Betonieren, schalen, schweissen - und das alles unter Wasser. Was abenteuerlich tönt, war im Kraftwerk Aue der Limmatkraftwerke AG in den letzten Monaten Realität. Grund: Weil das Kraftwerk eine neue Konzession bis ins Jahr 2074 erhielt, sollte es für die kommenden 60 Jahre fit getrimmt werden. Hierfür musste eine der drei Maschinengruppen - wegen ihres Alters von 86 Jahren «die Grossmutter» genannt - einer neuen Maschine Platz machen.

Weil diese grösser ist als die Grossmutter, musste hierfür erst die Turbinengrube vergrössert werden. Begonnen wurde mit diesen Arbeiten im Sommer vor drei Jahren. «Diese Arbeiten passierten grösstenteils unter Wasser», erklärt Andreas Doessegger, Projektverantwortlicher bei der Regionalwerke AG Baden. Wieso wurde nicht einfach abgedichtet? «Das wäre sehr aufwendig und kostspielig gewesen, da das Wasser im Grundwasser steht und von allen Seiten reingedrückt hat», sagt Doessegger.

Da aber auch die Unterwasserarbeiten aufwendiger und zeitintensiver waren als geplant, wurden aus der projektierten zwei Jahren Bauzeit schliesslich drei Jahre. Das hat auch Auswirkungen auf die Baukosten. Aus ursprünglich 20 Mio. Franken sind rund 26 Mio. Franken geworden.

Dafür wird das Kraftwerk Aue künftig rund einen Fünftel mehr Strom produzieren können - jährlich total 30 Mio. Kilowattstunden. Das entspricht dem jährlichen Strombedarf von rund 6800 Haushalten; 1200 Haushalte mehr als zuvor können nach dem Ausbau mit erneuerbarer Energie versorgt werden.

Die höhere Produktion ist aber nicht nur auf die im letzten Jahr eingebaute neue Maschine zurückzuführen. Weil die neuen Konzessionsauflagen von den Kraftwerkbetreibern verlangen, mehr Restwasser über das Wehr in die Limmat fliessen zu lassen, mussten diese handeln. «Mehr Restwasser bedeutet in der Regel weniger Wasser für die drei Hauptturbinen», sagt Doessegger.Mit dem Bau eines kleineren Dotierkraftwerkes gleich beim Wehr trage nun auch das Restwasser zur Stromproduktion bei.

Seit Oktober 2013 ist es in Betrieb. Anders als beim Kraftwerk, dessen Bau man von Weitem sieht, ist das Dotierkraftwerk gleich neben dem Wehr unterirdisch angelegt. «Früher wurden die Maschinen mit Luft gekühlt, sodass die älteren Kraftwerke zur Wärmeableitung über eine grosse Maschinenhalle verfügten. Die neuen Maschinen sind wassergekühlt, sodass die Wärmeabfuhr weniger Platz benötigt», sagt Doessegger.

Keine nassen Füsse auf Parkplatz

Die höhere Menge Restwasser war aber nicht die einzige Auflage, die vor allem vonseiten Naturschutz gestellt wurde. So wurde die Insel gleich nach dem Kraftwerk von Bambus und fremden Pflanzen befreit und in der Umgebung des Kraftwerks wurden Buhnen - Steinhaufen oder Felsbrocken quer zur Flussrichtung - platziert, um Fischen mehr Rückzugsorte zu bieten. «Auch der Fischaufstieg wurde erneuert. Und es gibt jetzt sogar einen Abstieg für Fische; ähnlich einer Rutschbahn im Alpamare», sagt Doessegger lachend.

In Zukunft würden sich Kraftwerkbetreiber noch mit weiteren Auflagen konfrontiert sehen. «Flüsse transportieren viel Geröll und Kies, was für das Laichen der Fische wichtig ist», so Doessegger. Stehe in einem Fluss ein Wehr, werde dieser Transport eingeschränkt. Dies habe zur Folge, dass unter anderem mit künstlichen Kiesschüttungen der Geschiebetrieb wieder reaktiviert werden muss. «Der Kiestransport erfolgt dann zumindest bis in die Stauhaltung des nachfolgenden Kraftwerks», sagt Doessegger.

Doch nicht alle baulichen Veränderungen sind dem Naturschutz geschuldet. So wurde die Kanalmauer kurz vor dem Kraftwerk ein wenig erhöht. «Sollten alle drei Maschinen einmal gleichzeitig schliessen, verhindern wir dadurch, dass Wasser auf den Parkplatz der Sporthalle Aue übertritt; früher gabs schon mal nasse Füsse», sagt Doessegger.
Keine nassen Füsse müssen Besucher des Eröffnungsfestes am 13. September befürchten, wenn das erneuerte Kraftwerk offiziell eingeweiht wird.