«Trotz tiefer Zinsmarge präsentieren wir ein robustes Ergebnis», sagt Federico Hürsch, Leiter der Raiffeisenbank Lägern-Baregg. Die sechs Banken der Region Baden/Brugg konnten im vergangenen Jahr ihre Bilanzsumme um rund 3,8 Prozent auf 5,09 Milliarden Franken steigern. Die tiefen Zinsmargen haben die Banken mit Erträgen in anderen Bereichen und geringeren Mehrkosten kompensieren können. Deshalb stieg der Betriebsertrag auf 75,529 Millionen Franken. «Wir blicken mit Stolz auf das Resultat 2012», betont Federico Hürsch. Obwohl der Bruttogewinn gestiegen ist, sind die Steuerzahlungen um 14,6 Prozent gesunken. Eine der Ursachen ist, dass die Raiffeisenbank Rohrdorferberg-Fislisbach ihr neues Gebäude abschreiben kann.

Übertriebene Immobilienpreise

Die Darlehen an Kunden haben 2012 um 3,3 Prozent auf 4,553 Millionen zugenommen. «Wir schätzen bei Kreditvergaben die Risiken sorgfältig ab», sagt Daniel With, Leiter der Raiffeisenbank Rohrdorferberg-Fislisbach. Raiffeisenbanken fordern mindestens 10 Prozent Eigenmittel für eine Hypothek. «Die Raiffeisenbank Rohrdorferberg-Fislisbach verlangt 20 Prozent», sagt With. Damit wollen sich die Banken für die Zukunft schützen: «Die Immobilienpreise sind übertrieben, deshalb halten wir uns bewusst zurück.» Bereits stellen die Banken fest, dass die Zahl der Baugesuche und damit auch der Kredite zurück geht.

Raiffeisen-Bankleiter Daniel With erklärt das gute 2012

Raiffeisen-Bankleiter Daniel With erklärt das gute 2012

Eine andere Entwicklung zeigt sich im Raum Brugg/Windisch. Für Heinz Jäggi, Raiffeisenbank Wasserschloss, hängt die Bautätigkeit mit dem Bau des Campus der Fachhochschule zusammen. «Bei den Hypotheken belegt Raiffeisen in der Region eine Spitzenposition», betont With. Dies, obwohl die Konkurrenz hart ist und ausserkantonale Banken versuchen, Marktanteile zu gewinnen. «Trotz vermehrter Preisübertreibungen ist der Immobilienmarkt in der Region in Takt», sagt With. «Wir gehen jedoch von einer moderaten Abkühlung aus», ergänzt Hürsch.

Sparer denken an die Vorsorge

Die Sparer bevorzugen eher kurzfristige Laufzeiten», sagt Heinz Jäggi. «Wir stellen auch fest, dass Pensionskassen, Vorsorgekonten und Vorsorgefonds gut genutzt werden.» Teilweise seien auch Kredite zurück bezahlt worden. Insgesamt stiegen die Kundengelder um 161 Millionen Franken auf 4,58 Milliarden Franken.
Das Depotvolumen ist um rund 19 Millionen Franken gesunken. Dies hängt damit zusammen, dass die Kassenobligationen seit 2010 im Sparsegment figurieren.

200 Personen betreuen die Kunden

Betreut werden die Kundinnen und Kunden in der Region durch 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. «Die Raiffeisenbanken gelten als fairer Arbeitgeber», sagt With. Werden Stellen ausgeschrieben, bewerben sich viele aus Süddeutschland: «Dank dem Bolognasystem leben dort viele gut Ausgebildete», sagt Jäggi.

Raiffeisen ist, nach Migros und Coop, die drittgrösste Genossenschaft in der Schweiz. Im Berichtsjahr sind 785 Personen zu einer der sechs Genossenschaften gestossen. Damit ist die Zahl der Genossenschafter auf 54 238 gestiegen. Wie in Genossenschaften gefordert, wird der grösste Teil des Gewinns dem Eigenkapital zugeführt. Damit müssen die Banken die höheren Eigenkapitalforderungen des Bundes erfüllen. Die Mitglieder können von Aktionen profitieren. Eine offeriert der Aargauische Verband der Raiffeisenbanken (AVRB) zum 100-Jahr-Jubiläum.
Eröffnung im Herbst

Die Bauphase geht nicht nur beim Wohnbau zurück, auch die Banken haben ihren Eigenbedarf weitgehend gedeckt. «Wir werden im Herbst das Bankgebäude in Untersiggenthal eröffnen», sagt Beat Morach von der Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen. Am Rohrdorferberg sowie in Brugg und Gebenstorf sind die neuen Anlagen bereits in Betrieb. «Wir haben etwas Dynamik aus unserer Projektierung heraus genommen», sagt Federico Hürsch zum vorgesehenen Bau des Hauptsitzes in Wettingen.

Für 2013 erwarten die Bankleiter einen stabilen Geschäftsgang in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld. Der Gewinn dürfte geringer ausfallen. «Die Finanzbranche ist im Umbruch, daher eröffnen sich neue Chancen», sagt Hürsch.