Baden
Bauleiter am Schulhausplatz: «Jetzt ist Zeit für etwas Neues»

Bauleiter Marcel Voser blickt im Interview auf drei intensive Jahre Bauzeit am Badener Schulhausplatz zurück.

Andreas Fahrländer
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Der neue Schulhausplatz in Baden ist vollendet: Marcel Voser freut sich auf die nächsten Projekte.

Der neue Schulhausplatz in Baden ist vollendet: Marcel Voser freut sich auf die nächsten Projekte.

Sandra Ardizzone

Marcel Voser ist seit dem Herbst 2014 als Gesamtprojektleiter beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt für den Umbau des Badener Schulhausplatzes zuständig. Wir treffen ihn im neuen Café Le Passage in der Cordulapassage. Voser ist hier fast ein wenig zu Hause, er wird von Bekannten und Mitarbeitern angesprochen. Nebenan werden gerade noch neue Sitzbänke montiert, im Hintergrund kreischt eine Trennscheibe, der Platz bekommt den letzten Schliff vor der grossen Eröffnung.

Marcel Voser, drei Jahre lang wurde hier gebaut, am Samstag wird der Schulhausplatz mit einem grossen Fest eröffnet. Ihre Arbeit ist getan. Fahren Sie nun in die grossen Ferien?

Marcel Voser: Nein, ich hatte schon drei Wochen Sommerferien. Jetzt geht es gleich an die nächsten Projekte, etwa die Südwestumfahrung von Brugg, ein grosses Projekt in Bremgarten oder die Badenerstrasse in Fislisbach. Nach so einer langen Zeit ist man auch einmal froh, wenn es vorbei ist. Jetzt ist Zeit für etwas Neues.

Gab es Ärgernisse aus Ihrer Sicht?

Es gab Reklamationen, etwa wegen Lärm bei den Hochdruckarbeiten im Schlossbergtunnel. Wir haben diese sehr ernstgenommen und die Ursache gesucht. Es war für uns klar, dass wir das Bestmögliche tun, um Lärm zu verhindern. Wir haben überhaupt immer versucht, die Baustelle für Fussgänger, Verkehrsteilnehmer und Anwohner so angenehm wie möglich zu gestalten. Aber es gab Arbeiten, die leider lauter waren, als wir geplant hatten. Das war für uns ärgerlich.

Es wird kritisiert, dass die Kosten von rund 100 Millionen Franken für die Sanierung nicht gerechtfertigt seien. Wie sehen Sie das?

Es kommt natürlich darauf an, wen man fragt. Die Investitionssumme ist insofern zu relativieren, als ein grosser Teil davon für ohnehin notwendige Sanierungsarbeiten eingesetzt wurde. Ich habe das Gefühl, der Verkehr rollt bei voller Kapazität gut über den Platz. Und man sieht es: Bei den Fussgängern kommt die Cordulapassage schon sehr gut an. Das wird noch zunehmen, wenn die Tunnelgarage wieder offen ist.

Apropos Tunnelgarage: Ist es ein Wermutstropfen, dass der neue Bustunnel nicht pünktlich zur Eröffnung eingeweiht wird?

Es ist schade, ja. Aber man kennt die Gründe, beim Haus am Schlossberg und bei der RVBW-Bushaltestelle gab es Verzögerungen beim Baustart. Der Bustunnel ist fertig, für Postautos wird er bereits Ende August eröffnet. Die Busse der RVBW fahren ab Frühjahr 2019 durch den Tunnel. Dadurch wird dann die oberirdische Kreuzung zusätzlich entlastet.

15 Stunden dauert das grosse Eröffnungsfest heute Samstag unter dem Motto «Ciao, ciao Piazza Insalata!». Die Kreuzung wird zwar normal befahrbar sein, aber rund um den Platz und in der Cordulapassage gibt es Dutzende Stände, Konzerte und Attraktionen – von 10 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts.

Bemerkenswert ist, dass es in den drei Jahren keine Verletzten gab.

Es hat sich der eine oder andere Arbeiter in den Finger geschnitten, aber grössere Verletzungen gab es keine. Das ist nicht selbstverständlich bei diesem komplexen Bauablauf – und natürlich sehr erfreulich.

Ebenfalls bemerkenswert: Es gab kaum Bauverzögerungen.

Das stimmt, es lief eigentlich alles gut. Ich möchte auch allen Beteiligten herzlich dafür danken. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Kanton und den Unternehmen war hervorragend. Alle haben am gleichen Strick gezogen.

Historische Bilder vom Badener Schulhausplatz:

Badener Schulhausplatz: Historische Bilder
11 Bilder
Verkehr anno 1961: Im Hintergrund sieht man die alte Cordulapost mit dem Bild des abgebrochenen Mellingerturms. Rechts daneben der legendäre Lebensmittelladen Moneta. Die beiden Häuser wurden 1984 durch die neue «Porta Moneta» ersetzt.
Mit dem Velo über Mittag nach Hause: BBC-Mitarbeiter an der Barriere. Die Velokolonnen stauten sich manchmal von der Badstrasse durch die ganze Altstadt bis zur Barriere am Schulhausplatz.
So sah es am Platz im Juli 1814 aus. Der Abbruch des «Mellingerturms», des Oberen Tors am Cordulaplatz (damals hiess er noch Paradiesplatz), wurde 1874 wie ein Fest gefeiert. Der Durchbruch sollte Luft und Licht in die Altstadtgassen bringen.
Der Bahnwärter hat ausgedient: Im September 1961 wurde die «Bahnverlegung» vollzogen, zumindest von der Eisenbahn war der Schulhausplatz befreit. Sie fuhr ab dann durch den grossen Bahntunnel.
Verstopfte Weite Gasse im Jahr 1960 mit Velo- und Buskolonnen. Das abgebrannte Restaurant Glas erlaubt die Datierung. Am oberen Bildrand das Schulhaus, das dem Platz seinen Namen gab.
Ein letztes Mal fällt die Falkenbarriere: Die Bahn brachte Wohlstand und Arbeitsplätze nach Baden. Aber auch viele Stunden mühsamen Wartens. Die Erleichterung war deshalb gross, als von 1957 bis 1965 der «neue» Schulhausplatz gebaut wurde.
Der Tunnelbogen des alten Bahntunnels steht noch, der Strassentunnel durch den Schlossberg ist schon betoniert. Der Ennetbadener Fotograf Werner Nefflen kam 1962 gerade noch rechtzeitig, um diesen denkwürdigen Augenblick festzuhalten. Rechts montiert ein Arbeiter die Sprengladung.
Als es in der Altstadt noch Handwerker gab: Der Sattler Mühlebach hatte seine Werkstatt in der Weiten Gasse und arbeitete gerne draussen. Hier zusammen mit den Pferden der Brauerei Müller am Schulhausplatz.
Das Brauerei-Gasthaus Falken gab der Barriere ihren Namen. Das Hotel musste schon 1957 weichen. Die 1850 erbaute Brauerei wurde erst 2004 durch den Neubau ersetzt, in dem sich heute das Bezirksgericht befindet.
So sah es vor der Bahnverlegung aus: Durch den engen Schlossbergtunnel fuhr seit 1847 die Spanischbrötlibahn nach Zürich. Die Häuser vor dem Cordulaplatz wurden beim Bau des Strassentunnels abgerissen.

Badener Schulhausplatz: Historische Bilder

Sammlung Sepp Schmid

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie den neuen Schulhausplatz jetzt so vor sich sehen?

Man ist stolz, wenn man sieht, was man bewegen konnte. Es war nicht immer ganz einfach, vor allem am Anfang gab es Ängste wegen des Verkehrsablaufs oder wegen der Emissionen. Es war ein grosser Aufwand. Aber ich glaube, die Baustelle fand eine gute Akzeptanz in der Bevölkerung.

Gibt es etwas, worauf Sie besonders stolz sind?

Ich finde es super, wie der Platz hier vor der Cordulapassage und auch die Passage selbst aussehen. Dass das jetzt wirklich so freundlich und hell wirkt, hätte ich im Voraus auch nicht gedacht. Es ist fast unglaublich, wie grosszügig die Passage geworden ist.

Wir sitzen hier unter dem «Stack», der Gummisäule des Künstlers Kilian Rüthemann. Wie gefällt Ihnen die Kunst am Bau?

Ich hätte hier vielleicht etwas anderes aufgestellt, das mir besser gefallen würde. Aber Kunst ist immer eine Sache, die nicht allen gleich gut gefällt. Es gibt auch Van-Gogh-Gemälde, die ich nicht unbedingt schön finde.

Sie wohnen im Fricktal. Ist Ihnen die Stadt Baden in den letzten vier Jahren ans Herz gewachsen?

Meine Verbundenheit zu Baden war bisher schon sehr stark. Mein Heimatort ist Neuenhof, meine Mutter ist im Meierhof aufgewachsen. Ich war schon als Kind oft bei den Verwandten in Baden, auch an der Fasnacht oder an anderen grossen Anlässen. Ich bin stolz darauf, dass ich den Umbau als Gesamtprojektleiter führen durfte. Auch weil ich die Entwicklung dieses Platzes in den letzten Jahrzehnten gut kenne.

Was war für Sie die schlimmste Überraschung in der Bauzeit?

Es klingt etwas makaber, aber das waren die menschlichen Überreste, die wir gefunden haben. Wir wussten im ersten Moment nicht, woher sie kamen und sind erschrocken. Am Schulhausplatz stand früher das Kapuzinerkloster. Es war dann schnell klar, dass die Knochen daher stammen.

Und die schönste Überraschung?

Als wir die Testfahrt mit den RVBW und Postauto durch den Bustunnel gemacht haben. Das Postauto hat extra das Posthorn installiert und gehupt, als es aus dem Tunnel fuhr. Das war ein sehr schöner Moment. Und natürlich auch die Badenfahrt. Es war toll, wie die Baustelle integriert wurde ins Fest.

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