Obersiggenthal

Belastetes Trinkwasser: SP-Grossrat kritisiert Gemeinde

Blick auf die Liegenschaften im Ebnihof: Bis zu sechs Mal pro Woche transportieren Mitarbeiter der Gemeinde Kanister mit sauberem Wasser hierher; im Reservoir vermischen sie es mit dem pestizidbelasteten Wasser.

Kritik am Umgang mit Trinkwasser: Statt sauberes Wasser beizumischen, müsse Obersiggenthal die pestizidbelastete Quelle vom Netz nehmen, fordert SP-Grossrat Max Chopard.

Gleich in zwei Quellen in Obersiggenthal sind Rückstände des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil nachgewiesen worden: Seit dieser Woche ist bekannt, dass der vom Bund festgesetzte Grenzwert nicht nur bei der Quelle Hertenstein, sondern auch im Lindenweg-Ebnihof überschritten wurde.

Für Max Chopard, SP-Grossrat aus der 8559-Einwohner-Gemeinde, ist klar: Zumindest die Quelle beim Hertenstein muss vom Netz. «Es ist nicht nachvollziehbar, warum dies nicht schon längst passiert ist.»

Er begründet seine Forderung damit, dass die Trinkwasserversorgung in Obersiggenthal auch gesichert wäre, wenn die belastete Quelle vom Versorgungsnetz genommen würde. Dies hielt der Gemeinderat in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage fest.

Für Max Chopard steht fest: «Beim Trinkwasser ist die Qualität unverhandelbar.» Das Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil wird gegen Pilzbefall im Ackerbau verwendet. Die Abbauprodukte können ins Grundwasser gelangen und die Gesundheit gefährden, wie die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde festhält.

In der EU ist das Mittel ab 2020 nicht mehr erlaubt. In der Schweiz wurde ein neuer zulässiger Höchstwert festgesetzt, der bei Messungen in Obersiggenthal überschritten wurde.

Gemeinderat: «Das wäre wirtschaftlich unangemessen»

Die Gemeinde löst das Problem, indem das belastete Wasser mit unbelastetem Wasser vermischt wird – dadurch sinke die Konzentration von Chlorothalonil auf einen unproblematischen Wert.

Von dieser Vorgehensweise ist Max Chopard wenig begeistert: «Wenn es eine bessere Möglichkeit gibt, als die Konzentration des Stoffs im Wasser zu verdünnen, dann muss die alternative Variante – in diesem Fall die Quelle vom Netz zu nehmen – unbedingt wahrgenommen werden.»

Der Gemeinderat ist anderer Meinung. Er schreibt dazu: «Die Quelle Hertenstein liefert knapp zehn Prozent des gesamten Wasserbedarfs unserer Gemeinde. Es wäre wirtschaftlich und auch moralisch unangemessen, das (nach der Verdünnung) einwandfreie Wasser zu verwerfen.»

Der zuständige Gemeinderat Peter Stucki (SP) ergänzt auf Anfrage: «Das Wasser aus der Quelle Hertenstein läuft zum Reservoir Rieden, wodurch die Konzentration der Chlorothalonil-Abbaustoffe deutlich unter den Grenzwert fällt. Das Wasser, das wir der Bevölkerung liefern, hat einwandfreie Qualität.»

An dieser Methode der Verdünnung bei der Hertensteinquelle werde die Gemeinde in den kommenden Jahren festhalten. «Es hat Jahrzehnte gedauert, bis das Problem mit dem Pestizid bekannt wurde. Und es wird lange dauern, bis es gelöst wird. Ein solch langfristiges Problem können wir nicht mit kurzfristigen Massnahmen aus der Welt schaffen.

Anders ist die Ausgangslage beim Ebnihof-Reservoir, wo der Chlorothalonil-Grenzwert ebenfalls überschritten wurde, wie diese Woche bekannt wurde. Dieses Reservoir ist unabhängig von der restlichen Wasserversorgung und kann darum nicht geschlossen werden.

Mitarbeiter der Wasserversorgung bringen darum bis zu sechsmal pro Woche frisches, unbelastetes Wasser zum Ebnihof. Transportiert wird es in zwei Kanistern, die je 1000 Liter fassen.

Aus rechtlicher Sicht wäre die Gemeinde Obersiggenthal nicht verpflichtet, bereits jetzt wegen der belasteten Quellen zu handeln, erklärt Gemeinderat Stucki. «Aber wir haben entschieden, alle Bürgerinnen und Bürger gleich zu behandeln und allen einwandfreies Wasser zur Verfügung zu stellen.»

Bau einer Leitung zum Ebnihof geplant

Wie lange noch muss das Problem beim Ebnihof-Reservoir wöchentlich mehrmals von Hand gelöst werden? Stucki erklärt: «Der Ausbau des Reservoirs Rieden war ursprünglich in rund drei, vier Jahren vorgesehen. Dabei ist vorgesehen, eine neue Wasserleitung in den Ebnihof zu verlegen. Es wird nun geplant, den Bau dieser Leitung vorzuziehen.»

Dadurch werde wieder eine Vermischung ermöglicht. Unbelastetes Wasser gebe es in der Gemeinde Obersiggenthal mit grosser Wahrscheinlichkeit in sehr grosser Menge, sagt Stucki. «Hauptwasserquelle für unsere Gemeinde ist das Grundwasserpumpwerk Aesch, wo viel gutes Wasser vorhanden ist, das in die verschiedenen Reservoirs gepumpt wird.»

Peter Stucki sagt, nicht nur die Landwirtschaft verursache die erhöhten Pestizid-Werte im Wasser. «Das Pflanzenschutzmittel wird auch in der Forstwirtschaft verwendet. Dies, wenn gefällte Bäume, die längere Zeit liegen bleiben, vor Pilzbefall geschützt werden sollen.»

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