Geri Müller ist ab kommendem Februar nicht nur Stadtammann, sondern zusätzlich auch oberster Verwaltungsleiter. Denn der jetzige Stelleninhaber Patrick Schärer, der die Stelle gekündigt hat, tritt dann aus der Stadtverwaltung aus – und ein Nachfolger ist noch weit und breit nicht in Sicht. Erstaunlich: Die Stelle ist bislang nicht einmal ausgeschrieben worden. Somit hat Geri Müller zumindest im Organigramm so viel Macht wie noch nie.

Der Stadtammann ist der direkte Vorgesetzte des Verwaltungsleiters, und da dieser ab Februar fehlt, übernimmt er selbst dessen Führungsaufgaben. Diese bestehen nach heutigem Organisationsmodell der Stadt in der Führung der 19 Abteilungsleiter. Insgesamt ist Geri Müller somit Chef über 550 Mitarbeitende der Stadt. In der Privatwirtschaft wäre Müller damit Verwaltungsratspräsident und CEO in corpore.

Die Realität dürfte sich allerdings anders präsentieren. Der Stadtammann muss in dieser Führungsaufgabe von einem Team unterstützt werden, denn dieser Zustand dürfte höchstwahrscheinlich noch länger dauern, als man zurzeit annehmen könnte.

Dringliches Postulat eingereicht

Als Kündigungsgrund gab Schärer nicht zuletzt die Führungsbreite über 19 Abteilungsleiter an, die nicht mehr mit dem seinerzeitigen Stellenbeschrieb übereinstimme. Darüber hinaus war auch die schwierige Situation nach der Affäre des Stadtammanns mit ein Grund. Beide Punkte greifen nun Mark Füllemann (FDP), Peter M. Conrad (CVP) und Daniel Glanzmann (SVP) in einem dringlichen Vorstoss auf.

Im Postulat heisst es im Wortlaut, «der Stadtrat wird beauftragt, die Notwendigkeit wie auch Ausgestaltung der Stelle eines Verwaltungsleiters grundsätzlich zu überprüfen und dabei sowohl die Führungsspanne wie auch die Stellung und Funktion der weiteren Abteilungsleiter einzubeziehen».

Einen Verwaltungsleiter auf Basis des jetzigen Stellenprofils zu suchen, sei fahrlässig, erklärt Füllemann. Das Profil müsse erst hinterfragt und angepasst werden. Es gehe auch darum, dass der Verwaltung gegenüber dem Milizparlament und den Stadtratsmitgliedern nicht zusätzliche Kompetenzen zugehalten werden.

Die Verfasser wollten eigentlich ihr Anliegen in der strengeren Form einer Motion beziehungsweise eines Direktauftrags einreichen. Das habe das Ratsbüro des Einwohnerrates jedoch nicht als statthaft erachtet, sagt Füllemann.

Und der Reputationsschaden

Im gegenwärtigen Moment müsse man wegen des Reputationsschadens (Affäre Geri Müller) damit rechnen, dass sich geeignete Kandidaten gar nicht für diese Stelle melden, weil sie den jetzigen Stadtammann nicht als Vorgesetzten akzeptieren würden, begründen die Postulanten ihre Forderung. Füllemann schliesst nicht aus, dass mit der Stellenbesetzung möglicherweise bis zur nächsten Stadtammannwahl zugewartet werden müsse.

Darum erwarte man vom Stadtrat, dass er die Suche eines Nachfolgers vorderhand sistiere und zuwarte, bis die Verwaltungssituation überprüft worden sei. Dazu müsse der Stadtrat eine temporäre Lösung beschliessen, mit der die Koordination zwischen den Abteilungen sichergestellt sei.

Der Einwohnerrat muss am kommenden Dienstag zuerst über die Dringlichkeit des Postulates entscheiden. Damit ist zu rechnen, denn die bürgerlichen Parteien stehen hinter dem Vorstoss. Zudem wird der Einwohnerrat noch über die Antworten des Stadtrates auf die Anfrage Reto Huber (CVP) betreffend Verwaltungsführung und Stadtratsorganisation diskutieren wollen.

Seitens der Stadt will man der Verhandlung nicht vorgreifen und darum zum Postulat keine Stellung nehmen. Die Stellenausschreibung eines Verwaltungsleiters soll aber nächste Woche erfolgen. Offenbar zögert man nicht wegen des fehlenden Stellenbeschriebs. Vielmehr will der Stadtrat die Behandlung der beiden Vorstösse im Einwohnerrat abwarten.