Der Regen peitschte über die Stufen, die steil zur Ruine Stein hinaufführen. Die traditionelle, vom Freundeskreis der besinnlichen Lichter organisierte Cherzliaktion schien sprichwörtlich ins Wasser zu fallen.

Doch das Team trotze dem Wetter und schmückte dem rund 30-jährigen Badener Brauch gemäss in stundenlanger Freiwilligen-Arbeit alle Treppen und Mauervorsprünge mit 1500 Rechaudkerzen.

Die Besucher strömten nicht so zahlreich herbei wie in den vergangenen Jahren. Umso beschäftigter waren die Anwesenden, sämtliche Dochte mit langen Osternachtskerzen oder Feuerzeugen zum Brennen zu bringen.

Selten erlebt man eine so andächtige, friedvolle und doch heitere Stimmung.

Wenn Lichter wegen des Regens erloschen, fing man geduldig von vorne an mit Anzünden.

Just als um 18 Uhr sämtliche elektrischen Lichter auf der Ruine gelöscht wurden, schloss Petrus seine Schleusen für einen Moment.

Da entfaltete das bis zum Wachturm hinaufführende Kerzenmeer seine ganze Pracht.

Die Silhouetten der Bäume wirkten geheimnisvoll und beim Herunterschauen bot sich ein traumhafter Blick auf Baden.

In der Sankt-Nikolaus-Kapelle erzählte derweil Lucienne Eichenberger aus Birmenstorf Geschichten. Dazwischen spielte Nando Betschart aus Wil (SG) auf seinem Akkordeon sehnsuchtserweckende Klänge.

Kollekte für Alleinerziehende

Hinter dem Suppen-, Punsch- und Glühweinstand, an dem sich alle unentgeltlich verköstigen konnten, brannte das Friedenslicht von Bethlehem, das jedes Jahr von Israel in die ganze Welt hinausgetragen wird.

Die in Ennetbaden zugezogene Familie Marion Eichbaum und Dani Aschoff mit Sohn Ferdinand hatten eine Laterne mitgebracht: «Wir bringen die symbolträchtige Flamme zu unserer betagten Nachbarin, die es wegen ihrer körperlichen Gebrechen nicht mehr auf die Ruine Stein schafft», erklärte Aschoff.

Die alleinstehende Ruth Rufer aus Wettingen zeigte sich gerührt: «Die Cherzliaktion ist eine wunderschöne Initiative, um an Weihnachten nicht einsam zu sein, sondern gemeinsam etwas zu unternehmen.»

Sie hatte im Vorfeld mit angepackt beim Verteilen der Kerzen. Der Badener Samuel Streiff kam mit Sohn Basil und meinte: «In der Festzeit sitzt man viel herum und es tut gut, frische Luft zu schnappen. Die Cherzliaktion ist für uns eindeutig das Highlight des zweiten Weihnachtsfeiertages.»

Wie jedes Jahr gab es eine Topfkollekte. Dieses Jahr geht sie an die IG Alleinerziehende Baden.