Neuenhof

Beim Serien-Brandstifter schöpfte er selbst Verdacht: Feuerwehr-Kommandant tritt nach 16 Jahren ab

Daniel Burger am letzten Tag als Kommandant – der Feuerwehr bleibt er erhalten.

Daniel Burger am letzten Tag als Kommandant – der Feuerwehr bleibt er erhalten.

Daniel Burger tritt bei der Feuerwehr Neuenhof kürzer – wegen seiner Wahl in den Gemeinderat. Nach dem Eklat um den Doppelrücktritt sah er seine Chance als Parteiloser.

Auf die Frage nach dem Höhepunkt in seiner Zeit als Feuerwehrkommandant kann Daniel Burger, 48, einen solchen nicht auf Anhieb nennen. Stattdessen sagt er: «Wenn ich jemandem helfen konnte, war das für mich immer wieder ein Höhepunkt.» Das erste Beispiel eines solchen Erlebnisses fällt ihm allerdings schnell ein: «Das Strahlen der Menschen, wenn ich die Tür zum Lift öffnete und sie nach längerer Wartezeit herausholte.» Solche Szenen hat er immer wieder erlebt. Es ist das Gefühl, dass man etwas bewirken kann, das ihn beim Wirken als Feuerwehrmann eine Zufriedenheit verschafft hat.

Feuerwehrkollegen wollten seine Wahl verhindern

Positive Emotionen hat er auch im Korps der Feuerwehr immer wieder erlebt. «Wir haben einen grossen Zusammenhalt», sagt er. «Dass die Mannschaft hinter einem steht und man das spürt», auch das nimmt er mit. Der Rückhalt ging so weit, dass ihm mehrere Feuerwehrleute bei der Gemeinderatswahl die Stimme nicht gaben. «Sie sagten mir, sie wollen mich lieber als Kommandanten behalten», sagt er. Böse ist er ihnen deshalb nicht. «Für mich wäre keine Welt zusammengebrochen, wenn ich nicht gewählt worden wäre.» So freut er sich trotzdem auf die neue Herausforderung.

Daniel Burger hat auch eine besonders unschöne Geschichte miterlebt: 2018 wurde ein Neuenhofer Feuerwehrmann als siebenmaliger Brandstifter entlarvt. «Das war sehr speziell in dieser Zeit», sagt Burger nachdenklich. Der Kommandant selbst und ein Offizier waren es, die Verdacht schöpften und die Polizei informierten. Beim schlimmsten Brand zündete der vermeintliche Helfer in der Not im Keller eines Mehrfamilienhauses einen Stapel Zeitungen an, woraufhin sich das Treppenhaus mit Qualm füllte. Einige Bewohner wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Spital gebracht.

Wäre Daniel Burger nicht in den Gemeinderat gewählt worden, wäre er Kommandant der Feuerwehr geblieben. «Ich bin ja voll berufstätig. Mit beiden Milizämtern wäre die Belastung zu gross», erklärt der Familienvater, der beruflich als Leiter Facility Management in einem Pflegezentrum der Stadt Zürich tätig ist. So schwingt bei seinem Abschied etwas Wehmut mit.

Brandstifter von Neuenhof steht vor Gericht

Brandstifter von Neuenhof steht vor Gericht (21. Januar 2020)

   

Chance nach dem Doppelrücktritt

Politisch interessiert sei er schon immer gewesen. Nach dem Doppelrücktritt von Susanne Voser als Frau Gemeindeammann und Andreas Muff als Gemeinderat entschied sich Burger deshalb zur Kandidatur. «Ich dachte, jetzt habe ich als Parteiloser eine Chance», sagt er. Sich einer Parteilinie zu verschreiben, das kommt für ihn nicht in Frage. «Ich fühle mich keiner Partei besonders nahe», sagt er.

Jede Partei habe gute Ansätze, aber auch Positionen, mit denen er Mühe habe. «Mir geht es um Sachgeschäfte und um den Menschen», sagt er. Im ersten Wahlgang machte er, hinter dem neuen Gemeindeammann Martin Uebelhart, von sieben Kandidierenden am zweitmeisten Stimmen. Im zweiten Durchgang glückte seine Wahl. Nach dem Eklat um den Doppelrücktritt – es herrschte offenbar dicke Luft im Gremium – hat sich die Stimmung verbessert. «Sie ist gut», sagt Burger. «Wir schauen im Gemeinderat nach vorne.»

Was ihn in seiner Arbeit als Gemeinderat antreibt? Es ist dasselbe Motiv wie als Feuerwehrmann. «Ich will etwas bewirken für die Allgemeinheit.» Seit 40 Jahren ist er in Neuenhof zu Hause. Im Gespräch hört man heraus, wie wichtig ihm das Dorf ist. Er spricht von der guten Lage mit der Nähe zu Baden und Zürich, schwärmt von den Naherholungsgebieten am Rüsler und an der Limmat, von der guten Infrastruktur und dem Schulangebot. «Auch kulturell läuft hier einiges.»

Keine Einsätze während der Coronakrise

Als Gemeinderat führt er das Ressort Soziales und Gesundheit. «Der Mensch ist hier ein Schwerpunkt», sagt Burger. Und erzählt vom Coronalockdown. «In der Feuerwehr haben wir mehr Einsätze erwartet, weil die Leute mehr zu Hause waren. Aber das Gegenteil war der Fall. Nicht ein einziges Mal mussten wir in dieser Zeit ausrücken.»

Daniel Burger ist am Freitag als Kommandant verabschiedet worden. Das Ende seiner Feuerwehrkarriere bedeutet dies jedoch nicht. «Ich bleibe dem Korps als Offizier erhalten», sagt er. Als Kadermitglied, Maschinist und Chauffeur werde er weiterhin an Übungen teilnehmen und bei Notfällen ausrücken. Gut möglich also, dass er auch künftig strahlende Augen sieht, wenn er jemanden aus einem steckengebliebenen Lift befreit.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1