Baden
Badenerin hilft Menschen in Kambodscha: «An die Armut gewöhnt man sich nie»

Ein Jahr lang arbeitete Regina Meyer in Kambodscha für eine Kinderhilfsorganisation. «Ich habe das Abenteuer und den Kick gesucht und in Kambodscha gefunden», sagt die Badenerin.

Sandra Ardizzone
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Will wieder nach Kambodscha: Regina Meyer.

Will wieder nach Kambodscha: Regina Meyer.

Sandra Ardizzone

«Ich habe das Abenteuer und den Kick gesucht und in Kambodscha gefunden», sagt Regina Meyer. Die Badenerin ist vor zwei Jahren erstmals nach Siem Reap geflogen und hat dort sieben Monate lang für das Schweizer Kinderhilfswerk Child’s Dream gearbeitet, das unter anderem Schulen in bedürftigen Dörfern baut. Das Land hat Meyer so um den Finger gewickelt, dass sie im vergangenen Jahr erneut für fünf Monate zurückgereist ist und die Arbeit im Büro
des Hilfswerks wieder aufgenommen hat. Das alles als Volunteer; also als ehrenamtliche Mitarbeiterin.

Ein «Mädchen für alles»

Knapp 40 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer leisten Freiwilligenarbeit. Diesen Menschen wird dieses Jahr mit dem Europäischen Jahr der Freiwilligenarbeit Tribut gezollt. Unter ihnen natürlich auch Regina Meyer. Für sie war bald klar, dass sie sich im Ausland ehrenamtlich engagieren will. Bei ihren Reisen durch Asien habe sie gemerkt, wie sehr sie die Kultur berühre: «Zurück in der Schweiz konnte ich einfach nicht vergessen, was ich gesehen habe.

Aber Reisen und in einem Land arbeiten sind zwei verschiedene Paar Schuhe.» Deshalb hat Meyer nach einer passenden Stelle Ausschau gehalten und sie bei Child’s Dream gefunden. Während ihrer Zeit in Kambodscha erledigte die 37-Jährige hauptsächlich administrative Arbeiten für das Hilfswerk, redigierte E-Mails, half bei Projektberichten, informierte Spender oder unterrichtete ihre fünf einheimischen Arbeitskollegen in Englisch.

Hin und wieder konnte Meyer aber auch bei Schuleinweihungen dabei sein oder Dörfer und Baustellen von Child’s Dream besuchen. Was sie dort erlebte, berührt die 37-Jährige sichtlich: «Man gewöhnt sich nie daran, diese Armut und das Elend zu sehen», sagt sie. Diese Orte seien teilweise Brutstätten für weitere Probleme. Und trotzdem: «Wenn man kleine positive Veränderungen miterlebt, weiss man, dass man das Richtige tut.»

Neben der Arbeit haben es der Badenerin auch die Menschen in Kambodscha angetan: «Die Leute sind so herzlich. Auch wenn es wenig ist, sie sind zufrieden mit dem was sie haben.» Doch manchmal war die Herzlichkeit auch ein wenig zu viel: «Als ich das zweite Mal nach Siem Reap gefahren bin, meinten alle: ‹Mensch, bist du fett geworden!› – Für die Kambodschaner ein Kompliment», erinnert sich Meyer lachend.

Die Gefahr des Helfens

Wer sich als Volunteer bewerben möchte, soll sich zuerst seiner Motivation sicher sein. Das Wichtigste sei, sich im Voraus damit auseinanderzusetzen, dass man die Ärmel zurückkrempeln und ausserhalb der eigenen Komfortzone arbeiten muss, sagt Meyer: «Wer Volunteer sein will, muss Zeit haben und soll sich informieren und das Hilfswerk genau unter die Lupe nehmen. Sonst kann es sein, dass man sich und denen, den man helfen möchte, nur schadet.» Besonders bei Waisenhäusern sei Vorsicht geboten, da manchmal die falschen Leute am Werk seien.

In der Schweiz schätzt Meyer vor allem die «kleinen Freuden»: Eine Waschmaschine, trinkbares Leitungswasser oder saubere Flüsse. Doch Kambodscha lässt Regina Meyer nicht los: Wenn möglich, will sie bald wieder nach Siem Reap fahren. Dann werden die Kambodschaner sie wohl wieder mit einem «Mensch, bist du fett geworden» begrüssen.