Die Regale sind bis oben hin gefüllt mit Figuren, Werkzeugen, CDs und allerlei Materialien. Um einen Tisch sitzen vier Frauen und betrachten ihre modellierten Tonfiguren. Am Dienstag fand der Töpferkurs für Krebsbetroffene vorerst zum letzten Mal statt. Sechs Nachmittage trafen sich die Frauen im Oederlin-Areal und liessen sich unter Anleitung von Sozialarbeiterin Anne-Marie Rupf das Arbeiten mit Ton zeigen.

«Ich wurde von der Beratungsstelle der Krebsliga Aargau in Baden auf den Töpferkurs aufmerksam gemacht», sagte eine Teilnehmerin, die anonym bleiben möchte. Für sie sei es eine gute Erfahrung gewesen, im Rahmen des Kurses in entspannter Atmosphäre mit anderen Betroffenen zusammenzukommen und sich auszutauschen. Erfahrung mit Ton hatte bisher keine der Frauen. «Es war schön, kreativ tätig zu sein und nach Lust und Laune etwas Eigenes entstehen zu lassen», erzählte die Teilnehmerin weiter.

Den Kurs «Gestalten mit Ton» bot die Krebsliga Aargau zum ersten Mal an. Ins Leben gerufen wurde er von Anne-Marie Rupf, die die Beratungsstelle viele Jahre lang leitete. Samuel Stierli, der die Leitung nun seit über einem Jahr innehat, freute sich über die hauptsächlich positiven Reaktionen der Teilnehmerinnen. «Der Kurs war sozusagen ein Pilotprojekt. Jetzt gilt es abzuklären, ob wir ihn in Zukunft weiterhin anbieten», sagte er.

Ein ähnliches Angebot besteht bereits: Jeden Monat trifft sich eine Gruppe zur «Kreativen Krankheitsverarbeitung». Die Teilnehmer versuchen, ihrem Krankheitserleben auf kreative und spielerische Art Ausdruck zu geben. Die Krebsliga Aargau bietet zudem geleitete Gesprächsgruppen für Männer und Frauen getrennt an. «Die Gruppen sind ein schöner Teil der Arbeit. Betroffene geben sich dort gegenseitig Kraft», sagte Stierli. Das Ziel sei, neuen Mut und Zuversicht zu finden.

Die Beratungsstelle der Krebsliga Aargau in Baden gibt es seit dem Jahr 2000. Zwei Sozialarbeitende stehen für Probleme und Anliegen zur Verfügung. «Die Verunsicherung nach einer Krebsdiagnose ist gross. Wir wollen Betroffenen ein Stück Sicherheit zurückgeben», sagte Samuel Stierli. Eine weitere Person ist in der Beratungsstelle in Aarau tätig. Zu dritt decken die Sozialarbeitenden den ganzen Kanton ab. «Unser Ziel ist es, möglichst nahe bei den Leuten zu sein. Deshalb zeigen wir Präsenz am Kantonsspital Aarau und am Gesundheitszentrum Brugg», erklärte der Sozialarbeiter.

Dieses Angebot wird eventuell noch auf andere Spitäler und Gesundheitseinrichtungen im Aargau ausgedehnt. Die Sozialarbeiter helfen Krebsbetroffenen bei der Lebensbewältigung: Es komme zum Beispiel vor, dass der eigene Lohn nicht mehr ausreichend und kaum Vermögen vorhanden sei. In solchen Fällen gäbe es die Möglichkeit, Leute mit Spendengeldern zu unterstützen. Die Krebsliga Aargau würde dann beispielsweise die Versicherungsfranchise, die Selbstbehalte und die Transportkosten für Behandlungstermine übernehmen.

«Pink Light»: Am 23. Oktober findet in Baden ein Lampionumzug statt, anlässlich des Brustkrebsmonats Oktober. Am Solidaritätsmarsch mit pinken Laternen wird gemeinsam auf die häufigste Krebsart der Schweiz aufmerksam gemacht.