Baden
Badeplausch: Doch Adleraugen bewachen den Sprungturm

Im Freibad gilt höchstes Sicherheitsgebot. Dennoch können nicht alle Unfälle verhindert werden. Im Terrassenbad – das 6000 Personen fasst und mit 2500 bis 3000 Personen gut besucht ist – gibt es jährlich rund 500 Unfälle. Oder Zwischenfälle.

Erna Lang-Jonsdottir
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So nennt sie der Betriebsleiter René Saurenmann nämlich lieber. Diese reichen vom Bienenstich über den Knochenbruch bis zur Lungenquetschung. «Massiv zugenommen haben allergische Reaktionen durch Lebensmittel», weiss er. Und: Immer mehr Eltern würden ihre Kinder unbeaufsichtigt lassen.

Den Springturm beobachten die Badmeister mit Adleraugen – das mit Abstand gefährlichste Areal des Freibads. «Vor allem zwischen 15.30 und 17 Uhr steigt dort die Unfallgefahr.»

Keine tödlichen Unfälle in Baden

«835 Eintritte haben wir heute verkauft», sagt Saurenmann auf dem Weg zum Sprungturm. Mit den Kleinkindern seien es knappe 900 Eintritte. «Eine überschaubare Menge. Ab 3500 wird es kritisch.» Und obschon viel mehr Zwischenfälle auf den Sportplätzen registriert würden als im Wasser, «können sich beim Springturm schwere Unfälle ereignen».

12 bis 15 Unfälle gebe es dort jährlich, darunter 3 bis 5 schwerere, wie gequetschte innere Organe oder Rückenverletzungen. «Tödliche Unfälle hatten wir Gott sei Dank noch nie», sagt er. Bewacht werde der Turm immer von mindestens zwei Personen. «Anfang Saison ist der 10-Meter-Turm ein Problem.» Junge Erwachsene würden manchmal unvorbereitet springen und sich dabei verletzen.

«Bei Kindern und Jugendlichen herrscht zwischen 15.30 und 17 Uhr grosse Unfallgefahr. Dann sind sie besonders aktiv. Jeder will den anderen mit seinen Kunststücken übertreffen.» Das Aufsichtspersonal müsse die Kinder präventiv bremsen. Es komme sogar vor, dass der Turm geschlossen werden müsse. Eine Pause wirke Wunder. Und auch wenn sich die Menge zum Wellenbad verlagere: «Dort herrscht viel weniger Gefahr als beim Turm.»

Kleinkinder alleine unterwegs

Wie Saurenmann ausführt, hat die Stadt Baden einen sehr hohen Anspruch an die Sicherheit. Durch viele Weiterbildungen sei das Personal auf jede Situation vorbereitet. Anfang Saison sei ein Badegast wegen einer allergischen Reaktion auf eine Melone beinah erstickt. «Das war ein Schock, aber wir haben richtig reagiert. Dennoch sind wir kein Hütedienst.» Vor allem Südamerikaner würden ihren Kindern viel Spielraum geben. «Logisch suchen wir die Eltern eines 3-Jährigen, der sich beim Springturm verirrt hat.» Neulich habe ein kleines Kind bei der Sanität Obhut gefunden. «Nach 1,5 Stunden fanden wir die Eltern, die es nicht einmal vermisst hatten. Das darf nicht sein.»