Gemeinsam haben die drei Geschwister Nico, Timo und Livia die Ortec Management AG übernommen. Dabei können sie sich auf ein bewährtes Zusammenarbeitsmodell stützen. In Würenlos haben sie schon gemeinsam den Jugendtreff geleitet und mehrere Skilager organisiert. Nun ist das Familienunternehmen von den Eltern in ihre Hände übergegangen.
Vor 25 Jahren war eine wichtige Phase im Leben von Beat und Gabriela Kunz: «Wir gründeten eine Familie und eröffneten in Killwangen im Haus des Schwiegervaters ein zahntechnisches Labor», erinnert sich Beat Kunz. Der gelernte Zahntechniker konzentrierte sich auf ein Spezialgebiet, «die Kieferorthopädie», Gabriela Kunz übernahm den administrativen Part. Beat Kunz gewann Kunde um Kunde. «Es waren vor allem auf Kieferorthopädie spezialisierte Zahnärzte und Schulzahnkliniken im Raum Zürich.» Bald wurde er zusätzlich an der höheren Fachschule in Zürich als Lehrbeauftragter für Kieferorthopädie tätig.


Ein Fachbuchhandel musste her

Beat Kunz erteilte nicht nur Fachunterricht, bereits nach kurzer Zeit übernahm er im Mandatsverhältnis die Schulleitung. Das Schulsekretariat wurde in Killwangen eingerichtet. Pro Jahr führten sie zwei Kurse mit je 14 bis 20 Schülern durch. Wie an höheren Fachschulen üblich, waren die Fachdozenten Berufsleute, die neben der Unterrichtstätigkeit in ihrem Beruf arbeiteten. «Die Lehrmittel mussten aus Deutschland importiert werden», sagt Beat Kunz. Die logische Konsequenz: In Killwangen wurde ein Fachbuchhandel für zahnmedizinische und zahntechnische Literatur eröffnet. Fast nebenher begannen sie auch Fachkongresse für Zahntechniker und Zahnärzte zu organisieren.


Kochen für die Ortec-Familie

Die Spezialisierung auf Aus- und Weiterbildung nahm in ihrem Leben mehr zu. Ab 2008 gaben sie eines der grössten Fachmagazine für die Schweizer Dentalbranche heraus und gründeten dafür die Firma Teamwork Media Swiss GmbH. In ihr wurde das Verlagswesen, Redaktion, Fachbuchhandel und die Kongressorganisation zusammengefasst.
Wie von Anfang an ist Gabriela Kunz immer dort tätig, wo gerade Not am Mann oder korrekterweise an der Frau ist. «Weil wir Mitarbeiterinnen mit Kindern hatten, organisierte ich einen gemeinsamen Kinderhütedienst», sagt Gabriela Kunz. «So haben ich und die Mitarbeiterinnen Zeit für das Unternehmen gewonnen, wenn die Kinder in der Schule oder im Hütedienst waren.» Das dabei gewonnene Fachwissen kam ihr später bei der Mitorganisation des Familientreffs Würenlos zugute. «Heute führt unsere Mutter auch den Mittagstisch im Betrieb», sagt Sohn Timo. Einmal pro Woche kocht Gabriela Kunz für alle Mitarbeiter. Dann sitzt die ganze Ortec-Familie zusammen.


«Nico hat uns ins Boot geholt»

Als erstes Kind war Nico 2008 ins Unternehmen eingetreten. «Ich fand die Idee gut, selbstständig zu werden.» Von Anfang an betreute er eigene Mandate. Es waren verschiedene Verbände und Organisationen, dannzumal die meisten aus dem Bereich der Zahntechnik, die neu von Killwangen aus verwaltet wurden. Zwei Jahre später stiess Timo und im 2012 Livia Kunz zum Team. Livia Kunz präzisiert: «Nico hat uns ins Boot geholt.» Und Timo anerkennt: «Nico arbeitet lieber mit Familienmitgliedern als mit Fremden zusammen.» Die beiden Jüngeren sind sich bewusst, dass darin auch ein gewisses Risiko liegt, doch: «Unsere Eltern und Nico sind gute Coaches.»


Weil die Jungen eine Chance haben sollen und die Eltern Vertrauen in ihre Kinder haben, wurde in kleinen Schritten der Generationenwechsel im Familienunternehmen eingeleitet. Jetzt ist er vollzogen. Nico, Timo und Livia haben seit Anfang Jahr das Sagen bei der Ortec Management AG. In ihr wurden mittlerweile alle Unternehmensbereiche und Firmen zusammengefasst. Die Geschwister sind zu je einem Drittel am Unternehmen beteiligt. Sie betonen: «Wir sind gleichberechtigte Partner.» Das unterstreichen sie auch mit ihren Arbeitsplätzen, sie sitzen im selben Büro. «So weiss jedes von uns, was gerade wichtig ist», sagt Nico Kunz. Dies ist auch ein Zeichen für den Familiengeist. Eines ihrer längerfristigen privaten Ziele ist denn auch: «Wir wollen wieder einmal zusammen in die Ferien fahren.»


Eltern arbeiten weiter im Betrieb

Gabriela Kunz ist auch nach dem Generationenwechsel bei der Ortec tätig: «Ich bin eine Angestellte meiner Kinder und bleibe, solange meine Unterstützung gewünscht wird.» Beat Kunz hat mittlerweile sein Schwergewicht auf die Qualitätssicherung im Bildungsbereich gelegt. «Für die Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme (SQS) begleite ich als erster freier Auditor Bildungsinstitute im Weiterbildungsbereich.» Und selbstverständlich führt er auch diese Arbeiten als Angestellter der Ortec aus.
In der Zahntechnik wurzelt das Unternehmertum von Beat und Gabriela Kunz. Heute erinnert noch der Name Ortec Management AG daran. Aus dem früheren Firmenname wurde lediglich ein H und ein T (Orthtec) gestrichen. Vor einigen Jahren wurde das zahntechnische Labor verkauft. «Niemand von uns Jungen hätte diesen Geschäftsbereich übernehmen können», sagt Nico Kunz. Er hat ursprünglich eine KV-Lehre absolviert, Timo und Livia sind gelernte Detailhandelsfachleute. «Ich kam als Allrounderin und wurde vom damaligen Praktikanten eingearbeitet», sagt Livia. Jetzt betreut sie das Ortec-Tochterunternehmen ME Medical Education, eine Bildungsinstitution zur Ausbildung von Praxismanagerinnen im Gesundheitswesen.


Unternehmen soll wachsen

Heute werden alle Leistungen für Dritte im Mandatsverhältnis geführt. Das gilt für Berufsverbände ebenso wie für Bildungsinstitutionen oder weitere Non-Profit-Organisationen. Der Unterricht der Weiterbildungsinstitute wie der ME Medical Education finden in der Migros Klubschule Baden statt.


Zur künftigen Entwicklung des Unternehmens sagt Timo Kunz: «Wir wollen langsam, aber stetig wachsen, so wie das bisher der Fall war.» Die technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verlangen, dass auch Berufsverbände und andere Non-Profit-Organisationen (NPO) flexibel bleiben. «Wir entwickeln für NPOs auch mittel- und langfristige Strategien», sagt Nico Kunz. Hier will die Ortec Management eine Vorreiterrolle spielen. Ein besonderes Schwergewicht legen die Geschwister auf den Ausbau des Bildungs- und Verbandsmanagementbereichs. «Für den Bildungsbereich haben wir eine Person angestellt, die sich nur damit beschäftigt», sagt Nico Kunz. Dieser Teil der Strategie, die die Familie für das Unternehmen entwickelt hat, wird nun realisiert.