Gebenstorf
Bauknatsch hält den Gemeinderat auf Trab

Trotz fehlender Baubewilligung hat die Firma Kuhn AG aus Niederrohrdorf Anfang Mai mit Abgrabungen auf dem Grundstück am Alten Kirchweg begonnen, worauf der Gemeinderat einen Baustopp erliess. Wenige Tage später folgte die Anlieferung des Krans.

Erna Lang-Jonsdottir
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George Humbel aus Gebenstorf ärgert sich über den deponierten Kran.

George Humbel aus Gebenstorf ärgert sich über den deponierten Kran.

Aargauer Zeitung

Seit Anfang Mai liegt ein Kran der Firma W. Kuhn AG aus Niederrohrdorf auf dem Grundstück am Alten Kirchweg. Dort plant ein Konsortium eine Überbauung mit Mehrfamilienhäusern (siehe weiter unten). Der Kran wurde angeliefert, bevor der Gemeinderat die temporäre Lagerung bewilligt hatte. Damit nicht genug: Beim Transport wurden Rabatten nieder gefahren, ein Hausdach und eine Hausecke beschädigt. Einige Tage bevor der Kran deponiert wurde, grub ein Bagger der Firma Kuhn einen Teil des Grundstücks ab. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Bauherrschaft über keine Baubewilligung.

Gemeinde erteilt Baustopp
«Als wir von den Abgrabungen erfahren hatten, erliessen wir sofort einen Baustopp», erklärt Gemeindeschreiber Stefan Gloor. Gemäss Gesetz dürfe allerdings auf 100 Quadratmetern 80 Zentimeter in die Tiefe gegraben werden. «Somit waren die Abgrabungen zum Zeitpunkt unseres Baustopps nicht bewilligungspflichtig.» Die Bauarbeiter hätten auch erklärt, dass sie nicht weiter abgraben würden. Der Gemeinderat habe jegliche Erd- oder Bauarbeiten verbieten wollen, solange die Baubewilligung nicht erteilt ist.
Mit Baubusse gedroht
Überraschend kam dann die Anlieferung des Krans. «Das Ganze ist ein Missverständnis. Die Gemeinde wusste, dass wir ihn bringen», hält Bruno Kuhn, Geschäftsführer der W. Kuhn AG fest. Anders sieht das Gloor: «Es ist zwar richtig, dass wir das Gesuch für die temporäre Lagerung drei Arbeitstage vor der Transportaktion erhielten.» Mit Befremden habe der Gemeinderat jedoch feststellen müssen, dass die Firma Kuhn den Kran einen Tag vor der Bewilligung deponierte. «Wir haben daraufhin der Bauherrschaft angedroht, bei weiteren Zuwiderhandlungen eine Baubusse zu verfügen oder gegebenenfalls ein Strafverfahren einzuleiten», sagt Gloor.
Dorfstrasse war blockiert
Philipp Merlo, Geschäftsführer der Merlo Architekten und Mitglied des Konsortiums, wollte zu den Vorfällen keine Stellung nehmen. Für Kuhn ist klar, dass er als Mitbesitzer des Grundstücks darauf lagern könne, was er wolle.
«Sofern dadurch keine Beeinträchtigungen entstehen, ist das richtig», stellt Gloor fest. Doch während des Transportes sei die Dorfstrasse erheblich blockiert worden. «Hinzu kommen die durch den Transport beschädigten Häuser und Rabatten.» Das sei kein cleveres Vorgehen, auch wenn die Schäden im Nachhinein repariert worden seien, fügt Gloor an.
Grünes Lich erteilt
Vor einigen Tagen hat der Regierungsrat den Gestaltungsplan genehmigt und somit dem Bauvorhaben grünes Licht erteilt. «Wir werden der Bauherrschaft Anfang Juni unsere Bewilligung aussprechen», verrät Gloor. Diese werde nach einer 30-tägigen Frist rechtskräftig. Jetzt stelle sich einzig die Frage, was mit dem Kran geschehe, falls innerhalb dieser Frist eine Beschwerde eingehe. «Ich hoffe nicht, dass das Vorhaben weiter verzögert wird», sagt Gloor.
Verkaufstafel musste weg
Seit drei Jahren wehrt sich George Humbel gegen dieses Bauvorhaben. Er ist Besitzer der Schreinerei und Vermieter von Wohnungen im Küngenwinkel 5, die an das besagte Grundstück grenzen. Humbel ist verärgert über das Vorgehen der Firma Kuhn: «Es eine Frechheit, dass sich die Firma Kuhn über das Gesetz hinweg setzt.» Auch seine Mieter und die Mieter an der Dorfstrasse 25 seien verärgert. «Kuhn hat trotz Bauverbot versucht, eine Verkaufstafel direkt vor den Fenstern der Mieter im Küngenwinkel zu montieren», so Humbel. Das sei rechtswidrig. Die Gemeinde habe sofort reagiert und das Unterfangen verhindert.
Für Kuhn ist Humbel «ein Querulant», der das Bauvorhaben seit Jahren blockiere. Konsequenzen hat die Angelegenheit für beide Parteien: Humbel hat bereits einen Mieter verloren und Kuhn sechs ungeduldige Käufer.

Bauvorhaben seit drei Jahren blockiert:
Die Bauherrschaft Konsortium «Alter Kirchweg» besteht aus den Firmen Merlo Architekten AG, Gebenstorf, W. Kuhn AG, Niederrohrdorf und Rolf Zünd AG Baden. Auf dem Grundstück am Alten Kirchweg sollen 2 Mehrfamilienhäuser mit 3,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen entstehen. Das Bauvorhaben wird seit drei Jahren durch den Einsprecher George Humbel blockiert. Streitpunkt ist die problematisch Zufahrt zu den geplanten Häusern. Der Entscheid über den Gestaltungsplan lag längere Zeit beim Regierungsrat; dieser wurde nun bewilligt.

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