Baden

Barkeeper zur Zwangs-Arbeitspause: «Ich trage gerne dazu bei, Menschen zu schützen»

Barkeeper Nico Villiger hofft, dass die Menschen solidarisch bleiben.

Barkeeper Nico Villiger hofft, dass die Menschen solidarisch bleiben.

Nico Villiger ist Barkeeper im «Torre» in Baden. Seit bald einer Woche darf er nicht mehr arbeiten. Er fragt sich, wie lange die Situation wohl anhält und ob die Bar überleben wird. Den Entscheid des Bundesrates findet er trotzdem richtig und sinnvoll.

Vor einer Woche um 17 Uhr hat der Bundesrat die Notlage ausgerufen. Informiert, dass ab Dienstag alle Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe bis am 19. April geschlossen bleiben. Nico Villiger stand an diesem Montag hinter der Bar im Restaurant Torre in Baden. Das letzte Mal für lange Zeit.

Am Dienstag kam das Team noch einmal zusammen, um aufzuräumen. So aufzuräumen, wie man aufräumt, wenn mindestens einen Monat lang niemand hinter und auch niemand vor der Bar steht. «Im Gegensatz zum Restaurant haben wir Glück, weil Spirituosen lange haltbar sind und nicht schlecht werden», sagt Nico Villiger. Die Früchte, die sie für die Drinks und Cocktails brauchen, haben sie ausgepresst und den Saft eingefroren.

Seit Mittwoch hat Nico Villiger frei. Er ist zu Hause und versucht, die neue Situation gelassen zu nehmen. «Als Arbeitnehmer ist das natürlich einfacher», sagt er und denkt dabei an seinen Geschäftsführer, der das unternehmerische Risiko trägt und für sich selber keine Kurzarbeit beantragen kann.

«Es ist entscheidend, wie lange wir nicht arbeiten können»

Aber natürlich macht sich auch Nico Villiger Gedanken. Er fragt sich, wie lange die Situation wohl anhält und ob die Bar überleben wird. Den Entscheid des Bundesrates findet er trotzdem richtig und sinnvoll. «Ich trage auch gerne etwas dazu bei, die Bevölkerung zu schützen.» Gleichzeitig hofft, nein zählt er darauf, dass alle anderen das auch tun. Dass sie die Lage ernst nehmen und sich an die Weisungen des Bundesrates halten. «Sonst werden die Massnahmen noch weiter verschärft», befürchtet er und fügt an: «Für unsere Zukunft ist es entscheidend, wie lange wir nicht arbeiten können. Ob einen Monat oder mehrere.»

Nico Villiger versucht, der aussergewöhnlichen Situation auch etwas Gutes abzugewinnen. Als Barkeeper arbeitet er normalerweise dann, wenn andere frei haben. «Ich geniesse es, dass ich mehr Zeit für meine Eltern und Grosseltern habe.» Er unterstütze sie, wo er könne. Gehe einkaufen oder mähe den Rasen. Auch um seinen Balkon ist er froh, so kann er immerhin das schöne Wetter geniessen. Trotzdem sei es ungewohnt: «Ich bin ein Mensch, der immer Vollgas gibt. Ich habe 100 Prozent gearbeitet und nebenbei noch eigene Projekte angerissen. Jetzt merke ich, dass es auch guttut, einfach mal zu entschleunigen, zu Hause ein Buch zu lesen, einen Film zu schauen oder über die Zukunft nachzudenken», sagt er.

Gleichzeitig sei er sich bewusst, dass es die ersten paar Wochen immer locker sind und die Schwierigkeiten sich erst später zeigen. Er hofft, dass die Menschen solidarisch bleiben. Und dass nicht plötzlich jene, die noch arbeiten müssen, neidisch sind auf jene, die nicht mehr arbeiten können. «Letztlich trifft es uns alle.»

Das Corona-Virus betrifft uns alle irgendwie. Die «AZ» beleuchtet in einer täglichen Serie den Alltag unterschiedlicher Menschen aus dem Aargau. Alle Texte finden Sie online hier.

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