Städte-Vergleich
Badens Image ist einsame Spitze – Wünsche gibt es trotzdem viele

Im Vergleich mit Städten rund um Zürich liegt die Bäderstadt vorn – Wünsche und Ideen gibt es trotzdem viele.

Andreas Fahrländer
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Stadtturm und Löwenbrunnen: Baden punktet mit seinem einzigartigen Kulturangebot und dem Charme der Altstadt.

Stadtturm und Löwenbrunnen: Baden punktet mit seinem einzigartigen Kulturangebot und dem Charme der Altstadt.

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Die Liste mit den Dingen, die in Baden besonders gefallen, ist lang: Die schöne Altstadt, die Nähe zur Natur, die «super Anbindung an den öV», der Markt am Samstagmorgen, das «Royal», die Kinos, die Stadtbibliothek, das grosse kulturelle Angebot, die Nähe zu Zürich, die Adventsbeleuchtung, das Bäderquartier und immer wieder «der Charme der Stadt».

In einer Befragung des Statistischen Amtes des Kantons Zürich zur Wohnortqualität rund um Zürich schwingt Baden obenaus. Die Stadt gilt als «attraktives Zentrum mit vorzüglichen Rahmenbedingungen». In 14 Städten und Gemeinden wurden alle erwachsenen Personen befragt, die 2016 zugezogen oder weggezogen sind.

Baden war nach 2009 zum zweiten Mal Teil der Umfrage, die Rücklaufquote des Fragebogens lag bei rund 30 Prozent. Baden schneidet in fünf Punkten besonders gut ab: beim Image der Wohngemeinde, dem Aus- und Weiterbildungsangebot, der Nähe zu Freunden und Familie, dem sozioökonomischen Umfeld und der Anbindung an den öV.

Nachgefragt: Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing der Stadt Baden.

Thomas Lütolf, Sie und Ihr Team machen anscheinend ausgezeichnete Arbeit. Das Image der Stadt Baden könnte kaum besser sein.

Thomas Lütolf: Vieles, was in der Befragung vorkommt, können wir gar nicht gross beeinflussen. Aber es ist schön, dass wir uns in Baden bei jenen Themen kontinuierlich verbessern, die für das Standortmarketing wichtig sind.

Welche Themen sind das?

Wir haben einige Vorteile in Baden, die die meisten Gemeinden in der Umfrage nicht haben. Das gute Kulturangebot in Baden ist zum Beispiel einzigartig. Das ist etwas, was die Stadt fördert und unterstützt, aber getragen wird es von der Bevölkerung und vom grossen Engagement der Kulturschaffenden. Dass es beim Verkehr noch Verbesserungspotenzial gibt, überrascht nicht. Die Schulhausplatzbaustelle ist, trotz bester Arbeit, zurzeit omnipräsent.

Wo sehen Sie sonst noch Verbesserungspotenzial?

Den Hinweis, dass die Quartiere kinderfreundlicher sein könnten, nimmt die Stadt ernst. Solche Fingerzeige der Bevölkerung sind wichtig. Auch eine noch lebendigere Gastroszene und mehr Ruhe und Natur wurden gewünscht. Beim letzten Punkt geht es darum, mehr Bewusstsein für unsere Parks und unseren Wald zu schaffen. Das ist eine unserer Hausaufgaben.

«Idealer Wohnort»

Auffallend ist: Diese fünf Punkte wurden von den Wegziehenden no

Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing der Stadt Baden.

Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing der Stadt Baden.

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ch besser beurteilt, als von den Zuziehenden. 86 Prozent der Wegzüger bezeichneten Baden rückblickend sogar als «idealen Wohnort». Es muss also etwas dran sein an diesem schier makellosen Image der Stadt.

Was das Ergebnis etwas relativiert, sind die sehr unterschiedlichen Gemeinden, die an der Befragung teilgenommen haben. Zwar sind darunter auch die wohlhabende Stadt Zug und die Zürichsee-Gemeinde Stäfa, aber auch Zürcher Agglomerationsgemeinden wie Dietlikon, Opfikon oder Wallisellen. Ein einziger Punkt, bei dem Baden im Vergleich nicht so gut abschneidet, ist die Kinderfreundlichkeit der Quartiere.

Aus allgemeiner Unzufriedenheit zieht laut der Studie kaum jemand aus Baden weg. Gründe für einen Wegzug sind meistens familiärer oder beruflicher Natur. Oft ist es allerdings auch die vergebliche Suche nach einer grösseren oder bezahlbaren Wohnung. Auffallend ist, dass doppelt so viele Familien mit Kindern weg- wie zugezogen sind. Der knappe Kommentar einer Wegzügerin: «Miete war nicht ganz günstig.» Neben der langen Liste mit den Dingen, die gut gefallen, gibt es auch eine Liste mit Wünschen, die Baden noch attraktiver machen würden.

Weniger Autos, mehr Cafés

Am meisten Verbesserungsvorschläge machten die Wegzüger zum Thema Verkehr: Vor allem der Wunsch nach mehr Fussgängerzonen, mehr Velowegen und weniger Baustellen wiederholt sich immer wieder. Ein Befragter wünschte sich autofreie Sonntage.

Weitere Wünsche aus der Befragung sind ein veganes Restaurant, eine Flussbadi, längere Ladenöffnungszeiten, mehr alternative Kultur, ein Café oder Kiosk auf der Ruine Stein, bezahlbare Übungsräume für Musiker, ein öffentliches Thermalbad, mehr Grünflächen in der Innenstadt – und, vermutlich nicht ganz ernst gemeint: «Berge und ein See.» Der Befragte war wahrscheinlich während seiner Zeit in Baden weder auf der Baldegg noch am Kappisee.