Baden/Wohlen
Müller Bräu lässt Bier künftig in Schaffhausen brauen – und plant eine Gasthaus-Brauerei neben dem Biergarten

Die Badener Brauerei Müller wird den Grossteil seines Bieres von der Schaffhauser Falken Bräu brauen lassen. Zudem lagert sie die Logistik an den Wohler Getränkehändler Schüwo aus, statt wie geplant in Lupfg zu investieren.

Philipp Zimmermann und Andrea Weibel
Merken
Drucken
Teilen

Eigentlich hatte das Badener Traditionsunternehmen Müller Bräu im Industriequartier in Lupfig eine neue Logistikzentrale bauen wollen. 9 Millionen Franken sollten investiert werden für den Bau auf der grünen Wiese. Nun aber kommt alles anders.

Felix Meier, Chef der Brauerei Müllerbräu.

Felix Meier, Chef der Brauerei Müllerbräu.

Alex Spichale

«Die Realisierung erwies sich in der aktuellen Situation als nicht rentabel», sagt Felix Meier, der Geschäftsführer von Müller Bräu. Die Wiese bleibt also grün. Stattdessen geht die Badener Brauerei eine Partnerschaft mit dem Wohler Wein- und Getränkehändler Schüwo Trink-Kultur ein. Konkret wird die Schüwo mit der Auslieferung von «Müller Bräu» betraut. Die langjährige Zusammenarbeit sei eine hervorragende Basis für die Partnerschaft. Zu dieser gehört, dass Schüwo als Generalunternehmer bei Grossanlässen im Raum Aargau und Solothurn auftritt.

«Dank der neuen Zusammenarbeit können wir unsere Präsenz in unserem Marktgebiet deutlich ausbauen», sagt Schüwo-Geschäftsleiter Urs Schürmann. «Die Kunden profitieren weiter von einem einheimischen Getränkelieferanten, der mit den lokalen Bedürfnissen vertraut ist und einen persönlichen Kontakt pflegt.» Auch das Sortiment bleibe mehrheitlich identisch, erklärt Schürmann. «Die Brauerei Müller hat rund 1000 Artikel im Sortiment, wir dagegen 6000.» Ausserdem werde die Schüwo mehrere Mitarbeiter der Brauerei Müller übernehmen.

Der Biergarten in Baden im Frühling 2021.

Der Biergarten in Baden im Frühling 2021.

Alex Spichale

Grossteil von Müller Bräu wird bald in Schaffhausen gebraut

Es ist nicht die einzige wegweisende Entscheidung, welche die Brauerei Müller getroffen hat. Sie geht auch mit der Schaffhauser Brauerei Falken eine langfristige Partnerschaft ein. Der Grossteil des Müller-Bräu-Bieres wird in Zukunft nämlich in Schaffhausen gebraut. «Insbesondere das filtrierte Bier wird in Schaffhausen produziert», führt Geschäftsführer Felix Meier aus. «Die Rezeptur bleibt aber unverändert.»

Wann genau es so weit ist, sei noch unklar. Meier unterstreicht aber: «Für uns sind die Partnerschaften ein grosser und wichtiger Schritt in die Zukunft. Wir sind stolz, dass wir mit zwei starken, regional verankerten Familienunternehmen zusammenarbeiten können.»

Grossprojekt auf dem Brauerei-Areal

Grosse Veränderungen stehen im Badener Brauerei-Areal an. Hier plant die Brauerei gemeinsam mit der Erbengemeinschaft Burger fünf neue, mehrstöckige Bauten für 145 Wohnungen und 250 Bewohner und diverse Gewerbeflächen. Zudem plant Müller Bräu hier zu ihrem 125-jährigen Jubiläum im Jahr 2022 eine Gasthaus-Brauerei im früheren Maschinenhaus.

Wie das Areal aussehen könnte, zeigen diese Visualisierungen:

Das Areal der Brauerei Müller wird neu überbaut
4 Bilder
Zur Güterstrasse hin ensteht ein Gebäude mit 26 Metern Fassadenhöhe
Das Brauerei-Areal wird umgestaltet
Diese Visualisierung zeigt den Blick auf den Biergarten, rundherum das Sockelgeschoss mit Läden, dahinter die beiden Hochbauten an der Dynamostrasse Areal Brauerei Müller und Kohlenhof der Erbengemeinschaft Burger

Das Areal der Brauerei Müller wird neu überbaut

ZVG

Die hier frisch gebrauten Spezialitätenbiere werden in der Gaststätte sowie im Biergarten ausgeschenkt und können auch im integrierten Bierladen gekauft werden. «Wenn alles nach Plan läuft, wollen wir im Oktober 2022 eröffnen», sagt Felix Meier. Die Badener Biertradition bleibe erhalten. Die Gasthaus-Brauerei werde erst als Zwischenlösung realisiert. Das Baugesuch für die Areal-Überbauung samt definitivem Standort der Gasthaus-Brauerei befinde sich in der Projektphase, der Sondernutzungsplan ist bereits rechtskräftig. Im besten Fall könnte der Spatenstich für das gesamte Areal Ende 2023 erfolgen, also nach der nächsten Badenfahrt.

Müller Bräu beschäftigt zurzeit rund 35 Mitarbeitende. Diese Zahl wird sinken, vor allem weil die Schüwo, aber auch Falken Bräu Angestellte übernehmen werden. «Für alle betroffenen Mitarbeitende werden wir eine Lösung finden», verspricht Felix Meier. «Das liegt uns sehr am Herzen.»