Beizenbummel
Beizenbummel: En Gschprützte us em Configlas

Auf dem Chileplatz ist Obelix Stammgast und nachts gibt es Afternoon Tea.uch die Quartiervereine Meierhof und Altstadt haben «die beiz» fantasievoll ausstaffiert: Die Kronleuchter sind aus grünen Spritzkannen, die Wandlampen aus roten solchen.

Mayeli
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Beizenbummel 5 am Stadtfest
5 Bilder
Feuchtfröhliche Party im Pool der Nikki Beach.
Herberge zur wilden Sau.
Viel Betrieb in der Klosterbar.
Einkehren im Doppelstöcker.

Beizenbummel 5 am Stadtfest

Alex Spichale

Mit dem öffentlichen Verkehr ans Fest ist zwar klug und weise, aber der Gesundheit nicht unbedingt förderlich. Bei der Hinfahrt im simplen Postauto aus dem Surbtal am frühen Abend hat man das totale Sardinenbüchsen-im-Glutofen-Gefühl. Retour dann, wenn die Aussentemperaturen auf angenehme 23 Grad gesunken sind, steigt man schlagartig in eine lüftende Kühltruhe, die – Hatschi – Zipperlein in Nase und Nacken geradezu heraufbeschwören. Bleibt immerhin die Hoffnung, dass sich die Beschwerden bis Montag zurückhalten.

Auf meinem jüngsten Streifzug war ich dem Schicksal dankbar, dass ich in offizieller Mission auf Beizen- und nicht auf Fressbudenbummel unterwegs war. Über das Angebot und die Qualität an Würsten, Spiessen, Green Curry, Samosa, Glacé, Lassi, Wassermelonensaft, Mah Meh, Döner zu berichten, würde stundenlanges Schlangenstehen vor den entsprechenden Ständen bedeuten, wobei mir höchstwahrscheinlich Hunger und Durst vergingen. Ganz abgesehen davon, dass a) diese Buden total unattraktiv sind und b) fliegende Verpflegung nicht mein Ding ist. Da übe ich mich dann doch lieber in Geduld – was auch nicht ganz einfach ist – und warte, bis in einer Beiz gnädigerweise ganz zufällig eine Sitzgelegenheit frei wird.

Zum Beispiel ein Küchenschemel oder ein auf Bücherstapeln liegendes Brett im «Leviathan», betrieben von ehemaligen Pfadis und Co. auf dem Chileplatz. Dort sind nicht nur die Sitzgelegenheiten originell, auch das Material, aus dem die Beiz gebaut wurde, ist ein Brockenstube-Sammelsurium, das sich drinnen mit einer wahren Wundertüte von ebenso kuriosen wie zauberhaften Dekorationen fortsetzt und auch vor dem kulinarischen Angebot nicht Halt macht. Unter anderem gibt’s warmes Siedfleisch oder Trutenbraten mit Sauerkraut und Käse und wird der gespritzte Weisse in Configläsern serviert.

15 Tonnen Beachvolley-Sand

Auch die Quartiervereine Meierhof und Altstadt haben «die beiz» fantasievoll ausstaffiert: Die Kronleuchter sind aus grünen Spritzkannen, die Wandlampen aus roten solchen sehen aus wie – je nach Blickwinkel – Käfer oder kleine Teufel. Zu essen gibt’s hier warme Pastete und zum Dessert Aprikosen-, Rhabarber- oder Zwetschgenkompott mit Streusel und einem Schlag Rahm obendrauf – mhhh. Wem danach nach einer Tasse English Tea zumute ist, bekommt den ein paar Schritte weiter beim roten Doppeldecker-Bus. Wegen grosser Nachfrage wird der Afternoon-Tea dort jetzt auch nachts kredenzt.

15 Tonnen Beach-Volleyball-Sand hat der Verein Casa Latina hinter dem Doppeldecker-Bus ausgebracht und mitten hinein einen aufgeblasenen Whirlpool gestellt. Wie hatte vor 50 Jahren doch schon Conny Froboess gesungen «Pack die Badehose ein. . .» Apropos Wasser: Wasserpfeifen sind am Stadtfest stark verbreitet. Im «Orient Palaca» hinter der Kirche kann man in gemütlicher Runde Tabak mit Früchtegeschmack für 15 Stutz so lange paffen, bis alles Wasser verdampft ist.

Bei der Associazione Culturale A. Gramsci hat man vollumfänglichen Einblick in die cucina, die so piccola ist, dass es an ein Wunder grenzt, dass hier zehn(!) Sorten Pizza, drei Pasta, Spiessli und insalata mista frisch zubereitet werden. Au d’Velofründe Bade-Wettige haben sich der cucina italiana verschrieben. Und das von Berlusconis Gnaden, was eine lieben Bekannten von mir veranlasst, diese Beiz zu boykottieren. «Il Cavaliere» heisst sie, der Kopf des gefallenen italienischen Ministerpräsidenten grinst einem von allen Seiten an, der einschlägige Drink heisst aber nicht Bunga Bunga, sondern «Sex mit dem Cavaliere» – nimmt mich mega wunder, ob irgend jemand scharf darauf ist und serviert wird gehobene italienische Küche.

Die Quartiervereine Chrüzliberg & Limmat rechts hingegen servieren, was der Name ihrer Herberge verspricht: Rohschinken, Hackbraten und Schnitzel von wilden Säuen: Obelix ist offensichtlich Stammgast, ist sein Hinkelstein doch dauernd vor der Beiz parkiert. Übrigens: Ein erhebender Moment ist, wenn die Kirchturmglocken schlagen und sich erfolgreich gegen das aus allen Ecken dröhnende so genannte «musikalische» Wumm-Bumm durchsetzen. . .