Draussen an der Bahnhofstrasse vor dem Kulturlokal Royal geniesst man die angenehmen Temperaturen, die Gäste sind mit Stiften in den Händen über ihre Notizen gebeugt. Drinnen an der Bar wird Kaffee und Tee ausgeschenkt, vor der Bühne sitzen über ein Dutzend Lernende, den Blick konzentriert nach vorne gerichtet.

«Was bedeutet für euch der Herbst?», fragt Lea Stirnimann in die Runde. Sie ist eine der freiwilligen Lehrkräfte, die Woche für Woche im Royal Sprachkurse anbieten: Jeden Dienstagabend um 16 Uhr treffen sich hier im «Kafi Royal» Flüchtlinge, um Deutsch zu lernen. «Die Blätter sind bunt», meldet sich einer aus der Gruppe, Stirnimann schreibt die Antwort auf und stellt gleich eine weitere Frage: «Kennt jemand ein anderes Wort für bunt?», um kurz darauf «farbig» auf dem Whiteboard zu notieren. Die Sprachbarrieren sind dabei nicht immer einfach zu überwinden. Manchmal nutzt Stirnimann Zeichnungen oder die Flüchtlinge helfen sich untereinander aus.

Mit Elan bei der Sache

Viele der hier Anwesenden befinden sich schon seit Monaten in der Schweiz, ohne vorher einen Deutschkurs besucht zu haben. Die meisten wohnen im Asylzentrum beim Kantonsspital Baden, einige kommen aber auch aus Villmergen oder Reckingen. Dem Besucher fällt schnell auf, dass die Gäste – vorwiegend junge Männer – mit viel Elan bei der Sache sind. Die Frage, ob man eine kurze Pause einlegen wolle, verneinen die Kursteinehmer fast einstimmig. Lieber widmen sie sich der deutschen Grammatik: In einem Lückentext gilt es, das jeweils richtige Relativpronomen zu finden.

Der Unterricht gestaltet sich über weite Strecken spielerisch: «Wir haben gemerkt, dass die Hemmschwelle mit ein wenig Humor bedeutend sinkt», sagt Lea Schmidmeister, eine der Initiantinnen des «Kafi Royal». Oft würden dabei auch Alltagskompetenzen vermittelt, führt sie weiter aus. So werden die Flüchtlinge an diesem Abend darauf aufmerksam gemacht, dass die im Wald gesammelten Pilze nicht in jedem Fall essbar sind und auch giftige Exemplare unter den Fundstücken sein könnten.

Begegnungen fördern

Je später der Abend, desto mehr Leute gesellen sich in die Runde. Bis um 19 Uhr ist das Royal für den Deutschunterricht reserviert, danach öffnet die Bar – ebenfalls betrieben von Flüchtlingen. Denn im «Kafi Royal» soll nicht nur gelernt werden, es bietet auch Platz für kulturellen Austausch: «Unser grösstes Ziel ist es, Kontakt zwischen Einheimischen und Flüchtlingen zu schaffen», sagt Schmidmeister. «Wir wollen ein Begegnungsort sein, einen Austausch ermöglichen und helfend zur Seite stehen.» So bespricht man im «Kafi Royal» auch aktuelle Themen, unterstützt die Flüchtlinge bei der Suche von WG-Zimmern oder bei der Übersetzung von Briefen. Angefangen hat alles mit dem Sprachkurs, daraus sind in der Zwischenzeit verschiedenste Projekte und gute Freundschaften entstanden: «An der Badenfahrt wird es eine Flüchtlingsbeiz geben», freut sich Schmidmeister. Dieses Jahr gründeten sie deswegen einen Verein und entwickelten das Konzept für das Lokal zusammen mit den Flüchtlingen.