Rückblick
Badenfahrt-Präsident Hirzel: «Wir haben den Volksnerv getroffen»

Die Festmüdigkeit sitzt noch vielen in den Knochen. In der Stadt ist Ruhe eingekehrt, bis auf die Festarbeiter, welche die Überreste der letzten Bauten entfernen. Ein Rückblick auf das grosse Fest im Gespräch mit Komitee-Präsident Adi Hirzel.

Roman Huber
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Adi Hirzel, OK-Präsident der Badenfahrt, und Festgestalterin Eliane Zgraggen auuf dem Kirchplatz in Baden.
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Eliane Zgraggen Die 41-jährige Eliane Zgraggen zeichnete schon für das Stadtfest 2012 als Festgestalterin verantwortlich. Die Künstlerin ist im künstlerischen und kulturellen Bereich im In-und Ausland tätig. Zgraggen wohnte lange Zeit in Untersiggenthal und lebt jetzt mit ihrer Familie in Wollishofen (ZH).
Adi Hirzel Der 48-jährige Adi Hirzel bildete schon am Stadtfest 2012 zusammen mit Marc Périllard das OK-Präsidium. Der Wirtschaftsanwalt ist Partner bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG in Zürich. Adi Hirzel wohnt in Zürich und hat eine 17-jährige Tochter.
Badenfahrt-OK

Adi Hirzel, OK-Präsident der Badenfahrt, und Festgestalterin Eliane Zgraggen auuf dem Kirchplatz in Baden.

Sandra Ardizzone

Adi Hirzel, wie geht es Ihnen ein paar Tage nach der Badenfahrt?

Adi Hirzel: Wieder besser (schmunzelt). Zuerst war ich doch etwas erschöpft, denn ich blieb in diesen zehn Tagen jeweils bis Festende. Und ich habe mir eine leichte Erkältung geholt. Zum Ausruhen blieb kaum Zeit, denn im Büro wartete einiges an Arbeit.

Rückblickend: Was war Ihr schönster Augenblick?

Vom Festerlebnis her das Hecht-Konzert mit dieser Super-Stimmung und der herrlichen Publikums-Kulisse. Und dann, ganz persönlich, waren es die rührenden Momente, wenn wildfremde Menschen auf mich zukamen, mich sogar umarmten und sich bedankt haben für das tolle Fest. Das hat mich sehr berührt.

Die schönsten Augenblicke der Badenfahrt 2017:

Blick ins Festgebiet ennet der Hochbrücke mit Riesenrad und weiteren Festbeizen.
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Leinen los heisst es auf der Hochbrücke bei Herrn Schmidt.
Das Finale des Festspiels mit Merker Bianca und Musical Space Dream.
Festbeizen in neuen Dimensionen: «universALL» und «Dorian Grey».
Adrian Stern vor heimischem Publikum mit lokalen Musikern.
Badenfahrt 2017: Die schönsten Augenblicke
Wer verliebt sich bei diesem Anblick nicht in das malerische Baden?
Die serbische Beiz "Kolo Baden" bot ein gemütliches Plätzchen an der Limmat und bot Live-Musik.
Einfach toll – die Badenfahrt bei Nacht. Schön war's: Die Badenfahrt 2017 bleibt in bester Erinnerung.
Die Projektion "Ouroburus" von Pascal Arnold beleuchtet den Stadtturm an der Badenfahrt. (21. August 2017)
Die Zurzibiet-Beiz "Baumhuus" auf dem Schlossbergplatz.
Festbesucher auf dem Schlossbergplatz. (21. August 2017)
Der erste Samstagabend wurde zu einer langen Partynacht. Die Dancefloors waren pumpenvoll. Im Bild: Charlies Dampfer.
Kreativ gestaltete Bars zierten die Limmat-Hochbrücke an der Badenfahrt. Das grosse Volksfest zählte mehr als 1,2 Millionen Besucher.
Umgekehrt: Die Zürcher Zünfte beehren die Aargauer Badenfahrt.
Nächtliches Baden mit Blick auf die Hochbrücke.
Exklusiv: Die Spanischbrötlibahn durfte als erste durch den neuen Bustunnel fahren.
Hoch hinaus.
Auch für Kinder ist die Badenfahrt ein Heidenspass.
Die SNCF-Lokomotive 30.R.1244 war am ersten Festsonntag mit ihrem Halt in Baden ein Publikumsmagnet.
Bei diesem Anblick schlägt wohl so manches Kinderherz höher – und nicht nur.
Hier steigt zehn Tage lang Party: unter der Hochbrücke.
Die Kreativität kennt keine Grenzen an der Badenfahrt: ein Pool in der Bar.
Die Raketenbeiz – ein Hingucker.
Jauchzen und Kreischen in der Lunapark-Region.
Innig: Ein Kuss während des Konzerts der Pedestrians
Mit allen Sinnen dabei: Der Dirigent des Wasserspiels, das beim Tränenbrünneli aufgeführt wird.
Leidenschaftlich: Adrian Stern bei seinem Konzert
Aufregend: Eine temporeiche Fahrt im Lunapark
Ausgelassen: Die Party-Nacht im Oceans Club
Konzentriert: Gezielter Wurf an den Kubb-Meisterschaften im Kurpark
Vorfreude: Blick aus dem Führerstand der Dampflock
Dynamisch: Ein Mädchen misst seine Kraft am Box-Automaten
Kreischend: Das Service-Team der Polygon-Bar in bester Laune

Blick ins Festgebiet ennet der Hochbrücke mit Riesenrad und weiteren Festbeizen.

Sandra Ardizzone

Auch das Ergebnis des Bändeli-Verkaufs dürfte ein schönes Erlebnis gewesen sein?

Die Zahlen sind noch nicht bekannt. Gut, die Indikatoren sagen, dass wir über Budget liegen.

Die Bändeli wurden entgegen aller Prognosen zum Renner.

Genau das haben wir uns auch vorgestellt. Man kaufte das Bändeli nicht wegen der Kontrollen, sondern weil es zum Fest gehörte, weil man es einfach haben musste.
Nach dem ersten Wochenende mussten nachträglich divers Massnahmen getroffen werden.

Wurden Sie überrannt?

Eigentlich nicht. Sie müssen es so sehen: Wir haben das Fest im stillen Kämmerlein geplant. Da kann man bei dieser Grössenordnung nie alles genau vorausplanen. Es braucht Anpassungen während des Festes. Zuerst haben wir die Zuschauerströme beobachtet, dann reagiert. Darum bin ich sehr froh über die Flexibilität im Komitee und die hervorragende Zusammenarbeit mit der Polizei, die ja darin vertreten ist. Wir haben auf die Schwachstellen reagiert, es gab dann mehr Busse, mehr Toiletten, die Hochbrücke wurde gesperrt und einiges mehr.

Auf die grosse Sause folgt der Abbau:

Der Abbau läuft seit Montagmorgen auf Hochtouren.
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Die Hafenkneipe "Herr Schmidt" soll bis Dienstagabend verschwinden.
Das Boot auf dem Container hielt auch dem Sturm stand.
Auf die grosse Sause folgt der Abbau
Ein Teil des "Tanzverbot"-OKs...
... gönnt sich nach dem Abbau eine Auszeit in China.
"Dandy Shack" gibt die 550 Holzpaletten...
... wieder zurück.
Kubb-Beiz "zum chliine Björn"
"UsVers": der Gewinnder
Am Sonntag bemalten Kinder...
... die Röhren von "LeKarton"
"LeKarton"-Fritten-König Andrés Höchli
Zeitweise war in der Hald kein Durchkommen für Autos.

Der Abbau läuft seit Montagmorgen auf Hochtouren.

Stefanie Garcia Lainez

1,3 Millionen Besucher, ist da die Maximalgrösse – bezogen auf die kritischen Punkte – nicht erreicht?

Ich denke ja. Gut, die Erwartungen wurden vom Super-Wetter natürlich mehr als gestützt.
Das Komitee feierte den Festauftakt im Trafo. Das fanden einige dann doch befremdend.
Halt! Das war weder unsere Erfindung noch unser Anlass. Die Behörden wollten einen VIP-Anlass. Er wurde von der Stadt Baden bezahlt. Wir machten ihn bewusst ausserhalb des Festgebiets.

Zurück zur Grösse: Sie bedeutete auch viele Betrunkene, zahlreiche Polizei- und Samaritereinsätze.

Die Betrunkenen sind ein Spiegel der Gesellschaft, und es waren vergleichsweise nicht mehr Betrunkene als früher. Den Alkohol können und wollen wir ja nicht verbieten.

Bei Jugendlichen schon.

Bei den in den Medien erwähnten Fällen hatten sich die Jugendlichen bereits vor Festbeginn mit Alkohol eingedeckt. Ein Drink kostet am Fest 13 Franken, das ist zu viel, als dass sich Jugendliche volllaufen lassen würden.

Bezahlt das Komitee eigentlich all diese Sicherheits- und Sanitätskosten?

Wir haben dafür einen grossen Posten budgetiert. Wir nehmen dabei ein grosses Risiko auf uns, denn die Defizitgarantie der Stadt beträgt lediglich 250 000 Franken.

Dennoch: Die Helferschaften waren am Anschlag. . .

. . . weil wir auch mit dieser Badenfahrt den Nerv des Volkes getroffen haben, und die Menschen sind gekommen. Da sage ich nur: Entweder machen wir eine Badenfahrt, oder wir lassen es sein.

Aber keine, die noch grösser ist.

Da bin ich mit Ihnen völlig einig. Auch bei den Bauten müssen wir wieder etwas zurückdenken, doch, wenn Sie die Ehrendinger «universALL» ansprechen – die übrigens eine Attraktion war: Wir wollen die Gemeinden, wenn sie mitmachen, auch nicht zurückbinden.

Wie war die Disziplin der Beizen?

Die Abschlusszeiten funktionierten bestens. Da hatten wir keinen Ärger.

Aber mit der Lautstärke.

Anders war es mit den Dezibel. Wir haben die Lautstärke regelmässig kontrolliert und auch an drei Orten die Musik abgestellt. Vielleicht müssen wir ein nächstes Mal von Beginn weg härter durchgreifen.

Stimmen sagen, es brauche eine Rückbesinnung. Eine Badenfahrt, die sich wieder mehr auf Baden besinnt.

Auch das würde ich in gewissen Teilen bestätigen. Das Festgebiet war jedoch gelungen, die Limmat in der Mitte, das Langgezogene vom Kurpark bis zur Aue, die abgesperrte Hochbrücke, es hat sich vieles bewährt. Auch den Schulhausplatz könnte man in Zukunft wieder absperren.

Wie sieht Ihre Zukunft im Komitee aus?

Zuerst muss ich wirklich «verluften», und dann weiterschauen. Wenn ich in Zürich wohnhaft bleibe, bin ich etwas weit weg. Ich habe mir Gedanken gemacht, nehme aber keinen Entscheid vorweg.

Irene und André Knecht aus Ehrendingen «Gefallen haben uns vor allem die Holzbauten und die Raketenbeiz auf dem Schlossbergplatz.»
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Regula, Jessica, Patrizia und Marion aus Wettingen und Baden «Badenfahrt: Das bedeutet eine Stadt in zehntägigem Ausnahmezustand. Und somit waren auch wir zehn Tage im Ausnahmezustand.v
Sophie, Florian und Natalie aus Tegerfelden «Am besten war der Lunapark. Den haben wir gleich mehrmals besucht.»
Jeannine und Markus Fueter aus Baden und Jörg Schumann aus Wettingen «Die Badenfest bietet für alle etwas. Ein Fest für Jung und Alt. Höhepunkt war für uns auch das Kinderkonzert heute im Beetli Schmied.»
Ivana (l.) und Marina aus Kleindöttingen «An der Badenfahrt finden wir vor allem das kulinarische Angebot super. Und es ist die perfekte Gelegenheit, Kollegen zu treffen.»
Gaby aus Oeschgen, Steffi aus Klingnau und Fränzi aus Obermumpf (v.l.) «Unsere Mutter kommt aus Hamburg. Natürlich mussten wir also Herr Schmidt einen Besuch abstatten.»
Sebastian und Andreas Niessner, Oliver Ilg und Markus Ehrsam von der Beiz «Malt’n’Smoke auf dem Bahnhofplatz «Es war ein geniales Fest. Unser selber gebrautes Regionalbier fand sehr guten Anklang. Die zehn Tage waren wunderschön, aber auch sehr intensiv.»
Markus Zehnder aus Bellikon mit Tochter Louna «An der Badenfahrt kommen alle auf ihre Kosten. Für Jung und Alt hat es etwas im Angebot.»
Marco Bizzarri (l.), Würenlingen, und Ivan Strufaldi aus Nussbaumen. «Die vielen Bands auf den Hauptbühnen und in den Festbeizen, das waren die Highlights.»
Cornelia Bärtschi (l.) und Mareike Apelt, beide aus Baden. «Trotz dieser Menschenmenge nimmt man es doch sehr gemütlich,» (Cornelia Bärtschi). «Es ist beeindruckend, wie viele Leute sich für dieses Fest engagiert haben.»
Peter Keiser aus Ennetbaden «Ich haben die meisten Konzerte auf der Blues-Bühne ehr erlebt, es war einfach super.»
Christine Burren aus Untersiggenthal «Das Theater auf der Schrottbadenalp hat mir am besten von allem gefallen.»
Badenfahrt 2017: Es war super!
Irena und Erwin Schuler aus Ennetbaden «Beeindruckt sind wir von der Vielfalt. Unseren Enkelkindern hat der Lunapark gefallen.»

Irene und André Knecht aus Ehrendingen «Gefallen haben uns vor allem die Holzbauten und die Raketenbeiz auf dem Schlossbergplatz.»

Badener Tagblatt

Wie geht es überhaupt weiter?

Erst kommt die ganze Nachbearbeitung, dann folgt erst einmal Ruhe. Nach etwa zwei Jahren ist es Aufgabe des Präsidenten, zusammen mit dem Vorstand zu überlegen, wann welches Fest stattfinden soll.

Das bestimmen zwei Vereine, derjenige des Stadtfestes und der Badenfahrt?

Richtig, die haben auch zwei Kassen.

Aber etwa die gleichen Leute und denselben Präsidenten.

In etwa, ja. Aber es gibt immer wieder personelle Wechsel.

Auf welches Jahr tippen Sie: 2023 – 100 Jahre Badenfahrt – oder auf 2022 – 175 Jahre Spanischbrötlibahn?

Da bitte ich um etwas Geduld. Wir werden sehen.