Anfang Jahr vermeldete die Migros-Tochter Ex Libris schlechte Nachrichten: Sie baut jede dritte Stelle ab und schliesst drei Viertel aller Filialen. Davon betroffen ist auch der Ex Libris am Badener Schlossbergplatz, wo Kunden seit 1997 Bücher, DVDs und CDs kaufen können. Die Filiale soll im Sommer schliessen. Der Preiszerfall durch die Frankenstärke und der aggressive Preiskampf der internationalen Online-Konkurrenz würden den Detailhändler zu diesem Schritt zwingen, hiess es.

Dass die Buchbranche zu kämpfen hat, ist kein Geheimnis. Der Online-Handel macht auch den Badener Buchhandlungen Doppler an der Badstrasse und Librium am Theaterplatz zu schaffen. Sie verzeichnen 2017 einen Umsatzrückgang von gegen fünf Prozent. Dennoch vermögen sie sich am Markt zu behaupten. Laurin Jäggi, Mitinhaber der Buchhandlung Librium, zeigt sich trotz Umsatzrückgang zufrieden mit dem Geschäftsjahr. «Weil wir ganz ein anderes Zielpublikum haben als der Ex Libris, macht uns der Online-Handel weniger stark zu schaffen.» Dafür könne man aber auch nicht mit abwandernden Ex-Libris-Kunden rechnen. Vielmehr hofft Jäggi auf die Eröffnung des Schulhausplatzes. «Wir merken, dass wegen der Baustelle weniger Leute in der Stadt sind.» Er hoffe, dass nach der Eröffnung im Juli wieder mehr Kunden den Weg zum «Librium» finden.

Trotz Preiskampf und Internet gibt es einen Lichtblick: «Einige deutsche Verlage haben die Buchpreise im Herbst leicht nach oben korrigiert», sagt Christine Siegrist, Geschäftsleiterin der 133-jährigen Buchhandlung Doppler. Sie hoffe, dass dies längerfristig so bleibe. «Zumindest ist es ein Schritt in die richtige Richtung.»

Badenfahrt als Kassenschlager

Wohl wie keine anderen Buchhandlungen konnten jene in Baden 2017 vom Badenfahrt-Effekt profitieren, denn im letzten Jahr wurden vor allem zwei Bücher zum Kassenschlager. Zum einen «Die Badenfahrt» von David Hess, zum anderen der Bildband über die Badenfahrt 2017. «Beide Bücher liefen sehr gut, auch weil sie ein schönes Weihnachtsgeschenk waren», sagt Christine Siegrist. Allerdings hatte die Badenfahrt auch eine Schattenseite: «Wir haben während des Volksfests einen einschneidenden Umsatzrückgang verzeichnet, weil wir kaum Kundschaft hatten», sagt Siegrist. Dafür sei der Dezember sehr gut gelaufen.

Nebst den Badenfahrt-Büchern suchten die Kunden vermehrt nach Romanbiografien und Sachbüchern, die einen Schweizer Bezug haben. «Möglicherweise wollen die Leute sich auf die Heimat zurückbesinnen, weil man sich in der globalisierten Welt schnell verlieren kann», sagt Siegrist. Die Sparte der Sachbücher sei für die Kunden in Zeiten von «Fake News» noch interessanter geworden, sagt Jäggi. «Die Leser wollen vernünftig aufgearbeitete Informationen, denen sie vertrauen können.»

Doch um dem digitalen Geschäft die Stirn bieten zu können, müssen die Buchhandlungen flexibel bleiben. So setzt Doppler etwa auch auf hochwertige Non-Book-Artikel, die man im Internet nicht so leicht findet, oder auf Events wie das «Einschliessen und Geniessen», bei dem man abends bei einem Glas Wein die Buchhandlung für sich allein hat. Jäggi sagt: «Am wichtigsten ist es, eine Top-Beratung und exzellente Auswahl an Büchern anzubieten, sodass der Kunde nicht mehr im Internet nach besseren suchen muss.»