Baden
Bei Nachhaltigkeit noch Luft nach oben: Die Stadt will den Anteil an erneuerbarer Energie ausbauen

Trotz Energiestadt-Goldlabel verbraucht Baden überdurchschnittlich viel Strom, wie ein Vergleich des Bundesamts für Statistik zeigt. Dennoch hat die Stadt in den letzten Jahren markante Fortschritte in Sachen Energie gemacht. Die Hintergründe.

Sabina Galbiati
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Nebst anderen beliefert das Wasserkraftwerk Aue Baden die Region mit Strom.

Nebst anderen beliefert das Wasserkraftwerk Aue Baden die Region mit Strom.

CO2-Emissionen sollen gesenkt, Plastikmüll und Pestizide reduziert werden. Deshalb ist die Nachhaltigkeit wieder in aller Munde. Auch die Stadt Baden als Energiestadt mit Goldaward – die höchst mögliche Klassifizierung – hat sie sich längst auf die Fahnen geschrieben. Die Stadt sammelt seit 2005 neben 26 anderen Städten Daten zur nachhaltigen Entwicklung und wertet sie regelmässig für das Bundesamt für Statistik (BFS) aus.

Baden, Zürich, Basel, Zug, Winterthur und weitere Städte liefern dem BFS ihre Daten für 30 Indikatoren in den Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Nun zeigen die Daten 2017, dass Baden in den Bereichen Wirtschaft und Gesellschaft meist überdurchschnittlich gut abschneidet, jedoch ausgerechnet im Bereich Umwelt teils unterdurchschnittliche Resultate erzielt. So fallen der Energieverbrauch und die Menge des Siedlungsabfalls höher aus als der Durchschnitt während die Recyclingquote und der Anteil an erneuerbarer Energie tiefer als der Schnitt ausfallen.

Pendler und Firmen zählen auch

Gemäss BFS verbraucht ein Badener 9168 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Wobei der Strom, der durch Angestellte und Firmen verbraucht wird, ebenfalls in die Erhebung einfliesst. 63,5 Prozent dieses Stroms stammen aus erneuerbaren Energiequellen, wobei diese Zahlen von Jahr zu Jahr schwanken können. Pro Einwohner fallen jährlich 352 Kilo Siedlungsabfall an und die Separatsammelquote beträgt 31,55 Prozent.

Zwar seien die Daten der Städte nur begrenzt untereinander vergleichbar, heisst es beim BFS. Dies, weil die Städte ihre Daten nicht immer gleich erheben. Besteht jedoch ein markanter Unterschied zwischen den Daten zweier Städte, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die eine etwas besser macht als die andere. «Am aussagekräftigsten ist der Vergleich zwischen den Daten einer Stadt und den Durchschnittswerten aller Städte» erklärt Anne Bösch vom BFS.

Nur vier von zehn Punkten

Die Durchschnittswerte werden mit Punkten angegeben. Je höher die Punktezahl desto besser oder nachhaltiger ist eine Stadt in einem Bereich aufgestellt. So erzielt Baden als Energiestadt ausgerechnet beim Stromverbrauch lediglich 4 von 10 Punkten, während der Durchschnitt aller Städte bei 6,6 Punkten liegt. 6,4 Punkte gibts für erneuerbare Stromquellen, wobei der Schnitt bei 7,3 liegt. Beim Siedlungsabfall weist die Stadt 6 Punkte auf, der Schnitt liegt leicht höher. 4,3 Punkte erzielt Baden bei der Separatsammelquote, der Schnitt beträgt 5,6 Punkte. Dafür hat Baden überdurchschnittlich viel wertvolle Naturräume und schlägt hier so manche andere Stadt.

Ziel der Erhebung: Die Städte sollen durch die Konfrontation ihrer Werte Anhaltspunkte erhalten, wo sie Verbesserungspotenzial haben. «Zudem können sie sich untereinander austauschen und Rat und Tipps holen», sagt Bösch.

Der Stadt Baden dienen die Daten primär dazu, die eigene Nachhaltigkeitsentwicklung über die Jahre hinweg zu beobachten und Verbesserungspotenzial zu erkennen, wie es auf der Website der Stadt heisst. «Der Vergleich mit anderen Städten ist für uns wenig aussagekräftig, da sich die Städte teils von ihrer Struktur her und ihren Verhältnissen stark unterscheiden. Beispielsweise hat Baden im Vergleich zu anderen Städten eine Zentrumsfunktion», sagt Barbara Finkenbrink von der Stadtökologie. Bei ihr laufen alle erhobenen Daten zusammen.

Dass Baden bei den genannten Umweltindikatoren unterdurchschnittlich abschneidet, hat vor allem einen Grund, wie Finkenbrink erklärt: «Keine andere Stadt, die an der Datenerhebung mitmacht, hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl einen so hohen Überschuss an Arbeitnehmern.» Auf 100 Einwohner zählt Baden 131 Vollzeitangestellte, die auch Strom verbrauchen und Abfall produzieren, doch die Daten werden pro Einwohner berechnet.

Markante Fortschritte gemacht

Obwohl Baden in einigen Bereichen noch hinterherhinkt, zeigt ein Blick in die vergangenen Erhebungen, dass die Limmatstadt teils markante Fortschritte gemacht hat. So konnte die Stadt ihre Siedlungsabfälle innert vier Jahren von jährlich 425 auf 352 Kilo pro Einwohner senken und den Anteil an erneuerbarer Energie von knapp 28 Prozent auf 63,5 Prozent steigern.

Zahlreiche Massnahmen geplant

Baden hat sich zum Ziel gesetzt, den Energieverbrauch weiter zu verringern und den Anteil an erneuerbarer Energie zu steigern. Im Energieleitbild der Stadt ist ein Strauss an Massnahmen aufgeführt. Sie betreffen die städtische Infrastruktur wie auch jene von Privatfirmen und -haushalten und reichen vom Bau von Photovoltaikanlagen über den Ausbau erneuerbarer Wärmeerzeugung, Förderung von e-Mobilität und autofreiem Wohnen sowie Fuss- und Veloverkehr, hin zu Infoanlässen, Kampagnen und Beratungsangeboten.

Was den Siedlungsabfall und die Separatsammelquote betrifft, so teilt der Werkhof mit, dass dieses und nächstes Jahr das gesamte Entsorgungswesen inklusive Finanzplanung überprüft werde, weil das aktuelle Reglement nicht mehr den heutigen Verhältnissen entsprich. Dabei werde man beispielsweise Möglichkeiten zum Recycling von Kunststoffen prüfen, was auch als Massnahme im Energieleitbild aufgeführt ist.

So werden die Daten erhoben

Die Daten zum Stromverbrauch pro Einwohner werden alle vier Jahre erhoben, wobei zwischen dem Referenzjahr und der Erhebung ein zweijähriger Zeitabstand besteht. Im Gegensatz zu einigen anderen Städten berücksichtigt Baden den gesamten Strom, der über das lokale Netz der Regionalwerke fliest, also auch jenen von Grosskonsumenten.

Dezentral produzierter Strom etwa von Photovoltaikanlagen, deren Strom nicht ins Netz eingespeist wird, wird nicht berücksichtigt. Die Daten zum Anteil an erneuerbarem Strom werden alle zwei Jahre erhoben, wobei auch hier ein zweijähriger Zeitabstand zwischen Referenz- und Erhebungsjahr besteht.

Hier gilt: Grosskunden wie Unternehmen oder Industriebetriebe werden nicht berücksichtigt, da sie ihren Strom auf dem freien Markt beziehen können und daher unbekannt ist, wie hoch der Anteil an erneuerbarem Strom ist. Ebenso bleibt dezentral produzierter Strom unberücksichtigt.

Die Daten zu den Siedlungsabfällen werden alle vier Jahre erhoben. Auch hier besteht ein zweijähriger Zeitabstand zum Referenzjahr. Erhoben werden die Abfälle aus Haushalten und Unternehmen mit weniger als 250 Vollzeitstellen, deren Abfälle mit denen aus Haushalten vergleichbar sind. Nicht eingerechnet ist der Abfall aus dem öffentlichen Raum.

Gezählt wird der Müll, der verbrannt wird und Altstoffe aus der Separatsammlung: Altpapier, Karton, Altglas, Altmetall, Alu und Weissblech. Die Separatsammelquote wird alle vier Jahre erhoben mit einem zweijährigen Zeitabstand zum Referenzjahr. Erhoben werden die oben genannten Altstoffe, da diese durch die Gemeinden gesammelt werden müssen im Gegensatz etwa zu PET oder Elektrogeräten die vom Detailhandel zurückgenommen werden müssen. (Gal)