Laufschuhe, Sandalen, rahmengenähte Herrenschuhe, Sneakers, massenhaft Flipflops. Wie viele Birewegge-Füess mögen zwischen Aue und Graben, Limmatweg und Kurpark in diesem Kunterbunt an Fussbekleidung unterwegs sein? Nicht nur Indianer, auch Badenfahrer kennen keinen Schmerz. Und futtern tun sie, als wäre dies eine olympische Disziplin. Aber – wetten, dass trotz enormer fester und flüssige Kalorienzufuhr die Pfunde purzeln? Allein um vom Beetli Schmied zum UsVers zu gelangen beispielsweise, müssen 100 Treppenstufen bewältigt werden; vom Polygon zur Haselstrasse sind es gar deren 153. Eine Badenfahrt ist eben ein Fitness-Parcours. Und, ganz wichtig, auch eine Dating-Plattform, auf der man Bekannten begegnet, die man seit Jahren nicht mehr angetroffen hatte. Diese Wiedersehen sind umwerfend – einfach zum Knuddeln und Küssen schön.

Doch zurück zu den Kalorien. Ihre Vielfalt ist grandios, reicht von exotisch über bodenständig bis zu edel. Wurst und Brot kann jeder anbieten, hat sich beispielsweise die Spanischbrödlizunft gesagt und serviert in ihrem Schwarzen Schimmel auf dem Kirchplatz unter Kronleuchtern nicht etwa Pferdefilet à la Bocuse an, aber – wow – «Crème brûlée von der Gänseleber», ein «Ensemble von Rauchlachs» und eine «Poesie von Rindstatar».

Sitzplätze sind Mangelware

Rund um die Festspiel-Arena und -Tribüne im Kurpark haben relativ wenige Beizen Position bezogen, aber das Angebot kann sich sehen respektive geniessen lassen. Der «chlii Björn» vom Kubbverband hatte am Mittwoch allerdings sein warmes Essens-Angebot bereits ausgeschossen und das – wie zu erfahren war – bleibt bis zum Ende am Sonntag so. Taschenbrote, etwa mit Lachs, aber gibts noch. Wärmstens zu empfehlen sind die Römerwurst mit Pinienkernen, der kleine oder grosse Zmorge am Wochenende und die Kuchen vom Frauenverein in der «UfLäseBox». Deren «Speakers Corner» jedoch ist bis dato offenbar kein Erfolg beschieden. Das kann – sollte – sich aber doch noch ändern: Hinaufgestiegen auf das kleine Podest und lauthals in die Haselstrasse hinausgebrüllt: «Auch wenn die Chance, in einer der Beizen einen Sitzplatz zu ergattern, fast gleich gross ist, wie mit einem Swisslos eine Million zu gewinnen: Leute – die Badenfahrt ist grandios und Schlangenstehen das allerbeste Training für die Meisterschaft im Slow-down!!!!»

So ein «Trainingslager» bietet auch der Ruderclub mit seinem bleu-blanc-rougen «L’Entrecôte»: Der Name der Beiz ist Programm und das findet, umgeben mit grünen Bohnen, Pommes frites und Estragon-Sauce reissenden Absatz. Zu Wein, Bier oder einer Flûte Champagne Grand Reserve lässt sich bei einem Apéro an der Bar der grösste Hunger mit Salznüssli stillen. Französische Küche und Keller sind ebenfalls im Jardin Martin, hinten im Park, Trumpf: Pastis, Cognac, Saucisson provençal. Zum Gratin dauphinois wird an langen, weiss gedeckten Tischen unter alten Bäumen geschmortes Schweinsbäggli aufgetischt. Wem der Sinn nach kurzzeitigem Ferien-Feeling steht, der sollte versuchen, sich nebenan einen der Strandkörbe zu erobern.

Ein bisschen Ruhe

Wer sich und seinen Ohren hingegen ganz einfach mal ein bisschen Ruhe gönnen will, der lenke seine Schritte auf dem Bahnhofplatz links an der reformierten Kirche vorbei. An einem Büffet wählt man aus einem attraktiven Angebot von Weinen; ein Körbchen mit feinen Brotmöckli gibts gratis dazu. Überdies kann man in kleinen Schalen Parmesan-, Salsiz-Möckli oder Essiggemüse erwerben. Die Kirchenmauer entlang stehen ein paar Stühle, weitere Sitzgelegenheiten gibt es in einer Jurte sowie unter romantisch beleuchteten Bäumen hinten im Pfarrhausgarten.