Fast beiläufig hat Bäder-Investor Benno Zehnder bei einem Vortrag vor ETH-Alumni im Hotel Limmathof die lang ersehnte Nachricht öffentlich gemacht. «Mir wurde diesen Montag mündlich mitgeteilt, dass die Baubewilligungen für das Baufeld 1, also das Thermalbad, sowie das Baufeld 2, das Wohn- und Ärztehaus, erteilt worden sind. Wir, also die Stiftung Bad Zurzach und die Verenahof AG, werden gesondert informieren, sobald die Bewilligung schriftlich vorliegt. Jetzt können wir endlich sagen: Verhindern kann das Bad keiner mehr», sagte Zehnder.

Für das dritte Baufeld gebe es noch eine Einsprache, und diese könnte theoretisch weitergezogen werden. «Aber ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden, sodass auch diese Bewilligung bis ungefähr September erwartet werden kann.» Stadtrat und Bauvorsteher Markus Schneider (CVP) bestätigt, dass die schriftliche Bewilligung demnächst folgen werde.

Wer erwartete, Benno Zehnder würde angesichts dieser frohen Nachricht nun freudentrunken über die Zukunft referieren, täuschte sich. Vielmehr wurde er Dinge los, «die einfach gesagt sein müssen». Seine teils brisanten Aussagen im O-Ton:

Über die Zusammenarbeit mit der Stadt Baden: «Viele Leute glauben, ich würde im Stadthaus mit Kaffee und Gipfeli empfangen, weil man dort froh sei und dankbar, dass ich etwas für die Stadt mache. Aber das ist überhaupt nicht der Fall. Es würde dort niemand zugeben, aber es gab bei der Bauverwaltung enorme Widerstände. Zum Teil war ich es, der den Leuten dort nicht passte; auch Mario Botta war vielen der sogenannten kreativen Köpfe nicht genehm. Heute ist es besser, weil das Projekt bewilligt wurde.»

Benno Zehnder Präsident Verenahof AG: «Es gab enorme Widerstände. Es ging sogar so weit, dass der Kanton die Quellen enteignen wollte.» (Archivbild)

Benno Zehnder Präsident Verenahof AG: «Es gab enorme Widerstände. Es ging sogar so weit, dass der Kanton die Quellen enteignen wollte.» (Archivbild)

Über Politiker: «Von Unterstützung kann man nur beschränkt reden. Wer mir immer extrem geholfen hat, war Stephan Attiger, der ehemalige Stadtammann und heutige Regierungsrat. Es war nicht so, dass er mir Geschenke machte, wir hatten stets harte Verhandlungen. Aber mit ihm kann man Lösungen finden. Heute findet man in Baden Lösungen mit Markus Schneider. Danach wird die Liste sehr kurz. Zwar reden alle vom Bad, aber wenn es konkret wird, hilft niemand. Leider haben wir an diesen Stellen wenige Unternehmer mit entsprechender Erfahrung.»

Über die Thermalbad-Gegner: «Auch die Interessengruppe Schöner Baden kann das Bad jetzt nicht mehr verhindern. Diese Gruppe hatte das Gefühl, sie könne alles besser, und machte wirklich ganz unfaire Propaganda.»

Über Beamtentum und Bürokratie: «Ich möchte darlegen, was es bedeutet, in der Schweiz ein komplexes Projekt zu realisieren: Die ersten zwei Jahre betrieb ich Akquisitionen, weil es zuvor mehrere Aktionäre gegeben hatte. Vor zehn Jahren kaufte ich dann die Aktien der Verenahof AG. Damals war ich noch ein junger Mann, fit und frisch. Mittlerweile bin ich fast schon im Pensionsalter. Warum es so lange dauert? Wir sind ein Land, das gesteuert ist von Bürokratie und Beamtentum. Ich stelle derzeit für einen Vortrag eine Liste zusammen mit allen Behörden und potenziellen Einsprechern, mit denen ich zu tun hatte. Es sind bereits vier A4-Seiten zusammengekommen, und ich bin noch nicht fertig. Es beginnt mit der Denkmalpflege und hört mit der Archäologie auf, und dazwischen gibt es unzählige andere Stellen, mit allen muss man einen gemeinsamen Nenner finden. Eigentlich eine traurige Sache!»

Über die Verenahof-Kuppel: «Wir hatten ja nicht wild drauflosgeplant, Mario Botta hat nicht einfach eine Kuppel gezeichnet und dann alle überrascht damit. Diese Kuppel wäre eine intelligente Lösung gewesen, sie hätte die einzelnen Etagen des Gebäudes miteinander verbunden und genügend Platz geschaffen. Die Planung erfolgte in dreijähriger Zusammenarbeit mit der Stadt Baden und mit dem Kanton. Belegt ist dies durch 39 Protokolle. Im Endeffekt wurde uns gesagt: «Ihr dürft die Kuppel zwar schon bauen, aber aber aber.» Hätten wir die Idee weiterverfolgt, wären noch viele weitere «aber» gefolgt, und wir würden wohl im Jahr 3000 noch planen und diskutieren. Die Kuppel-Diskussion war ein harter Brocken, und die Wahrheit ist: Sie kostete uns Millionen Franken an Planungskosten.»

Über Vermarktung: «Die Stadt hätte sich längst Gedanken machen sollen, wie Baden zukünftig ausgerichtet wird, wenn das Bad fertig gebaut ist. Es sollten Ressourcen frei gemacht werden für das Standortmarketing. Baden hat den Namen schliesslich wegen der Quellen. Baden wird sich durch dieses Bad massiv verändern, im positiven Sinn.»

Über die Kooperation mit dem Kanton: «Die Widerstände in den vergangenen Jahren waren gross! Es ging sogar so weit, dass der Kanton die Quellen enteignen wollte. Das tönt heute vielleicht lustig und absurd, aber es kostete die Gesellschaft enorme Beträge für Anwälte, die eigens auf diese Themen spezialisiert sind. Es gibt wenige Spezialisten, sie sind dementsprechend teuer. Ich habe mehrmals Sitzungen erlebt, die von der Gegenseite schlecht oder gar nicht vorbereitet waren.»

Über seine Zukunft: «Ich brauche kein Lob, keine Ehrenbürgerschaft oder was auch immer. In absehbarer Zukunft werde ich die Verantwortung an meine Kollegen von der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach+Baden übergeben. Sie verfügen im nächsten Schritt über wesentlich mehr Know-how als ich. Danach werde ich in Baden wenig zu sehen sein und werde andere Projekte verfolgen. In diesem Zusammenhang überlege ich mir, die Bäder-Memoiren zu schreiben. Sie sollen keine Abrechnung werden, sondern darlegen, welche Einflüsse es bei der Umsetzung eines derartigen Projektes gibt. Ich habe keine schlechten Gefühle, ich bin auch nicht nachtragend, sonst wären wir wohl nie ans Ziel gelangt. Ich habe ein Problem gelöst, und damit hat es sich.»

Cards: Von Glaus zu Botta – Der lange Weg zum neuen Badener Thermalbad