Bei Regen und Kälte sammeln sie den Müll ein, reinigen die Strassen, stutzen die Hecken – die Männer des Werkhofs Baden haben einen Knochenjob. Deshalb gönnen sie sich ab und zu einen Kaffee an der Wärme. Bisher geschah dies meist ausserhalb der regulären 30-Minuten-Pause am Vormittag.

Damit ist nun Schluss: Weil einige Mitarbeiter und Leute aus der Bevölkerung die zusätzlichen Kaffeepausen kritisierten, hat die Werkhofleitung nun ein Machtwort gesprochen. Die Mitarbeiter dürfen den Kaffee nur noch draussen vor der Beiz oder der Haustür trinken – und nur während maximal fünf Minuten.

Die neue Regelung stösst einigen Werkhofangestellten sauer auf. «Gewisse Arbeitskollegen, die jobbedingt keine Einladungen aus der Bevölkerung bekommen, missgönnen es den anderen», erklärt ein Mitarbeiter das Verbot.

Er zeigt wenig Verständnis für die Regelung: «Wenn die Leute sich beschweren, dass wir in der Beiz rumsitzen, dann wird es sicher noch mehr auffallen, wenn wir den Kaffee draussen vor der Tür trinken.» Doch sobald die Pause drinnen stattfinde, würde sie länger dauern, sagt Werkhofleiter Thomas Stirnemann.

«Einige fühlten sich benachteiligt»

Bei der Weisung handelt es sich um eine Sonderregelung, die im Organisationshandbuch seit 2012 geschrieben steht: Einladungen und Getränkeangebote der Bevölkerung während maximal fünf Minuten werden toleriert. Stirnemann erklärt auf Anfrage der az: «Letztes Jahr haben wir bei Gesprächen mit unseren Mitarbeitern festgestellt, dass sich einige benachteiligt fühlen, weil andere diese Regelung missachten.»

Die Teamleiter und er hätten daraufhin den Mitarbeitern klargemacht, dass diese Regeln für alle gelten würden und nicht verhandelbar seien. «Ich werde aber nicht mit der Stoppuhr winken, wenn es mal zehn Minuten werden», sagt er.

Nicht betroffen vom Verbot sind Spezialeinsätze wie der Winterdienst, der schon morgens zwischen drei und fünf Uhr beginnt, oder das Aufstellen des Weihnachtsmarkts oder des Jahrmärts.

«Damit muss ich leben»

«Danach können die Mitarbeiter eine zusätzliche Pause machen, wenn sie diese mit ihren Teamleitern absprechen», erklärt Stirnemann. Dass er sich damit nicht bei allen Angestellten beliebt macht, ist ihm bewusst: «Aber damit kann ich und muss ich leben.»

Ein Mitarbeiter, der diese Regelung nicht sinnvoll findet, sagt: «Wir bekommen maximal ein bis zwei Einladungen im Monat.» Bei solchen Gelegenheiten pflege man auch den Kontakt zu den Leuten. «Sie erzählen uns, wenn es Probleme gibt bei der Entsorgung, im Garten oder beim Winterdienst, dann finden wir schnell eine Lösung.»

Im Moment glauben die Mitarbeiter noch nicht so recht an die neue Regelung: «Bis in einem Jahr werden die Regeln nicht mehr so strikt eingehalten», vermutet einer. Zumindest hinter vorgehaltener Hand heisst es: «Ich werde meinen Kaffee trotzdem drinnen trinken.»