Baden
BBC wird 125 - Museum widmet der Firma neue Ausstellung

Die wichtigste Firma der Stadt wird 125 – das Historische Museum zeigt die besten Fotos, Videos und Exponate.

Pirmin Kramer
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Museumsleiterin Carol Nater Cartier und Kurator Jürg Spichiger vor einem BBC-Erfolgsprodukt, dem Turbolader. Fotos: Chris Iseli

Museumsleiterin Carol Nater Cartier und Kurator Jürg Spichiger vor einem BBC-Erfolgsprodukt, dem Turbolader. Fotos: Chris Iseli

Chris Iseli

Die Firma BBC/ABB feiert dieses Jahr ihr 125-Jahr-Jubiläum – das Historische Museum zeigt zum Jubiläum eine Sonderausstellung. Sie trägt den Namen «IndustrieStadt», Museumsleiterin Carol Nater Cartier erklärt: «Die Stadt und der Weltkonzern waren jahrzehntelang eng miteinander verbunden und prägten sich gegenseitig. Wir versuchen mit der Ausstellung, der Frage nach den Beziehungsarten zwischen Stadt und Firma nachzugehen, zu untersuchen, inwiefern sie sich gegenseitig beeinflussten.»

125 JAHRE BBC/ABB

1891 gründeten Charles Brown und Walter Boveri die BBC in Baden. Das Unternehmen entwickelte sich zum Weltkonzern. Seit 1988 und der Fusion mit dem schwedischen Konzern Asea heisst die Firma ABB. Das «Badener Tagblatt» berichtet zum Jubiläum mit einer mehrteiligen Serie.

Dem Besucher der Sonderausstellung wird die BBC auf zwei Arten vorgestellt. Erstens wirft sie einen Blick nach innen, taucht tief in die Welt der verbotenen Stadt ein, wie das abgesperrte Areal im Haselfeld genannt wurde. Fotos, Videos, Tondokumente und Exponate zeigen, wie die Arbeiter und Angestellten, deren Angehörige und die BBC-Chefs lebten beziehungsweise die Firma erlebten. Ein Beispiel: Die Museumsmacher haben den Bericht einer Frau aus der BBC-Hauszeitung vertont, deren Ehemann als Monteur oft im Ausland war. Sie berichtet eindrücklich, wie selten sie ihren Gatten in 25 Ehejahren zu Gesicht bekam; er war quasi auch mit der BBC verheiratet. Gleichzeitig wird aus ihren Schilderungen klar, dass es auch etwas Besonderes sei, mit einem Mann verheiratet zu sein, der für die Weltfirma arbeiten durfte. Und natürlich kommt auch Ex-BBC-Chef Edwin Somm zu Wort, der die Firma in den turbulenten 80er-Jahren führte, als die Fusion mit Asea zur heutigen ABB zustande kam.

Verliert er die Wette, hält er eine Brandrede

Starkorrespondent Werner van Gent will 70 Nationen ins Museum locken

Die Museumsmacher haben den aus TV und Radio bekannten Nahostkorrespondenten
Werner van Gent für eine Wette gewinnen können. Er wurde in den Niederlanden geboren, seine Eltern zogen 1972 nach Wettingen, weil der Vater eine Stelle bei der BBC erhielt. Er wettet, dass es dem Museum gelingt, während der Laufzeit der Sonderausstellung 70 der 109 in Baden gemeldeten Nationen ins Museum zu holen.

Sollte er verlieren, wird er vor dem Museum eine Brandrede gegen alle Nationen halten, von denen kein Vertreter im Museum aufgetaucht ist. Die erste Person aus dem jeweiligen Land erhält einen Gratis-Eintritt. Die Wette, organisiert in Zusammenarbeit mit der Badener Fachstelle Integration, soll den multikulturellen Mix aufzeigen, der bis heute ein Markenzeichen der Stadt sei. Dies vor allem, weil die BBC in ihrer 125-jährigen Geschichte Arbeiter aus unzähligen Ländern nach Baden lockte. (PKR)

BBC-Werke von Malern und Dichtern

Neben diesem Blick ins BBC-Innere zeigt die Ausstellung zweitens, wie die Firma von aussen wahrgenommen wurde. In den 1970er-Jahren beispielsweise befassten sich Maler, Künstler und Dichter mit der BBC, die Resultate sind nun im Melonenschnitz-Museum ausgestellt.

Zu diesem Aussenblick passt, dass als Kurator ein Auswärtiger engagiert wurde – der Berner Jürg Spichiger. «Während meiner Zeit hier in Baden ist mir aufgefallen, dass der Name BBC beziehungsweise ABB eine ungeheure Kraft hat. Die Firma weckt grosse Emotionen. Diese Emotionen versuchen wir im Museum auf die Besucher zu übertragen.»

Emotionen wecken insbesondere die Erzählungen von Menschen, die einst für die BBC ihre Heimat verlassen haben. Die Firma rekrutierte ihre Arbeitskräfte in der ganzen Welt, viele von ihnen sind bis heute in Baden geblieben. Sie erzählen von ihren Beziehungen zu Firma und Stadt, von Arbeit und Familie.

Das Museum hat sich gemäss eigenen Aussagen zum Ziel gesetzt, mit der BBC-Sonderausstellung nicht weniger als «ein neues Stück Regionalgeschichte» zu schreiben. Unbescheiden hatte das Museum bereits für die Dauerausstellung im Untergeschoss geworben, welche die Geschichte Badens auf «aussergewöhnliche Weise neu erzählt» und parallel zur Sonderausstellung nach wie vor zu sehen ist. Erneut lässt sich nach einem Besuch feststellen, dass die hohen Erwartungen erfüllt werden. Sowohl BBC-Nostalgiker als auch Besucher, die kaum etwas über die Firma wissen, kommen in der Sonderausstellung auf ihre Kosten. Nicht zuletzt, weil man Erinnerungen nach Hause nehmen darf: Das Museum liess eine 35 Seiten dicke Extrazeitung drucken, welche die BBC-Geschichte Jahr für Jahr wiedergibt und mit eindrücklichen Fotos bebildert.

Sonderausstellung: «IndustrieStadt» im Historischen Museum Baden, Wettingerstrasse 2.
Dauer: Bis 12. März 2017.

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