Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Leodegar in Wohlenschwil ist derzeit nicht wie üblich in ihrer voller Pracht zu sehen, sondern von einem Baugerüst umgeben. Der Grund ist die umfassende Sanierung des Bauwerks, das zwischen 1907 und 1909 nach Plänen des Architekten Wilhelm Hector errichtet sowie 2003 unter kantonalen Denkmalschutz gestellt wurde. Die Arbeiten dauern noch bis Spätherbst an.

Für die römisch-katholische Kirchgemeinde Wohlenschwil-Mägenwil ist es ein wichtiges Projekt, fand die letzte umfangreiche Sanierung der Pfarrkirche doch Ende der 1970er-Jahre statt. «Es war eine gute Entscheidung, die Bauarbeiten vorzunehmen», sagte Viktor Seiler, Präsident der Baukommission, gestern an einer Pressekonferenz. So hätte zum einen ein inzwischen behobener Wasserschaden an der Fassade gezeigt, dass in vielerlei Bereichen grosser Handlungsbedarf bestehe. Zum anderen war das Rosettenfenster über dem Kircheneingang absturzgefährdet.

Deckputz wird ersetzt

Die Sanierung wird vom bekannten Badener Architekturbüro Castor Huser realisiert und von der kantonalen Denkmalpflege begleitet. Seit Baustart im April wurden verschiedene Arbeiten in Angriff genommen. Die auffälligste ist an der Fassade zu sehen, an welcher der gelbliche Deckputz aus Kunststoff entfernt wurde.

Stattdessen wird ein mineralischer Deckputz aufgetragen, der im Gegensatz zum alten Material die Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Der Farbton wird sich dabei im ähnlichen Rahmen wie bisher bewegen.

Auch im Bereich des Kirchturms laufen die Sanierungsarbeiten auf Hochtouren. Im Rahmen derer haben Fachpersonen die Turmkugel auf den Boden geholt, wobei Turmakten zum Vorschein gekommen sind. Die Dokumente wurden anlässlich der Renovation im Jahr 1939 deponiert. Gestern öffnete Viktor Seiler nun das Bleiblech.

Zum Vorschein kamen je eine Ausgabe des Aargauer Volksblatts, des Badener Tagblatts und der Neuen Zürcher Nachrichten. Zudem steckte eine 100 000-Reichsmarknote und eine Notiz des damaligen Spenglermeisters drin.

Dieser notierte unter anderem, dass die Renovation 1939 infolge der Kriegserklärung von Frankreich und England an Deutschland die Bauarbeiten verzögerte. «Wir werden in der Kugel bestimmt auch wieder Zeitzeugen für die nächsten Generationen hinterlegen», sagte Seiler.

Ressourcen: Umsichtiger Umgang

1,3 Millionen Franken steckt die Kirchgemeinde in die Bauarbeiten, davon steuern Bund und Kanton rund 200 000 Franken bei. Wie Seiler sagte, sollte die Investition keine Auswirkungen auf den Steuerfuss haben. «Wir wussten, dass die Sanierung notwendig ist.» Dementsprechend sei man umsichtig mit den Ressourcen umgegangen.

Bis Spätherbst werden neben der Sanierung im Bereich der Fassade und der Restauration der Turmspitze auch Baumeister-, Bedachungs-, Naturstein-, Maler- sowie Schreiner- und Zimmermannsarbeiten durchgeführt. Zudem werden die Kirchturmtechnik saniert und die Orgel gereinigt.