Baden
Badens linker Stadtrat will keine Quote für Frauen und Männer in der Verwaltung

SP-Frau Arezina blitzt mit Vorstoss für Geschlechterquote in den Kaderpositionen der Verwaltung ab. Insgesamt arbeiten bei der Stadt Baden mit 63,1 Prozent jedoch eindeutig mehr Frauen.

Sabina Galbiati
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Überraschend schnell hat der Stadtrat den Vorstoss von Andrea Arezina beantwortet. Die SP-Einwohnerrätin verlangte im Mai dieses Jahres, dass die Kaderpositionen der Stadtverwaltung mithilfe einer Geschlechterquote ausgeglichener besetzt werden. Nun bittet der rot-grün dominierte Stadtrat den Einwohnerrat, den Vorstoss abzulehnen.

Zwar gibt der Stadtrat zu, dass die höheren Positionen in der städtischen Verwaltung mit 27 Prozent in den drei höchsten Lohnstufen einen kleinen Frauenanteil aufweisen. Doch eine Quote sei keine Lösung. «Ziel muss sein, auf allen Ebenen der städtischen Anstellungen ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern zu erreichen», erklärt Verwaltungsleiter Patrick Schärer. Derzeit arbeiten 344 Frauen (63,1 Prozent) und 201 Männer (36,9 Prozent) bei der Stadt Baden.

Tatenlos bleibt der Stadtrat also nicht. «Derzeit läuft ein Projekt, bei dem das Anstellungsreglement der Stadt überarbeitet wird», erklärt Schärer. Das Reglement soll neu auch personalpolitische Aussagen der Stadt festhalten. Diese sollen zugunsten eines ausgeglicheneren Verhältnisses bei der Anstellung von Männern und Frauen abgeändert werden. Es wird dem Einwohnerrat im Frühling 2014 vorgelegt. «Der Einwohnerrat kann sich dann wieder zu diesen Inhalten äussern», so Schärer.

Schwammige Botschaft

Auch wenn das Reglement in die richtige Richtung geändert wird, bemängelt Andrea Arezina, dass die Botschaft des Stadtrats doch sehr schwammig sei und keine konkreten Massnahmen nennt. Patrick Schärer erklärt: «Die Vorgaben des geänderten Anstellungsreglements werden in die Ziele der nächsten Legislaturperiode einfliessen.» Wie Stadtrat und Stadtverwaltung später den Wunsch nach einem ausgeglicheneren Geschlechterverhältnis konkret umsetzen, könne man erst sagen, wenn die Ziele definiert sind, so Schärer. «Bei diesem Prozess kann der Einwohnerrat stets seine Einwände äussern.»

Zufrieden ist Arezina trotzdem nicht: «Der Stadtrat tischt uns hier eine Mini-Minimal-Version einer Lösung auf.» Sie sei sich zwar bewusst, das Baden mit 27 Prozent Frauen in den Kaderpositionen besser da stehe als andere Städte. «Aber wir haben eindeutig noch Potenzial», so die Einwohnerrätin.

Diskussion muss geführt werden

Sie habe schon mit unzähligen Bekannten und Politikern über dieses Thema gesprochen, sagt Arezina, «doch bisher konnte mir niemand eine bessere Lösung präsentieren als die Quote». Eine Diskussion sei deshalb dringend nötig. «Diese müsste aber bereits bei der Werbung und der Erziehung ansetzen», so die junge SP-Politikerin. «Wir müssen aufhören, die Rollenbilder von Frauen und Männern zu zementieren.» Solange der Mann der Brötchenverdiener sei und die Frau die Babys wickelt, werde sich ohne Quote nichts ändern. «Und ich wünschte wirklich, es bräuchte keine Quote.»