Notfall
«Bei einem längeren Stromausfall würden unsere Kühe platzen»

Bei einem mehrtägigen Stromausfall ist die Wasserversorgung eine der grössten Schwachstellen. Christoph Umbricht, Geschäftsführer der Regionalwerke AG in Baden, erklärt, warum Badener keine Angst vor Wassermangel haben müssen.

Sabina Galbiati
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Bei einem längeren Stromausfall müsste schnell ein Melk-Trupp organisiert werden. (Archiv)

Bei einem längeren Stromausfall müsste schnell ein Melk-Trupp organisiert werden. (Archiv)

Keystone

Herr Umbricht, in der nationalen Sicherheitsverbundsübung 2014 wurde das Szenario eines mehrtägigen Stromausfalls in der Schweiz durchgespielt. Die Erkenntnis: Jeder Haushalt sollte wieder zehn Kilo Notvorrat anlegen, war in der «Schweiz am Sonntag» zu lesen. Halten Sie die beschriebenen Folgen für realistisch?

«Man müsste quasi ein Melk-Rettungstrupp organisieren.» Christoph Umbricht, Geschäftsführer Regionalwerke AG Baden

«Man müsste quasi ein Melk-Rettungstrupp organisieren.» Christoph Umbricht, Geschäftsführer Regionalwerke AG Baden

zvg

Sie haben selber ein Stromausfall-Szenario in einer Übung mitgemacht. An welche Folgen denken wir sicher nicht bei einem Stromausfall?

Unsere Milchkühe würden «platzen», weil die Melkmaschinen nicht mehr funktionieren. Man müsste quasi ein Melk-Rettungstrupp organisieren. Heizung, Telefon, alles wäre früher oder später betroffen. Zum Glück ist das Kantonsspital Baden mit Notstromaggregaten ausgerüstet und damit über mehrere Tage voll funktionsfähig.

Wie sieht es mit Lebensmitteln aus?

Lebensmittel, die verarbeitet sind, könnten nicht mehr produziert, abgepackt und geliefert werden, weil es dazu Strom braucht. Zudem würde die IT-Infrastruktur zusammenbrechen, die nötig ist, um die Verteilung von Lebensmitteln nur schon zu planen.

Noch viel wichtiger ist Wasser. Die ersten Kläranlagen würden nach fünf Stunden ausfallen, heisst es im Bericht. Wie sieht der Wasser-Notfallplan in der Region Baden aus?

Wir könnten beim Netzzusammenbruch eine reduzierte Trinkwasserversorgung über Wochen aufrechterhalten. Eine glückliche Fügung macht dies möglich.

Da dürften viele Einwohner erleichtert sein. Welche Fügung?

Unter der Bruggerstrasse haben wir Heizöl als Ersatz-Energiequelle. Es lagert dort als Ersatz für Erdgas, mit dem normalerweise die Fernwärmeversorgung im ABB-Areal betrieben wird. Mit diesem Öl können wir unsere Notstromaggregate über einen längeren Zeitraum betreiben und mit diesen würden wir das Grundwasser fördern und unsere Trinkwasserreservoire auffüllen.

Das Heizöl könnte andere lebenswichtige Maschinen mit Energie speisen?

Grundsätzlich ja. Aber man müsste sich gut überlegen welche. Denn auch unser Öl-Lager ist begrenzt und es kann mehrere Tage dauern, bis das Stromnetz wieder voll funktionsfähig ist.