Kleinregionales Zentrum
Bei 7000 Einwohnern soll in Mellingen Schluss sein

Mellingen, wo willst du hin? Klar ist: Das Städtli soll sich als kleinregionales Zentrum für die umliegenden Gemeinden weiterentwickeln, aber von seiner Art her nicht zu einer Grösse wie Baden oder Spreitenbach heranwachsen – dabei hängen viele Vorhaben von der Umfahrung ab.

Sabina Galbiati
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Gemeinderätin Mirjam Egloff zeigt auf dem Zonenplan im Ratssaal, wo die künftigen Einkaufszonen gefördert werden.

Gemeinderätin Mirjam Egloff zeigt auf dem Zonenplan im Ratssaal, wo die künftigen Einkaufszonen gefördert werden.

Sabina Galbiati

Quo vadis – wo willst du hin, Mellingen? Wer dies wissen möchte, findet die Antwort in der neuen Nutzungsplanung des Städtlis. Diese liegt noch bis zum 17. November bei der Bauverwaltung der Gemeinde öffentlich auf. Sobald sie in Kraft tritt, gilt sie für die nächsten rund 15 Jahre.

In enger Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Planer AG für Raumentwicklung aus Zürich hat die Planungskommission unter Leitung von Gemeinderätin Mirjam Egloff (FDP) die Unterlagen für den Gemeinderat vorbereitet.

Die eingangs gestellte Frage haben Gemeinderat, Planungskommission und Planungsbüro zuerst mit dem Entwicklungskonzept «Vision 2035+» beantwortet. Dieses bildet eine wesentliche Grundlage für die neue Nutzungsplanung und blickt, wie der Name schon sagt, über den Zeithorizont von 15 Jahren hinaus.

Die «Vision 2035+» formuliert die Ziele: Wie viele Einwohner Mellingen dereinst haben oder wie sich das Reussstädtchen wirtschaftlich weiterentwickeln soll.

Kein Baden oder Spreitenbach

Demnach hat Mellingen Potenzial für 7000 Einwohner – gut 1700 mehr als heute. «Das Städtli soll sich als kleinregionales Zentrum für die umliegenden Gemeinden weiterentwickeln, aber von seiner Art her nicht zu einer Grösse wie Baden oder Spreitenbach heranwachsen», sagt Gemeinderätin Mirjam Egloff.

«Wir wollen die Altstadt stärken und aufwerten und die Birrfeldstrasse zu einer attraktiven ‹Einkaufsmeile› entwickeln», sagt sie.

Der Charakter als Städtli sei aber zentral. «Wir wollen keine Gemeinde werden, in der sich die Menschen in der Anonymität verlieren.» Die angepeilten 7000 Einwohner seien deshalb als Obergrenze zu verstehen und nicht etwa als angestrebtes Ziel, das in 15 oder 20 Jahren nach oben korrigiert werden solle.

Die Nutzungsplanung legt fest, wie diese Ziele schrittweise umgesetzt werden können. Sie reagiert auch auf den Wunsch der Menschen nach mehr Wohnraum pro Person und auf die demografische Entwicklung einer Bevölkerung, die immer älter wird.

48 neue Wohnungen pro Jahr

Laut Planungsbericht muss Mellingen um gut 730 Wohnungen bis 2030 oder rund 48 Wohnungen pro Jahr wachsen (Stand 2011 mit 2100 Wohnungen). Dieser erhebliche Wohnraumbedarf sei in erster Linie durch die Überbauung heute noch unbebauter Bauzonen sowie Nachverdichtungen zu decken, heisst es im Planungsbericht.

Die dazu nötigen Ein- und Umzonungen von Bauland sind in der revidierten Zonenplanung inklusive Bau- und Nutzungsordnung (BNO) ersichtlich. Auch sie liegt bei der Gemeinde auf. Allerdings stieg laut aktuellsten Zahlen des Kantons bereits bis 2013 die Zahl der Wohnungen um 180 auf 2280.

Dass viele der geplanten Vorhaben vom Bau der Umfahrung Mellingen abhängen, sei man sich bewusst, sagt Egloff. Doch die zwei Umweltverbände VCS und WWF führen immer noch Beschwerde vor Verwaltungsgericht gegen die geplante Umfahrung. Wann die Umfahrung gebaut wird, hängt vom laufenden, gerichtlichen Verfahren ab. «Eine Nutzungsplanung ist aber eine langfristige Angelegenheit. Es spielt also keine Rolle, ob die Umfahrung morgen oder erst in einigen Jahren umgesetzt wird, so oder so wird sie Mellingen verändern, und das müssen wir einkalkulieren.»

Wie viel Arbeit hinter der Revision der Nutzungsplanung steckt, lässt sich anhand von Egloffs Unterlagenstapel nur erahnen: Mehrere dicke Dossiers liegen auf dem grossen Tisch im Ratssaal.

Bereits 2013 wurde ein öffentliches Mitwirkungsverfahren durchgeführt, bei dem sich die Bevölkerung mit Ideen und Anträgen beteiligen konnte. Über 30 solcher Inputs galt es zu prüfen und gegebenenfalls einfliessen zu lassen. «Die Leute sind sehr interessiert. Im Rahmen der öffentlichen Auflage kommen regelmässig Einwohner in die Bauverwaltung und schauen sich die Pläne an».

Egloff zeigt sich realistisch: «Ich gehe davon aus, dass es Einwendungen geben wird», sagt sie. Das sei verständlich und normal, «denn jeder Landbesitzer hat auch eigene Interessen, die er wahren will».

Der Gemeinderat werde die Eingaben anschliessend im Detail studieren und entscheiden. Wo es sinnvoll ist, wird er den Nutzungsplan und die BNO überarbeiten. «Wir hoffen, dass wir ihn an der Sommergmeind 2016 den Bürgern zur Annahme unterbreiten können», sagt Egloff.