Baden

Bäderprojekt: «Investoren brauchen ein dickes Fell»

Benno Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Verenahof AG und der Badener Vizeammann Markus Schneider im Gespräch.

Benno Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Verenahof AG und der Badener Vizeammann Markus Schneider im Gespräch.

«Badekultur – touristisches Erbe und kulturhistorisches Potenzial» lautete das Thema einer öffentlichen Podiumsdiskussion in der Berufsschule BBB, in der sich alles um die Zukunft des Badener Bäderquartiers drehte.

Der Ausdruck «Bäderquartier» ist gemäss Historiker Bruno Meier aber unpassend. «Eigentlich sollte man im Zeichen des Aufbruchs von ‹den Bädern› sprechen. Sie sind ein wichtiger und seit Jahrhunderten prägender Teil unserer Stadt. Es geht um weit mehr als nur das ‹Bäderquartier›.»

Auswärtige Exponenten wie Roland Huber, Direktor Surselva Tourismus, Andreas Schaub, Stadtarchäologe Aachen und Bäderplaner Stefan Kannewischer schwärmten in den höchsten Tönen vom neuen Thermalbadprojekt. «Es kommt in einem der besten Einzugsgebiete der Schweiz zu stehen, wird von einem absoluten Superarchitekten gebaut und hat mit Aussicht auf das Limmatknie die schönste Lage, die man sich vorstellen kann», waren sich alle einig und fügten hinzu: «Wichtig ist, dass man sich die Chance, die sich hier bietet, nicht kaputtmacht. Und endlich aufhört, Negativismus zu verbreiten.»

Schaub führte an, dass die Substanz der Badener Quellen sowie die räumliche Struktur der Bäder nördlich der Alpen absolut einzigartig sind. Diese Aussagen kamen Benno Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Verenahof AG, sehr entgegen. «Wir haben vor 9 Jahren die Aktienmehrheit übernommen und bisher 15 Millionen Franken investiert», resümierte er den bisherigen Stand und ereiferte sich, «das Bad wird frühestens Ende 2018 eröffnet; kein Normalsterblicher glaubt, dass etwas so lange dauert!»

Huber hat als Mitbeteiligter am Bau der Thermalbadlandschaft in Scuol andere Erfahrungen gemacht: «Es braucht ein dickes Fell und 10 bis 12 Jahre Überzeugungsarbeit, bis man die Bevölkerung hinter sich hat», sagte er. Stadtrat Schneider zeigte sich optimistisch zum Botta-Projekt: «Ich bin der Meinung, dass wir auf der Zielgeraden sind und freue mich sehr, wenn das Baugesuch eingereicht werden kann.» (gemäss Zehnder ist das zwischen Februar und April 2015).

Doch das genügt Meier nicht und er redete Klartext: «In den letzten 25 Jahren hat die Stadt in Bezug auf die Bäder rein gar nichts gemacht, wir stehen diesbezüglich noch ganz am Anfang. Ich fordere die Politiker vor Ort auf, sich diesem Projekt mit mehr ‹Leadership› als bisher anzunehmen», appellierte der Historiker an den Stadtrat.

Eine Neuigkeit hatte Benno Zehnder zu vermelden, was die Erhaltung der alten Bausubstanz angeht: «Wir werden die Quellen und den alten Kern für Besucherinnen und Besucher wieder zugänglich und damit die alte Bädergeschichte erlebbar machen.» Einigkeit herrschte, dass die Stadt beim neuen Thermalbad-Projekt insgesamt aktiv werden muss mit Flaniermeilen, Läden und Gastronomieangeboten usw. für die neue Badeklientel.

Grundsätzlich war der Tenor an der Podiumsdiskussion auf der ganzen Linie positiv und erfolgsversprechend. Wobei die geladenen Gäste von auswärts den hohen Stellenwert der Badener Bäderkultur fast mehr zu schätzen schienen, als mancher Einheimische das tut. Doch steter Tropfen höhlt den Stein. Das begeisterte Votum aus dem Publikum von Susi Krämer, deren Grossvater Dr. Walther Jann Bäderarzt in Baden war: «Endlich geht hier wieder etwas!»

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