich wehtut», sagt er auf Anfrage der Aargauer Zeitung. Ihm sei nie erklärt worden, weshalb die Polizisten so grob mit ihm umgegangen sind. «Ich wollte niemandem etwas Böses.»

Widmer hofft, dass sein Fall intern angeschaut wird, und dass er Konsequenzen nach sich zieht. «So etwas darf kein zweites Mal passieren», findet er. Ihm ist wichtig klarzustellen, dass er nichts gegen Polizisten hat. «Ich bin froh, dass es sie gibt. Ich schätze ihre Arbeit sehr.» Er sei schon immer gegen jegliche Formen von Gewalt gewesen. Nun musste er sie laut eigener Aussage zum ersten Mal am eigenen Körper erfahren - ausgerechnet durch Polizisten.

Bekannter Beizer wird unsanft von Velo gezogen und verhaftet

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