Wettingen
Bekannte Wirtin wird pensioniert: Wettinger Restaurant «Alter Löwe» schliesst

40 Jahre lang war Käti Lüscher Wirtin des Restaurants «Alter Löwe» auf der Klosterhalbinsel. Mit ihrer Pension schloss am 31. März das Quartierrestaurant, in dem sowohl Millionäre sowie auch Arbeitslose verkehrten. Der Abschied fällt Lüscher schwer.

Jérôme Jacky
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Käti Lüscher war 40 Jahre lang Wirtin des «Alten Löwen» auf der Klosterhalbinsel

Käti Lüscher war 40 Jahre lang Wirtin des «Alten Löwen» auf der Klosterhalbinsel

Jérôme Jacky

Die Klosterhalbinsel ist seit dem ersten April um ein Restaurant ärmer: Am 31. März bediente Käti Lüscher zum letzten Mal ihre Gäste im Restaurant «Alter Löwen». Mit Lüschers Pension geht auch die vorläufige Schliessung des Restaurants einher.

Lüscher musste das Restaurant räumen: Vor dem Eingang stand eine Mulde, auf den Tischen Besteck und Geschirr, dass verkauft wurde. Beim Räumen wurde Lüscher von vielen Helfern unterstützt. «Das sind alles Stammgäste oder Ehefrauen meiner Stammgäste», sagt sie.

Käti Lüscher war auf den Tag genau 40 Jahre lang Gastgeberin im Restaurant «Alter Löwen». «In die Gastronomie bin ich richtiggehend reingerutscht, da meine ganze Familie im Gastgewerbe arbeitete», sagt Lüscher.

Bereits ihre Tante war Pächterin des kleinen Restaurants auf der Klosterhalbinsel gewesen. Käti Lüscher arbeitete im Service und absolvierte später die Wirteschule. 1974 übernahm sie von ihrer Tante die Führung der Wirtsstube.

Treffpunkt für das ganze Quartier

Während sich auf der Klosterhalbinsel einiges verändert hat, blieb Lüschers Quartierbeiz einen sicheren Wert. «Das Restaurant war ein Treffpunkt für das ganze Quartier», sagt sie und ergänzt: «Bei mir kehrten Millionäre aber auch Arbeitslose ein – ich hatte für jeden ein offenes Ohr.» Doch mit einigen Stammgästen sind auch traurige Erinnerungen verbunden: «Einige Gäste sind in den 40 Jahren gestorben», sagt sie traurig.

Damals befand sich im Kloster das kantonale Lehrerseminar mit Internat. Die Seminaristen kamen regelmässig auf ein Bier bei ihr vorbei.

«Einige besuchten mich noch, als sie schon Lehrer waren», erzählt Lüscher. Lange Zeit ist das Restaurant auch Stammlokal eines Töffclubs gewesen. Bei dessen Treffen sei es manchmal wild zugegangen.

«Eines Abends ist ein Fahrer mit seinem Motorrad in die Gaststube gefahren», erinnert sie sich. Im Sommer genossen die Besucher die Aussensitzplätze. «Unter der Gartenlaube konnten meine Gäste gemütlich etwas trinken und über das Leben philosophieren.»

1979 wurde aus dem Seminar eine Kantonsschule. «Da hat sich einiges geändert.» Im Vergleich zu den Seminaristen seien die Schüler nur selten gekommen. «Nur noch Vereinzelte sind auf ein Feierabendbier vorbeigekommen.»

Gerne erinnert sich Lüscher aber an eine Gruppe von Schülerinnen, die vor dem Mittag ihre Hausaufgaben im Lokal gelöst hätten. «Ich habe ihnen dann manchmal etwas Kleines zu essen gegeben», sagt Lüscher. Als diese Schülerinnen nach vier Jahren die Schule abgeschlossen hatten, seien sie vorbeigekommen und hätten ihr einen kleinen Blumenstrauss übergeben. «Das hat mich sehr gefreut.»

Ein Herz für Dekoration

Das Abschiednehmen fällt Lüscher nicht leicht. Bei der Räumung des Lokals seien etliche Erinnerungen aufgekommen. «Als die Dekorationsmaterialen weggeworfen wurden, musste ich wegschauen», sagt Lüscher. Denn die Dekoration des Restaurants sei ihr sehr am Herzen gelegen. «Ich habe das Lokal immer saisongerecht geschmückt», sagt sie. Besonders viel Herzblut steckte jeweils in der Fasnachtsdekoration. Die ganze Gaststube hat sie dann mit Girlanden und Fasnachtsschlangen verziert.

Für Käti Lüscher beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Sie verlässt die Klosterhalbinsel und zieht nach Birmenstorf. Gestern hat sie die Schlüssel des Betriebes abgeben müssen. Obwohl sie den Restaurationsbetrieb schweren Herzens aufgibt, freut sie sich auf die kommende Zeit. «Mein Leben nach der Pension wird sicher ruhiger», sagt Lüscher, die jahrelang fast 17 Stunden pro Tag arbeitete. Doch sie betont: «Meine Arbeit war nie anstrengend, weil ich sie mit grosser Freude gemacht habe.»