Baden

Begleiter sorgen für Zucht und Ordnung

Jürg Nyffenegger (l.) und Buschauffeur Karl Meier hoffen, dass sich die Zustände in den Bussen dank Begleitern bessern.

Jürg Nyffenegger (l.) und Buschauffeur Karl Meier hoffen, dass sich die Zustände in den Bussen dank Begleitern bessern.

Bald weisen Schüler in RVBW- und Postbussen Fahrgäste bei schlechtem Verhalten zurecht. In deutschen Städten feiert dieses Idee seit Jahren grosse Erfolge.

Füsse auf der Sitzbank, Abfall auf dem Boden, aufgeschlitzte Polster, blockierte Türen oder Chauffeure, die von Fahrgästen beschimpft werden: Solche Missstände hätten auf Busfahrten in den letzten Jahren stark zugenommen, sagt Jürg Nyffenegger, Lehrer im Integrationsprogramm an der kantonalen Schule für Berufsbildung (KSB; siehe Box).

Nyffenegger weiss, wovon er spricht, gibt er Chauffeuren doch seit 15 Jahren Kurse im Umgang mit schwierigen Fahrgästen. Buschauffeure seien sehr oft als unfreundlich verschrien, so Nyffenegger. «Doch sie müssen auch viel einstecken.» Kürzlich habe ein Chauffeur nochmals die Türe für eine heraneilende Person geöffnet, worauf ein Fahrgast ausgerufen habe: «Fahr doch endlich ab, du A...»

Unhöflichkeit und Sachbeschädigung in Bussen müssten bekämpft werden, ist Nyffenegger überzeugt. «Denn sie stören nicht nur den Busbetrieb. Sie führen auch zu erheblichen Kosten, was sich wiederum auf die Fahrtarife auswirkt.» Das Hauptproblem ortet Nyffenegger nicht bei den Verursachern selbst, sondern in der Tatsache, «dass niemand mehr hinschaut oder interveniert, wenn etwas vorfällt».

In Deutschland bereits ein Erfolg

Die Lösung des Problems sind jugendliche Begleiter, die im Bus diese Aufsichtsfunktion wieder wahrnehmen. Die Idee stammt nicht von Nyffenegger selbst, sondern wird in den deutschen Städten Nürnberg und Bochum schon seit Jahren mit Erfolg umgesetzt.

Zuerst galt es also, genügend freiwillige Busbegleiter an der KSB zu finden – kein Problem, wie sich herausstellen sollte. «Auf unseren Aufruf hin meldeten sich 22 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 16 und 18 Jahren», sagt Nyffenegger. Gleichzeitig konnte die KSB die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) und die Postauto Nordschweiz AG für das Unterfangen gewinnen. Diese stellten auch ihre Instruktoren für die Ausbildung der Busbegleiter zur Verfügung.

Die dreitägige Ausbildung hatte vor allem die richtige Kommunikation zum Inhalt. Etwa: «Entschuldigung, findest du das gut, den Abfall einfach auf den Boden zu werfen? Das verursacht dem Personal mehr Arbeit.» Dabei stünden nicht nur Jugendliche im Fokus, sondern manchmal auch Erwachsene. So habe Nyffenegger erlebt, wie sich eine Lehrerin schützend vor ihre Schüler gestellt habe, nachdem diese Abfall im Bus verstreut hätten. «Das kann der Chauffeur aufputzen; er ist bezahlt dafür», so ihre Begründung.

Polizei rufen, wenn Gefahr droht

Die Busbegleiter sollen aber nicht in jedem Fall eingreifen. «Wenn Gewalt oder gar der Einsatz von Waffen drohen, alarmieren sie unverzüglich die Polizei.» Nyffenegger erhofft sich alleine durch die Anwesenheit der Begleiter eine präventive Wirkung. «Wenn man vor den Augen aller getadelt wird, ist das jedem peinlich.» Zudem würden sich oft andere Fahrgäste einschalten, wenn der Fehlbare einmal angesprochen worden sei.

Und was ist der Nutzen für die Begleiter, zumal sie für ihren Dienst keine Entschädigung erhalten? «Die Schüler stärken ihre Sozialkompetenz und ihre Kommunikation. Dadurch erarbeiten sie sich Vorteile bei der Lehrstellensuche.»

In einer Woche erhalten die 22 Schüler ihren Ausweis, der sie als Busbegleiter auszeichnet. Nyffenegger: «Sollten sich die Begleiter bewähren, wäre es denkbar, das Konzept auf den Busbetrieb in Aarau und auf Zugfahrten auszuweiten.»

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