Baden
Begeisterung für Jürg Bohn und sein "Bruno im Glück"

Die zauberhafte Erzählung feierte Premiere im "Thik". Der Schauspieler entführte mit viel Flair für liebevolle Details in die hinreissende Welt eines Estrichs.

Rosmarie Mehlin
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Jürg Bohn begeisterte das Badener Publikum

Jürg Bohn begeisterte das Badener Publikum

Rosmarie Mehlin
Bruno im Glück Begeisterung für Jürg Bohn und sein «Bruno im Glück» an der Premiere im Thik

Bruno im Glück Begeisterung für Jürg Bohn und sein «Bruno im Glück» an der Premiere im Thik

Rosmarie Mehlin

Das Stück sei «für alle ab 6 Jahren». Mit einem zigfachen an Jährchen auf dem Buckel sitze ich schmunzelnd, staunend, lachend mitten drin und erlebe «Bruno im Glück». Der Bruno, der ist zwar auch schon Grossvater, aber die Geschichte, die er erzählt, handelt von damals, als er noch Kind war und oft bei seinen Grosseltern zu Besuch. Der Grosspapa war ein Tüftler, der zum Beispiel aus zwei Geräten einen Toast-Hawaii-Toaster zusammenbaute; die Grossmama war eine supergute Köchin, welche die beste Erdbeer-Konfi überhaupt fabrizierte.
Seit 20 Jahren wird aus dem Schauspieler Jürg Bohn regelmässig der Bruno, der Geschichten erzählt. Mal ist sein Bruno Briefträger, mal Schulhaus-Abwart, mal städtischer Spielplatz-Aufseher und seit Neustem ist Bruno nun Enkel, der für seine Grossmama regelmässig Konfi-Gläser vom Estrich herunterholen muss. Wer je schon mal auf einem Estrich war weiss, dass es dort oben ganz schön aufregend sein kann. Besonders wenn das Haus alt ist, der Kamin vom Kachelofen direkt durch den Estrich führt und nur eine einzige Glühbirne dort Licht spendet.

Da sitze ich nun im Publikum realisiere plötzlich, dass mein Mund weit offen steht: Ich habe völlig vergessen, ihn zu schliessen. Allzu spannend ist, was Bruno auf dem Estrich alles erlebt, was er nebst den Konfigläsern noch alles findet, wer ihm begegnet, wie dick die Russ-Schicht ist, die sich wegen dem nicht mehr ganz dichten Kamin-Türchen angesammelt hat.
Paul Steinmann hat Regie geführt und den Text zu der zauberhaften Geschichte geschrieben. Zauber steckt aber nicht nur in Brunos Erlebnissen, sondern auch in deren theatralischer Umsetzung: Weiss in das Schwarz des Russes, mitunter auch bunt in Brunos Fantasie, werden reizende Illustrationen (Anna Deér) mittels Projektionen gezeichnet: Da steht plötzlich ein Schrank und verschwindet wieder, dort schleicht ein Marder, faucht eine Katze. Ein geheimnisvolles, stummes Mädchen taucht auf, zeichnet seinen Namen «Andrina» in den Russ, der Estrich verwandelt sich mal in lauter Erdbeeren und unverhofft in einen Fantasie-Urwald...
Mit ansteckender Begeisterung fürs Erzählen und viel Flair für liebevolle Details, entführt Schauspieler Bohn – hinter den Kulissen grossartig unterstützt von einem vielseitigen Team – kleine und grosse Zuschauer in die hinreissende Estrichwelt; dorthin, wo Bruno im Glück ist. Und mit ihm das Publikum.