Vormundschaftsbehörde

Badenerin fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen

Die Suche geht schleppend voran, sagt die Mutter der 14-Jährigen. (Bild: Maja Sommerhalder)

Die Suche geht schleppend voran, sagt die Mutter der 14-Jährigen. (Bild: Maja Sommerhalder)

Claudia A. aus Baden kritisiert die Amtsvormundschaft scharf, weil ihre Tochter seit Wochen auf einen Heimplatz wartet.

Claudia A.* weiss nicht mehr weiter. Die 44-jährige Badenerin fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen: «Sie finden einfach keinen Heimplatz für meine 14-jährige Tochter. Andrea* sitzt seit Wochen zu Hause, geht nicht zur Schule und ist völlig verwahrlost. Jeden Tag kifft und raucht sie.» Die Probleme fingen vor einem Jahr an, als ihre Tochter nicht mehr zur Schule gehen wollte. «Erst schwänzte sie nur einzelne Tage. Doch bald ging sie gar nicht mehr in den Unterricht und zog dafür nachts um die Häuser. Ich weiss heute noch nicht, warum», erzählt Claudia A.

Der Schulleiter ging zur Vormundschaftsbehörde der Stadt Baden, die der Mutter die Obhut über ihre Tochter entzog. Ein Beistand, der für die Amtsvormundschaft des Bezirks Baden arbeitet, nahm sich des Mädchens an.

Weil alle ambulanten Massnahmen versagten, wiesen die Behörden Andrea in ein Basler Durchgangsheim ein. Von Anfang an war klar, dass sie dort nur ein paar Monate bleiben konnte: «Die festen Strukturen taten ihr aber gut. Es kehrte Ruhe ein», sagt Claudia A. Doch die Probleme waren nicht gelöst. Denn Andreas Beistand musste für sie einen festen Heimplatz finden, wie Claudia A. erklärt: «Die Suche lief aber schleppend.»

«Ich wurde nur abgewimmelt»

Nach sechs Monaten im Basler Heim bekam Andrea einen Platz in Zürich: «Das war eine betreute Wohngemeinschaft. Meine Tochter sollte in eine externe Schule gehen», so Claudia A. Von Anfang an sei sie skeptisch gewesen: «Ich glaube, dass Andrea in einem Heim mit interner Schule besser aufgehoben wäre.» Tatsächlich kam Andrea nicht zurecht: Nach nur zwei Wochen verliess sie die Wohngemeinschaft am 5. September auf eigenen Wunsch.

«Da fing der Albtraum an», so Claudia A.: «Die Behörden ordneten an, dass Andrea vorübergehend bei mir wohnen sollte. Für eine Woche ist das schon machbar, dachte ich.» Inzwischen sind aber fünf Wochen verstrichen und Andrea hat immer noch keinen Heimplatz: «Der Beistand hat sich kaum bei uns gemeldet. Wenn ich anrief, wurde ich nur abgewimmelt.» Ein einziges Heim hätten sie in dieser Zeit angeschaut: «Das war aber wie im Gefängnis.» Zudem sei der Beistand in dieser Zeit zwei Wochen in den Ferien gewesen: «Es gab keine Stellvertretung.» In ihrer Verzweiflung hatte sie schon angefangen, selbst nach Heimen zu suchen: «Mir ist bewusst, dass es wenige Plätze gibt. Aber ich hätte mir mindestens eine Rückmeldung des Beistands gewünscht.» Sie fühlt sich verwaltet statt betreut: «Ist der Beistand überlastet oder unmotiviert?»

«Wir arbeiten auf Hochtouren»

Reto Bertschti, Co-Leiter der Amtsvormundschaft des Bezirks Baden, wehrt sich gegen diese Kritik: «Andreas Beistand ist weder überlastet noch unmotiviert. Die Suche lief niemals schleppend. In den letzten Wochen arbeiteten wir auf Hochtouren; auch in der Ferienabwesenheit des Beistands.» Nur sei es schwer, etwas Geeignetes zu finden. «Gerade für Mädchen gibt es leider viel zu wenige Heimplätze.» Zudem seien gerade Herbstferien: «Das verzögert das Ganze.»

Der Beistand sei mit Andreas Mutter regelmässig in Kontakt gewesen: «Er hat mit Andrea und ihrer Mutter schon viele Heime angeschaut.» Die Institution, die sie in den letzten fünf Wochen besichtigten, wäre laut Bertschi geeignet: «Aber es ist eben nicht einfach, die Ansprüche der beiden zu erfüllen.» Bertschi ist zuversichtlich, dass man bald einen Platz findet: «Wir haben drei geeignete Heime in Aussicht. Andrea muss aber auch bereit sein, sich auf die Regeln der Institution einzulassen.»

*Namen der Redaktion bekannt

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