Baden
Beim Schloss Stein wird das Gehölz zugunsten von Pflanzen und Tieren entfernt

Das Forstteam hat gestern begonnen, die Felspartie entlang der abfallenden Schlossmauer des Badener Wahrzeichens auszuholzen. Sie schaffen Licht für Eidechsen, Glockenblumen sowie andere Tiere und Pflanzen. Die Arbeiten sollen bis Ende Jahr dauern.

Roman Huber
Drucken
Teilen
Verschnaufpause bei spätsommerlicher Arbeit auf der Niklausstiege am Schlossberg: Basil Probst, Ernst Fankhauser, Pius Moser. Mathias Marx

Verschnaufpause bei spätsommerlicher Arbeit auf der Niklausstiege am Schlossberg: Basil Probst, Ernst Fankhauser, Pius Moser. Mathias Marx

Sie lieben Felsen und Sonne. Doch in den vergangenen Jahren haben sich Efeu, Schwarz- und Weissdorn, Liguster sowie Wolliger Schneeball und dazwischen Brombeersträucher massiv ausgebreitet und ihnen die Sonne weggenommen. Doch im nächsten Jahr sollen sich Mauer- und Zauneidechsen, Schlingnattern sowie Berg-Lauch, Berg-Astern, Felsenmispel und Glockenblume wieder in der Sonne entfalten können.

Der Fels kommt zum Vorschein

Gestern hat das Forstteam mit Ernst Fankhauser, Basil Probst und dem Naturschutz-Verantwortlichen Pius Moser damit begonnen, die Felspartie entlang der abfallenden Schlossmauer auszuholzen. Die Arbeiten werde laut Moser bis gegen Ende Jahr dauern. «Wir werden insbesondere auf der Südseite bis zu den Rosenreben Efeu, Sträucher und Gehölz, partiell entfernen», so Moser. Durch diese Rodungen werden die wertvollen, mageren Felsfluren gefördert. Dadurch werden auch die Konturen der Schlossruine Stein wieder sichtbar.

Pius Moser, Naturschutz-Verantwortlicher, weist auf die Wichtigkeit dieser Massnahmen hin
5 Bilder
Pius Moser leistet mit der Motorsäge am Schlossberg ganze Arbeit
Die Rodungsarbeiten stehen erst am Beginn und dauern bis Ende Jahr
Die Felsflora soll wieder Sonnenlicht erhalten
Die Arbeit am steilen Hang des Schlossberges erfordert viel Geschick

Pius Moser, Naturschutz-Verantwortlicher, weist auf die Wichtigkeit dieser Massnahmen hin

Eigentlicher Natur-Hotspot

Es gehe nicht um das alljährlich stattfindende Zurückschneiden, sondern um eine gründliche Aufwertung, sagt Moser. Die Arbeiten figurieren seit längerem im Programm. «Das Schloss Stein gilt als eigentlicher Natur-Hotspot für seltene Pflanzen- und Tierarten», erklärt Georg Schoop, Leiter Stadtökologie und Stadtoberförster. Im 2012 überarbeiteten Richtplan Natur- und Landschaftsschutz, dem Kompass für die Naturschutzarbeiten in der Stadt Baden, werden diese Lebensräume deshalb bei der Massnahmenplanung prioritär behandelt.

Mit dem Konzept wurde ein neuer Kredit für weitere Umsetzungsmassnahmen gesprochen. Bereits im Herbst 2012 haben die Forstleute auf dem Gebiet unterhalb des Schlosses Schartenfels die übermässig gewachsenen Grünpartien geschnitten, ausgerissen und ausgehackt. Seither bieten die besonnten, felsigen Partien grossflächig wieder einen optimalen Lebensraum an für Insekten und andere Kleintieren sowie Pflanzen.

Öko-Brücke wird gestärkt

Mit den Massnahmen beim gegenüberliegenden Schloss Stein werde auch die Ökobrücke zwischen den beiden Felsgebieten gestärkt, erklärt Georg Schoop. Rund 90 Prozent aller seltenen Pflanzenarten in Baden wachsen an den Standorten Schartenfels, Schlossberg und Martinsberg. «Aufwertungsmassnahmen bewirken hier besonders viel», sagt Schoop und meint damit auch die Vernetzung dieser Lebensräume.