Wettingen

Behinderte in Rente: Die Stiftung Arwo braucht mehr Plätze

Visualisierung des geplanten Wohnheims Wynere. Es wird vorerst nicht gebaut.

Visualisierung des geplanten Wohnheims Wynere. Es wird vorerst nicht gebaut.

Auch Menschen mit einer Behinderung kommen ins Pensionsalter. Bei der Arwo Stiftung Wettingen macht man sich Gedanken über deren Zukunft. Laut Geschäftsführer Roland Meier braucht es zusätzliche Plätze.

Die Bevölkerung wird immer älter, das gilt auch für Menschen mit Behinderung. Diese hatten früher meist eine geringe Lebenserwartung. Während sie bisher oft bei ihren Eltern lebten und von diesen betreut wurden, ist dies heute in vielen Fällen nicht mehr möglich, weil die Eltern vor ihrem behinderten Kind sterben.

Es braucht also eine Betreuungsstruktur für diese Menschen. «Das ist unser zentrales Thema für die Zukunft, wir brauchen spezielle Pflegeplätze», sagt Roland Meier, Geschäftsführer der Arwo, Stiftung für Menschen mit Beeinträchtigung. Er sieht es als Pflicht an, sich dieser Thematik anzunehmen: «Wir können die Leute nach der Pensionierung nicht einfach auf die Strasse stellen.»

Meier geht davon aus, dass es im Aargau zwei bis drei Institutionen braucht, die sich um Menschen mit einer starken Behinderung kümmern, die altersbedingt auf zusätzliche Pflege und Betreuung angewiesen sind. «Das müssen wir jetzt vorbereiten, wir können nicht erst dann aktiv werden, wenn die Leute da sind.»

Meier stellt sich vor, dass die Arwo künftig eng mit Organisationen wie dem Regionalen Pflegezentrum Baden (RPB) zusammenarbeitet. Deshalb haben Roland Meier und Hans Schwendeler, Direktor des RPB, ein informelles Gespräch geführt: «Wir müssen unser Fachwissen zusammenlegen, um eine gute Lösung zu finden», sagt Meier.

Die Behinderten sollen so lange wie möglich selbstständig wohnen und aktiv bleiben. Die Pflege soll nach Bedarf, mit zunehmendem Alter oder Krankheitsgrad, erhöht werden. Je nach Behinderungsgrad ist diese sehr aufwendig. Die Arwo verfügt heute schon über eine spezialisierte Abteilung für Schwerstbehinderte und hat in diesem Bereich viel Erfahrung. «Es bietet sich deshalb an, dass wir die Leute auch im Alter weiterbetreuen und nicht in ein Pflegheim abschieben, das nicht auf Behinderte spezialisiert ist.»

Im August gibts Sparvorschläge

Mit dem Wohnheim Wynere wollte die Arwo einen grossen Schritt hin zur Pflege für ältere Menschen machen. Dazu war bis 2018 ein Neubau geplant (siehe Box). Für die Leitung der Arwo war das Wohnheim auch eine Art Pilotprojekt. Doch nun ist das Projekt auf Eis gelegt. «Vertreter des Bildungsdepartements haben uns mitgeteilt, dass Neubauten im Behindertenwesen nicht weiter verfolgt werden dürfen», sagt Meier.

Simone Strub, Leiterin Kommunikation des kantonalen Departements für Bildung, Kultur und Sport präzisiert: «Definitiv ist noch nichts entschieden.» Ein Bau-Moratorium bei den Heimen und Werkstätten sei Bestandteil des laufenden Budgetprozesses. Der Regierungsrat werde dem Grossen Rat Ende August eine Botschaft zum Budget mit den Entlastungsmassnahmen unterbreiten. Erst danach können konkrete Aussagen gemacht werden.

Meier zeigt Verständnis für die Sparanstrengungen des Kantons: «Wir sind bereit, einen Beitrag zu leisten, hoffen aber im Gegenzug, dass der Kanton beim Wohnheim Wynere eine Ausnahme macht.» In der Arwo gehen monatlich zwei bis drei dringende Anfragen für einen Wohnplatz für Schwerstbehinderte ein.

Die Anfragen kommen von Angehörigen, Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden, Sozialdiensten aber auch von Klienten oder Kliniken. Mit einem ganz neuen Angebot hat die Arwo auf diese demografische Entwicklung reagiert: Sie wird in einen Wohnneubau der Gemeinnützigen Gesellschaft Wettingen (GGW) im Langäcker einziehen.

Die GGW und Pro Familia Baden erstellen dort eine Siedlung mit 83 Wohnungen. «Wir richten dort Gemeinschaftsräume für unsere pensionierten Klienten ein», sagt Meier. Solche spezifisch auf die Bedürfnisse von pensionierten Behinderten ausgerichtete Angebote gibt es bisher kaum.

«Ihnen wollen wir damit eine Tagesstruktur anbieten», sagt Meier. Er denkt dabei beispielsweise an Kurse: Die Klienten werden wie in ihren angestammten Wohnungen leben und für die Aktivitäten in die neue Anlage im Langäcker gehen. Neben diesen Gemeinschaftsräumen wird die Arwo in einem Haus der Pro Familia zwei Wohngruppen einrichten.

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