Wenn Patrizia Bertschi den Drehpunkt Baden betritt, wird sie von allen Anwesenden herzlich begrüsst. Sie ist Mitglied des Drehpunkt-Teams. Der Drehpunkt, den es bereits in Aarau gibt, ist ein Projekt des Vereins Netzwerk Asyl Aargau. Diesen Mai eröffnete auch ein Standort in Baden. Morgen Samstag findet der Tag der offenen Tür statt.

Herzstück ist der «Kleiderschrank», welcher auch zwei Drittel des Platzes im 2. Stock oberhalb des ehemaligen Clubs Kiste, heute Gate 54, in Anspruch nimmt. Der «Kleiderschrank» ist ein Secondhandladen für Kleider, Spielsachen und Haushaltsgegenstände. Das Angebot richtet sich an Flüchtlinge, einkaufen können dort aber auch Einheimische. Ausserdem stehen zwei weitere Räume zur Verfügung. Dort findet Deutschunterricht für Mütter mit Kleinkindern statt und pensionierte Lehrer geben Nachhilfe in Mathe. Ausserdem lernen eritreische Kinder Tigrinya, die Sprache ihrer Heimat, lesen und schreiben und es gibt einen Lernraum für Lernende aus dem Asylbereich.

Reden mit Händen und Füssen

Doch der Drehpunkt Baden ist auch eine Begegnungszone. Die Leute treffen sich hier, machen Spiele oder reden. Ute Cavelti und Sanja Samardzija sind für den «Kleiderschrank» zuständig. Dieser hat dreimal die Woche geöffnet. «Manchmal kommen mehr, manchmal weniger Leute», erzählt Samardzija. Sich zu unterhalten sei meistens kein Problem. «Wir kommunizieren schon mal mit Händen und Füssen», sagt Samardzija und schmunzelt. Ute Cavelti schätzt das Zusammensein: «Die Menschen hier mussten viele schlimme Dinge erleben, hier können sie fröhlich und ausgelassen sein. Wir machen auch oft Witze und lachen viel.» Ziel des «Kleiderschranks» ist es, Flüchtlinge miteinzubeziehen. Anwesende helfen zum Beispiel mit, wenn jemand das erste Mal hier ist und etwas im «Kleiderschrank» sucht. So auch Fadime. Die junge Frau aus der Türkei ist glücklich über ihre Tätigkeit. Sie sei eine Zeit lang sehr isoliert gewesen, nun begegne sie hier vielen Leuten, erzählt sie. Patrizia Bertschi ist sehr dankbar für die Lokalität, nahe am Banhof Baden: «Wir müssen nicht immer alles wegräumen, wenn der «Kleiderschrank» schliesst, so wie das an anderen Orten, an denen Secondhandkleidung verkauft wird, der Fall ist.» Mitfinanziert wird die Miete von der katholische Kirchenpflege Baden/Ennetbaden.

Der Secondhandshop wirkt etwas improvisiert, auch die Einrichtung ist aus zweiter Hand: Die Kleiderstangen sind alte Besenstiele, die an Schnüren an den Deckenlamellen hängen. Einige Lammelen biegen sich wegen der Kleidung durch. Dies scheint die Anwesenden wenig zu stören. Eine Frau hat einen passenden Pulli gefunden und verlässt zufrieden lächelnd den Laden.

Tag der offenen Tür: Samstag, 13 Uhr bis 16 Uhr. Drehpunkt Baden, Zürcherstrasse 1.