Spreitenbach/Limmattal
Bahn-Chef reagiert auf Standort-Kritik: «Es braucht Platz für eine Erweiterung»

Daniel Issler, Geschäftsführer der Limmattalbahn AG, wehrt sich gegen die Vorwürfe, die Standortwahl für das Depot der Limmattalbahn sei nicht korrekt verlaufen.

David Egger
Drucken
Teilen
Ein schöner Anblick: die Weizen und Blumen auf dem Dietiker «Müsli»-Acker. Soll hier das Bahndepot entstehen?

Ein schöner Anblick: die Weizen und Blumen auf dem Dietiker «Müsli»-Acker. Soll hier das Bahndepot entstehen?

David Egger

Mit Interpellationen, Fragen und Vorwürfen wehren sich Aargauer und Zürcher Politiker gegen das Limmattalbahn-Depot auf dem Dietiker «Müsli»-Acker. Mitte Juli verschickten zudem Dietiker Gemeinderäte aller Couleur einen Brief an den Zürcher Regierungsrat und die zuständigen Kommissionen des Zürcher Kantonsrats. Ihr Ziel ist es, die Eintragung des Depot-Standorts im Zürcher Richtplan zu verhindern.

Doch der beste Alternativ-Standort, das Spreitenbacher Gebiet «Asp», birgt hohe Zusatzkosten: Der Boden unter dem «Asp» ist mit Abfällen belastet und müsste für mindestens 25 Millionen Franken saniert werden, was die Inbetriebnahme der Bahn verzögern würde. Manche Politiker fordern nun, andere Standorte zu überprüfen. Denn der anfänglichen Überprüfung von 15 Standorten trauen sie nicht.

So lautet der wohl gravierendste Vorwurf, die Limmattalbahn AG habe sich zu früh auf die Standorte «Müsli» und «Asp» konzentriert. Untermauert wird dieser Vorwurf durch den Fakt, dass auf den neun Seiten des offiziellen, 2014 erschienenen Planungsberichts zur Standortwahl nur das «Müsli» und das «Asp» namentlich erwähnt werden. 13 weitere potenzielle Standorte kommen im Bericht nur als Punkte auf einer Karte vor – ein Zeichen der Intransparenz und der vorschnellen Standortwahl, heisst es vonseiten mancher Depot-Gegner.

Transparent oder nicht?

Der Geschäftsführer der Limmattalbahn AG, Daniel Issler, widerspricht: «Wir kommunizieren offen und transparent. Die ganze Evaluation besteht aber aus unzähligen Briefen, Sitzungsnotizen und weiteren Korrespondenzen und ist sehr umfangreich.» Die restlichen Standorte seien zudem eingehend geprüft worden, aber verschiedene Kriterien hätten dagegen gesprochen: «Es braucht zum Beispiel Platz für eine Erweiterung, damit später nicht wieder ein Depot-Standort gesucht werden muss», sagt Issler.

Eine Erweiterung des Depots wäre nötig, wenn die angedachte Weiterführung der Limmattalbahn nach Baden Realität wird – im Aargauer Richtplan ist diese Option bereits als Vororientierung enthalten. Aargauer Lokalpolitiker hegen zudem die Vision einer Weiterführung der Limmattalbahn von Baden bis zum Bahnhof Mellingen Heitersberg.

«Alle Standorte überprüft»

Issler versichert zudem: «Wir haben den Standort des Depots auch nicht alleine bestimmt, sondern zusammen mit allen Partnern, auch der lokalen Politik. Auf diese Partner sind wir angewiesen.» So wurden die Gemeinden, die Raumplanungsämter und die Planungsverbände in die Standortwahl einbezogen. Zum Beispiel die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL), der Exekutivpolitiker aus jeder Gemeinde des Bezirks Dietikon angehören.

Diese Verbände wurden einbezogen, nachdem für jeden Standort «eine Situationsanalyse nach einheitlichen Kriterien» angefertigt wurde. «Alle in Frage kommenden Standorte wurden überprüft, aber natürlich wurde nicht für alle Standorte ein ausgereiftes Projekt entwickelt», sagt Issler. Damit wird klar, weshalb einzig das «Müsli» und das «Asp» im erwähnten Planungsbericht genauer vorgestellt werden.

Für jeden Standort bezogen die Planer zudem die jeweilige Standortgemeinde mit ein. Diese vertraten freilich auch ihre eigenen Interessen, zum Beispiel Urdorf: Die Gemeinde will ihren Wirtschaftsraum Nord weiterentwickeln und bis 2030 als Standort für Firmen aus der Hightech- und der Finanzbranche etablieren. Das Bahndepot, das inklusive Zufahrtsstrecke 13 000 Quadratmeter Platz braucht und laut Angaben der Bahn-Verantwortlichen im Depot selbst etwa drei bis vier Personen einen festen Arbeitsplatz bieten wird, würde diese Pläne durchkreuzen. «Unter Abwägung sämtlicher Kriterien haben die anderen Standorte schlechter abgeschnitten als die Standorte ‹Müsli› in Dietikon und ‹Asp› in Spreitenbach», sagt nun Issler. Gegen das ebenfalls benachbarte Dietiker «Niderfeld» sprachen beispielsweise die Kriterien der Raumplanung, der Kosten und der politischen Akzeptanz. Schliesslich soll dort ein neues Quartier mit 4000 Arbeitsplätzen und Wohnraum für 3000 Personen entstehen.

«Zeitpunkt wäre ungünstig»

Was die Politiker ebenfalls beschäftigt, sind die möglichen Kosten für eine Sanierung des Bodens. Das Depot würde zum Grossteil auf der ehemaligen Deponie Joosäcker im Spreitenbacher «Asp» zu stehen kommen und zu einem kleinen Teil auf der Deponie Müsli. Diese Deponie liegt zum Grossteil auf Dietiker Boden und ist als sanierungsbedürftig beurteilt. Sie muss saniert werden.

Im April beschloss der Dietiker Stadtrat die Erstellung eines Sanierungskonzepts. Die Deponie im «Asp« gilt hingegen als überwachungsbedürftig. Das heisst, sie muss nur saniert werden, wenn darauf gebaut wird. Die Kosten für die Sanierung des «Asp» wären grundsätzlich von der Bauherrschaft zu tragen, also von der Limmattalbahn AG, wie diese auf Anfrage mitteilt. Inhaberin des entsprechenden «Asp»-Grundstücks ist heute eine grosse national tätige Immobilienfirma.

Im Hinblick auf die Kantonsratsabstimmung über den Eintrag des Depot-Standorts im Zürcher Richtplan, über den der Zürcher Regierungsrat bereits 2014 informierte, sagt Issler: «Falls die Politik tatsächlich zum Schluss kommen sollte, dass das Depot nun doch im ‹Asp› gebaut werden muss, ist das ihr Recht. Da die Planung jedoch bereits weit fortgeschritten ist, wäre der Zeitpunkt ungünstig.»

Aktuelle Nachrichten