«Nicht mehr benötigte Handys gesucht für Afrika.» So lautet der Aufruf, den die Badenerin Corinne Hersche auf Facebook gemacht hat. Die 27-Jährige will Ende nächster Woche mit ihrem Motorrad von hier aufbrechen – Richtung Afrika. Das Ziel ihrer Reise ist Gambia. Unterwegs wird sie die gespendeten Handys verteilen.

Auf die Frage wieso sie gerade Handys mitnehmen wolle, antwortet Hersche: «In der Schweiz haben wir Handys im Überfluss. Viele kaufen sich jedes Jahr ein Neues. In Afrika sind die handlichen Telefone sehr gesucht. Und wenn die Person selbst es nicht gebrauchen kann, so kann sie es verkaufen und sich davon etwas zu Essen leisten.»

Momentan ist der Aufruf allerdings noch nicht so erfolgreich, wie sie sich erhofft hat. So hat sie erst ein Mobiltelefon zugesendet bekommen. Dabei wäre diese gute Tat ohne grossen Zeitaufwand zu bewerkstelligen. Die alten Handys können einfach an Corinne Hersche, Kräbelistrasse 19, 5400 Baden gesendet werden. Spenden in Form von Geld findet sie nicht sinnvoll.

Das Verlangen nach Freiheit

Afrika sei in der letzten Zeit neben Themen wie dem Syrienkonflikt und den US-Präsidentschaftswahlen vergessen gegangen, so Corinne Hersche. Trotz den Fortschritten der vergangenen Jahre sind vor allem Korruption, wie auch Armut, immer noch grosse Probleme.

So hat ihr Zielort Gambia auf dem «Corruption Perceptions Index 2015» von «Transparency International» bloss 28 Punkte auf einer Skala von 0 (sehr korrupt) bis 100 (vorbildlich) erreicht. Zum Vergleich: Die Schweiz erhielt 86 Punkte und belegt den siebten Platz.

Doch dies ist nicht der eigentliche Grund, weshalb es die Wahlbadenerin wieder in die Hitze Afrikas zieht. Ihre Suche nach dem grossen Abenteuer und ihr Verlangen, der Natur nahe zu sein, wie auch ihr Wunsch, neue Kulturen zu entdecken, haben sie zu dieser Reise bewegt. Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass Hersche Afrika besucht. Vor einigen Jahren reiste sie mit ihrem Vater zusammen nach Guinea. Damals habe sie der Zauber von Afrika gepackt und nicht mehr losgelassen. Deshalb nimmt sie sich auch acht Monate Zeit, um die rund 6000 Kilometer zurückzulegen: «Ich liebe die afrikanische Lebensphilosophie und die damit verbundene Freiheit. Ich würde auch länger gehen, aber mein Freund sagte mir, ich solle an Weihnachten wieder zu Hause sein», sagt Hersche und lacht.

Bald geht es also los, über Italien, mit dem Schiff nach Marokko und dann mit dem Motorrad durch das Atlasgebirge an den westlichen Rand der Sahara. Von da aus fährt die Schweizerin mit dem Motorrad der Küste entlang weiter über Senegal, nach Gambia. Angst, weil sie alleine reist , habe sie keine: «Passieren kann immer etwas. Aber bei meinem letzten Aufenthalt habe ich die Afrikaner als sehr gastfreundliche und interessierte Menschen kennen gelernt. So wurden ich und mein Vater, wenn wir beim letzten Aufenthalt irgendwo gezeltet haben immer zum Essen eingeladen.» Die Gespräche mit den Einheimischen seien immer interessant, auch wenn sie manchmal nur mit Händen und Füssen möglich wären, fügt sie mit einem Schmunzeln an.

Ihr Freund wird sie für drei Monate in Gambia besuchen – und ihr die nachträglich eingeschickten Handys bringen.