Der Badener Whiskyhändler Peter Siegenthaler staunte nicht schlecht, als er sechs Plätze für sich und Freunde – diese reisen extra aus Dallas (USA) an die Badenfahrt an – in der Badenfahrtbeiz «Universall» beim Schlossbergplatz reservieren wollte. «1200 Franken hätte ich für sechs Plätze ab 20 Uhr entrichten müssen, das ist doch eine Frechheit.» Während Siegenthaler sich in erster Linie über die Höhe der «Reservationsgebühr» aufregt, stellt sich generell die Frage: Ist es Beizen nicht grundsätzlich untersagt, Reservationen für ihre Sitzplätze entgegenzunehmen?

Tatsächlich war dies den Festbeizen bei früheren Badenfahrten und auch am Stadtfest 2012 untersagt – daran gehalten haben sich längst nicht alle. Weil die Festbeizenbetreiber aber ihren Sponsoren verständlicherweise Plätze garantieren wollen, dürfen sie an der Badenfahrt von Montag bis Donnerstag für einen Drittel ihrer Sitzplätze Reservationen entgegennehmen. «Wir wollten vom Verbot absehen, weil es fast nicht umsetzbar war», sagt OK-Präsident Adi Hirzel. Man appelliere vielmehr an die Fairness der Beizenbetreiber, am Wochenende keine Reservationen entgegenzunehmen. «Festbesucher sollen auch ohne Reservation die Möglichkeit haben, sich an der Badenfahrt zu verpflegen.»

Hirzel glaubt ohnehin, dass das Thema Reservationen sich von selbst regulieren werde, weil die Beizen merken, dass nicht alle Gäste, die reserviert haben, es überhaupt rechtzeitig zur Beiz schaffen. Letztlich werde man nur bedingt kontrollieren können, ob sich die Beizen an die Vorgabe halten. «Wenn wir aber Hinweise erhalten, dass bei einer Beiz ein Grossteil der Plätze immer reserviert ist, dann werden wir sicher auf die Beiz zugehen und sie auf die Spielregeln aufmerksam machen», verspricht Hirzel.

Gratis-Lunapark für Sponsoren

Dass es den Beizen erlaubt ist, von Montag bis Donnerstag für einen Drittel ihrer Plätze Reservationen entgegenzunehmen, hat aber noch einen anderen Grund. Denn das OK selbst reserviert in 15 Beizen insgesamt 230 Tische für seine Sponsoren. Was nach viel aussieht, relativiert sich in Anbetracht der rund 18 000 Tisch-Belegungen aller Beizen übers ganze Fest. «Als ich begann, Sponsoren für die Badenfahrt zu suchen, antworteten mir die ersten drei unisono, sie wären vor allem dann dabei, wenn es die Möglichkeit gebe, Tische zu reservieren», sagt René Müller, beim OK zuständig für das Sponsoring. Drei Kategorien von Sponsoren gibt es an der Badenfahrt. 78 Partner (je 5000 Franken Beitrag), 58 Co-Partner (20'000 Franken) und 8 Haupt-Partner (80'000 Franken) plus 60 Privat-Donatoren, die je 2000 Franken beisteuern. Co-Partner dürfen dreimal einen Achtertisch reservieren, Hauptpartner sechsmal einen Achtertisch. «Die Konsumation ist aber nicht mitinbegriffen, sondern wird von den Sponsoren bezahlt», so Müller.

Damit die Vereine auch die Möglichkeit haben, dass ihre eigenen Sponsoren reservieren können, haben wir das Reservationsverbot gelockert», sagt Müller. Nebst der Möglichkeit, Tische zu reservieren, kommen die Co- und Hauptsponsoren in den Genuss weiterer «Exklusivitäten», wie es Müller nennt. So sind Eintritte in die VIP-Bar gleich bei der Grossen Bühne im Graben inklusive Frei-Getränke mitinbegriffen. Und um den Abend nach VIP-Bar und Abendessen abzurunden, erhalten Co- und Hauptsponsoren eine bestimmte Anzahl Gratis-Fahrten im Luna-Park. «Wohl auch wegen dieses attraktiven Gesamtpakets habe man deutlich mehr Sponsoren gewinnen können wie am Stadtfest 2012. René Müller: «Indirekt hat jeder Festbesucher und jeder Verein einen Vorteil aus den Sponsoren-Tischen, da ein gutes Drittel der Badenfahrt-Erträge aus dem Sponsoring stammt.» Ohne Sponsoren-Beiträge müssten die Preise der Festpässe und die Umsatzabgaben der Vereine für eine ausgeglichene Rechnung erhöht und gleichzeitig die OK-Leistungen reduziert werden.

«Beiträge sind in der Tat hoch»

Zurück zum grossen Ärger von Siegenthaler. OK-Präsident Adi Hirzel hält fest: «Grundsätzlich ist es jeder Beiz überlassen, ob und wie viel sie für das Reservieren verlangen wollen.» Mario Laube, bei der Beiz «Universall» zuständig für das Sponsoring, sagt auf Anfrage: «Die Beiträge sind in der Tat hoch, doch sie sind nicht als Reservationsgebühr zu verstehen.» Man wolle im Gegenteil möglichst vielen Festbesuchern die Chancen auf freie Plätze ermöglichen, denn jeder Besucher solle mit etwas Glück einen Platz ergattern können. «Deshalb halten wir uns trotz Anfragen zu 100 Prozent daran, an den Wochenenden alle Plätze freizuhalten. «Wenn aber jemand von Montag bis Donnerstag um jeden Preis einen Platz auf sicher haben will, dann muss er bereit sein, den Gönnerbeitrag zu entrichten», so Laube. Peter Siegenthaler wird davon keinen Gebrauch machen. «Die 1200 Franken gebe ich lieber für anderes aus.»