Baden
Bäderprojekt: Stadt und Denkmalpflege schieben sich «Schwarzen Peter» zu

Das Bäderquartier in Baden scheint am Ort zu treten. Während das Botta-Bad und das Wohn-/Ärztehaus baureif sind, ist die Nutzung beim «Verenahof» noch immer unklar. Stadt und Denkmalpflege weisen sich gegenseitig die Schuld zu.

Roman Huber
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Blick in einen der beiden Lichthöfe des «Verenahofs», kurz vor der Schliessung des Hotels im Jahr 2002. Wal/Archiv

Blick in einen der beiden Lichthöfe des «Verenahofs», kurz vor der Schliessung des Hotels im Jahr 2002. Wal/Archiv

In den Bädern nichts Neues: Vergangenen September hiess es bereits, dass das neue Thermalbad und das Wohn- und Geschäftshaus für eine rasche Baueingabe bereit seien. Doch auf dem Baufeld 3 (Hotel Ochsen, Bären, Verenahof), primär beim «Verenahof» ist noch offen, was erhalten bleiben muss und was nicht.

Das ist der heutige Stand, ein Jahr, nachdem die Verenahof AG eine Bauanfrage eingereicht hat. Seither scheint man in den Bädern an Ort zu treten. Dies bestätigt Benno Zehnder, seit 2006 VR-Präsident der Verenahof AG und treibende Kraft des Bäderprojekts.

Gegenseitige Schuldzuweisung

Die Frage lautet nun: Wer steht auf der Bremse? «Die Denkmalpflege hat letztes Jahr der Bauanfrage zugestimmt», sagt Irène Richner, Departementssprecherin, stellvertretend für die Denkmalpflege.

Sie gibt dazu den Hinweis, dass nun alles Weitere im Zuständigkeitsbereich der Stadt Baden liege. Stadtammann Geri Müller nimmt indes den Schwarzen Peter nicht unwidersprochen entgegen: «Das ist nicht so», sagt Müller.

Die Stadt beurteile das Projekt nach der geltenden revidierten Bauordnung. Was Schutz oder Erhalt betreffe, da habe die Stadt mit «kann» formuliert, der Kanton hingegen mit «muss».

«Im Übrigen sind sich Kanton und Stadt betreffend der Schutzkriterien einig», erklärt Müller. Die Stadt sei wie bis anhin bereit, den Planungsprozess förderlich und effizient zu behandeln.

Vor zehn Jahren hat die Kantonale Denkmalpflege entschieden, was unter Schutz gestellt werden soll. «Daran hat sich seitens Denkmalpflege nichts geändert», sagt Richner. Beim «Verenahof» stünden die Fassaden mit den Dächern (ohne Hoffassaden), die beiden Lichthöfe unter Schutz.

«Der Saal, der sogenannte Elefantensaal, ist nicht unter kantonalem Schutz, wird aber auch von Investorenseite als schützenswert eingestuft», so Richner.

Bauherr Benno Zehnder ging davon aus, dass er den «Verenahof» auskernen könne. Das ist mit den gemachten Auflagen fraglich. So ist derzeit für den Investor unklar, welcher Nutzung (Reha, Hotel etc.) er den «Verenahof» zuführen kann.

Heimatschutz plädiert auf Güterabwägung

Die Denkmalpflege erinnert daran, dass in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt Teile des Bäderquartiers aus dem Schutz entlassen worden seien.

Bis die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) in einem Gutachten im Jahr 2002 zum Schluss kam: «Der bestehende Schutzumfang ist als Minimum zu betrachten, um dem gesamtschweizerisch hohen archäologischen, historischen, kulturhistorischen und baukünstlerischen Wert des Bäderquartiers zu entsprechen. Eine weitere Reduktion oder gar eine völlige Aufhebung erachtet sie als keinesfalls verantwortbar.»

Nebst Investor, Kanton und Stadt hat sich ein vierter Player noch gar nicht offiziell geäussert: die Sektion Aargau des Schweizer Heimatschutzes. «Das Bäderquartier in Baden ist von internationaler Bedeutung», sagt Patrick Schoeck, Geschäftsführer-Stellvertreter des Schweizer Heimatschutzes.

Nebst dem englischen Bath und Baden-Baden (erstes ist Unesco-Weltkulturerbe, zweites bald) gehöre Baden zu den drei wichtigsten römischen Bädern Europas nördlich der Alpen.

Laut Heimatschutz müssen aufgrund der archäologischen Untersuchungen die Unterschutzstellungen neu geprüft werden, so Schoeck. Der Heimatschutz plädiert auf Güterabwägung. Er hat das letzte Wort in dieser Sache wohl noch nicht gesprochen.

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