«Vielfach waschen wir 12 Stunden am Tag ab – oft diskutieren wir dabei oder hören Radio», lachen Erika (57) und Silvan Fischer (61). Der grosse Gehrig-Geschirrspüler ist dabei der einzige Helfer des sympathischen Ehepaars aus Stetten. «Fast alles in unserem Betrieb ist Handarbeit», erklärt Erika Fischer. Je 2500 Suppen- und Salatteller, je 2500 grosse Teller mit Messer und Gabel für den Hauptgang, je 2500 Kaffeetassen mit Untertellern und Löffeli, dazu Pfannen, Fritteusen oder Steamer – bei einem Grossanlass kommt da einiges zusammen. Dann türmen sich die Geschirr-Berge meterhoch in der Waschstrasse des Stetter Familienbetriebs. Wo jede Hausfrau oder jeder Hausmann die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde, behalten die Fischers die Nerven und machen sich ans Werk – Tellerwaschen ist ihr Alltag. «Oft hören wir Sprüche wie ‹Träumst du nicht vom Abwaschen?› oder ‹Wie mängisch hesch da Gäbeli scho abgwäsche?› Doch das Abwaschen ist uns noch nicht verleidet», erzählen Erika und Silvan Fischer.

2'500 Teller

Jetzt, wo landauf, landab die örtlichen Raiffeisenkassen-Chefs zwischen gelben und violetten Primeli-Stöckli und Pflümli-Fläschli die Zahlen der örtlichen Bank dem Publikum verkünden, haben die Fischers Hochsaison. Kaum jemand fragt sich nämlich, woher die 2500 Teller, auf denen der Aargauer Zwetschgenbraten mit Kartoffelstock und glasierten Rüebli serviert werden, stammen. Oft nämlich aus Stetten – von der Firma Bottlang Festmobiliar. Ob grosse Garten-Party, Dorf-Jubiläum mit Festzelt, Geburtstagsfest in der Waldhütte oder Schwingfest – die Fischers beliefern Anlässe und Festivitäten jeder Art und Dimension. «Oft sind es Anlässe mit 200 bis 300 Gästen. Manchmal holt jemand auch nur 20 Teller bei uns.» Auch Party-Services gehören zur Kundschaft. Vielfach steht das Geschirr auch an öffentlichen Anlässen wie dem nordwestschweizerischen Schwingfest in Klingnau oder im August am zehntägigen Badener Stadtfest im Einsatz.

Die beiden Festmobiliar-Profis sind ein eingespieltes Team. Silvan Fischer liefert Hotdog- und Kaffeemaschinen oder gekühlte Salatbuffets auf die Festplätze aus und stellt die Apparate als praktisch versierter Allrounder betriebsfertig auf. Auch Einweg-Geschirr haben die Fischers in ihrem Sortiment. «An einem Fest soll es aber ja meist auch etwas gediegen sein. Aus Plastiktellern essen hat einfach keinen Stil.» Ist das Fest vorbei, beginnt der Abwasch von neuem. «Alles wird sauber gewaschen und in Behälter und Boxen verstaut. Ich merke sofort, wenn etwas nicht stimmt», meint Erika Fischer: «Jedes Gäbeli wird gezählt.»

Die klassische Tellerwäscher-Karriere

Dass die Fischers eine Art Tellerwäscher-Karriere machten, war Zufall. «Ich holte für ein Fest des Seilzieh-Clubs Stetten Geschirr und Besteck bei unserem Vorgänger», erinnert sich Silvan Fischer. «Da hörte ich, dass das Geschäft zu haben sei. Die ehemalige Bäckerei-Verkäuferin und der gelernte Maler kauften das Geschäft und bauten den Festmobiliar-Service zu einem gutgehenden Kleinbetrieb aus. Erika und Silvan Fischer haben den Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut, «auch wenn wir am Anfang schon ins kalte Wasser geworfen wurden. Auf den ersten Blick klingt alles banal und einfach, doch es steckt viel Arbeit und Organisation in unserem Betrieb. Man muss schon anpacken fürs Geld», erklärt Erika Fischer. Der Service mit dem Festmobiliar ist sehr arbeits- und zeitintensiv. «Es gibt kein Wochenende, an dem nicht irgendwo in der Schweiz unser Geschirr im Einsatz it.» Entsprechend ist Silvan Fischer mit seinem Handy auf Pikett. «Oft stehen Laien hinter dem Buffet und benötigen Anweisungen. Manchmal hat auch nur jemand vergessen, die Kaffeemaschine einzustecken.» Ferien gibt es nur an Ostern und Weihnachten. «Dann machen wir oft eine Car-Reise – einfach sein und geniessen.» Ein nächstes Traumziel ist das Nordkap in Norwegen.

Langsam denken Erika und Silvan Fischer an die Übergabe ihres Festmobiliar-Geschäfts an einen interessierten Nachfolger. «Unsere Söhne wollen leider nicht ins Tellerwäscher-Geschäft einsteigen», erklärt Silvan Fischer. «Der eine ist Chefmonteur, der andere hat ein Maurer-Geschäft.» «Ideal wäre ein engagiertes Ehepaar», meint Erika Fischer. Und fügt lachend hinzu: «Sie sollte keine Tussi sein – hier müssen beide anpacken und mitziehen.» Der schnelle Franken lässt sich mit dem Festmobiliar nicht verdienen, dafür ist das Geschäft weitgehend konjunkturunabhängig. «Essen und trinken tun die Leute immer. Und wer lange genug abwäscht, könnte damit vielleicht auch Millionär werden.»