Die Musikgesellschaft (MG) Brass Band Lengnau spielte in der Mehrzweckhalle Rietwise nicht nur Popsongs und klassische Stücke: Ansager Erhard Wyss erzählte zwischen den Liedern eine alltägliche Geschichte eines Coiffeurs: «Hardy ist 28-jährig, mag Musik und hätte gerne eine Freundin», so der galante Wyss, den nicht mal Mikrofonprobleme aus der Ruhe brachten.

Mit Witz, kurzweiligen Ansagen und den Karikaturen von Hobbyzeichner Timo Albiez, die auf Bildschirmen zu sehen waren, hat die Brass Band die vollbesetzte Mehrzweckhalle gerockt: Unter der Leitung von Roman Fankhauser spielte die Brass Band Popklassiker wie etwa «Lion King», «The Time of My Life» oder auch das 50er-Jahre-Stück «Mr. Sandman».

Brass Band Lengnau (az)

Brass Band Lengnau (az)

Auch Tanz- und Operngesangseinlagen «Der Barbier von Sevilla» fehlten freilich nicht. Die Organisatoren der MG Brass Band haben so gekonnt den Balanceakt zwischen Komik und seriöser Musik gefunden. Die Moderation von Wyss war kurzweilig, amüsant und passte thematisch zu den nachfolgenden Stücken. Die Cartoons von Albiez gaben Hardy ein Gesicht, das im Publikum immer wieder für Schmunzeln sorgte.

Keine Nachwuchsprobleme

Die Brass Band Lengnau zeigte, dass traditionelle Konzertmusik noch lange nicht verstaubt ist. «Wir können uns nicht über Nachwuchs beklagen», sagt Präsident Beat Jeggli, «wir haben auch 16-jährige Musiker, die aus Zeitgründen aber nur projektmässig dabei sind.» Für eine Brass Band hat die Lengnauer Musikgesellschaft ein relativ tiefes Durchschnittsalter von etwa 35 Jahren. Demnach war es auch nur logisch, dass gerade ein Bandmitglied an diesem Konzerttag seinen 18. Geburtstag feierte. Der junge Musiker Tamar Som wurde mit einem Geburtstagsständchen geehrt.

«Dass wir neben dem heutigen grossen Freizeitangebot attraktiv sind, hat auch damit zu tun, dass unsere Musikgesellschaft in der zweiten Klasse spielt.» Diese dritthöchste musikalische Liga, die ihr Können an schweizerischen Wettbewerben unter Beweis stellt, sei für einen Dorfverein sehr ambitioniert, so Jeggli. Im Juni wird das Orchester am Eidgenössischen Musikfest in Montreux auftreten.

Das hohe musikalische Niveau verlangt aber etliche Probeabende. «Für dieses Konzert haben wir acht Wochen geprobt», sagt Dirigent Fankhauser im Gespräch. Dass dabei die Band zur zweiten Familie werden kann, verpackte Ansager Wyss in eine witzige Geschichte: «Es stimmt zwar, dass die Musiker bald mehr Zeit mit der Band verbringen als mit ihrem Lebenspartner, doch gehen nach den Proben ein paar wenige direkt nach Hause statt an den Stammtisch im Restaurant.»